BAKER & MCKENZIE

Nationaler Überblick Top 50★★★★☆

Bewertung: B&M hat sich weltweit einen Fokus auf anspruchsvolle Transaktionsarbeit verordnet – und in Deutschland ist sie auf dem besten Wege, ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen. Die M&A-Praxis rückt immer näher an die Marktspitze heran, hat die Schlagzahl ihrer Deals weiter erhöht und war öfter als bisher mit Milliardentransaktionen betraut. Beispiele sind ein Spartenverkauf an der Seite von Evonik, die Beratung von Thor beim Kauf von Hymer und von Bayer beim Verkauf von Currenta. Zudem fungiert die dt. Praxis kanzleiweit insbes. bei Deals mit China-Bezug regelm. als Drehkreuz für die internat. Arbeit. Die starke internat. Präsenz der Kanzlei ist dabei schon lange ein Aushängeschild. Dass fast alle Praxen auf internationale Mandate ausgerichtet sind – vom Immobilien- bis zum Umwelt-, Vergabe- oder Vertriebsrecht – kommt auch dem Transaktionsgeschäft zugute. Doch in den vergangenen Monaten wurde deutlicher denn je, wie B&M weltweit immer mehr als Einheit agiert. Sichtbarstes Zeichen sind neue, länderübergreifende Managementstrukturen, in denen auch dt. Anwälte Schlüsselpositionen übernehmen.
Trotz der kanzleiweit ausgerufenen Transaktionsstrategie bleibt B&M in Deutschland breit aufgestellt. Mit Erfolg: Das enge Zusammenspiel des M&A-Teams mit anderen Praxen erweist sich als geschickte Strategie. So beraten die Energierechtler private Investoren, Bankenkonsortien und Unternehmen wie Shell oder Vattenfall und treiben so das Transaktionsgeschäft voran. Bei der Currenta-Transaktion war zudem das öffentlich-rechtliche Know-how gefragt.
Jenseits des klassischen M&A-Geschäfts setzten die Kartell- und Datenschutzrechtler Ausrufezeichen im Markt. Die Kartellpraxis hat etwa für Mandantin Carlsberg im aufsehenerregenden Bierkartellverfahren die Aufhebung eines €62 Millionen hohen Bußgelds erkämpft und damit ihre starke Stellung im Kanzleigefüge zementiert. Die Datenschutzrechtler wiederum erweiterten ihr Mandatsportfolio beträchtlich, auch dank des weltweiten Kanzleinetzwerks: So mandatierten etwa Automobilhersteller die Praxis bei globalen Projekten zum autonomen Fahren. Den Erfolgskurs der beiden Praxen unterstreicht die interne Ernennung von Local-Partnern. Auch im Gesellschaftsrecht stehen die Zeichen auf Ausbau: Mit einer internen Partnerernennung und einer Quereinsteigerin von DLA Piper verbreiterte B&M ihre Equity-Partner-Riege, die immer häufiger namhafte Unternehmen bei größeren Carve-out-Projekten berät. Damit B&M auch im Gesellschaftsrecht den Anschluss an die Marktspitze findet, wäre allerdings noch weiterer Ausbau der aktien- und kapitalmarktrechtlichen Kapazitäten nötig.
JUVE Kanzlei des Jahres in: M&A.
Besondere Stärken: Handel u. Haftung; IT.
Siehe auch: Berlin; Düsseldorf; Frankfurt; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 217
Internat. Einbindung: Global aufgestellte Kanzlei, die in 3 große Einheiten aufgeteilt ist: USA, Europa/Nahost/Afrika sowie, besonders stark, Asien. Servicecenter in Belfast, in Manila (Philippinen), Tampa (Florida) u. Buenos Aires (Argentinien).
Entwicklung: Die Entwicklung der M&A-Praxis ist beeindruckend. Umso mehr gilt es, die Leistungsträger langfristig an die Kanzlei zu binden. B&M ist ein gebranntes Kind: Vor längerer Zeit hatte die Kanzlei häufiger aufstrebende Köpfe an Wettbewerber verloren. Doch sie hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Der vor 6 Jahren angestoßene Modernisierungsprozess, im Zuge dessen v.a. das Vergütungssystem reformiert wurde, ist inzwischen abgeschlossen und hat den Boden bereitet für den Aufbau erfolgreicher Teams wie für Corporate oder Kartellrecht.
In ihrer aktuellen Verfassung ist B&M eigentlich eine attraktive Adresse für Quereinsteiger – umso überraschender ist es, dass sie beim Ausbau der Steuerpraxis nicht vorankommt. Im Gegenteil, der Weggang von Dr.Norbert Mückl, dem einzigen Steuerpartner in München, war ein Einschnitt. So bleibt das Münchner Büro eine Baustelle, der Quereinsteiger gut täten. Aber auch den eigenen Nachwuchs muss die Kanzlei im Auge behalten. Viele Associates ächzten zuletzt unter der – sicherlich auch den Mandatserfolgen geschuldeten – sehr hohen Arbeitsbelastung. Zwar kommt gerade B&Ms Vorreiterrolle bei Themen wie Digitalisierung und Legal Tech bei den jüngeren Anwälten gut an, das alleine wird aber nicht genügen, um die Motivation hoch zu halten.
  • Teilen