BEITEN BURKHARDT

Nationaler Überblick Top 50★★☆☆☆

Bewertung In mancherlei Hinsicht war das Jahr 2019 für die Kanzlei eine Zeitenwende. Zum einen brachte es nach 15 Jahren einen neuen Managing-Partner: Anfang des Jahres löste Philipp Cotta, der Münchner Co-Leiter der Kartell- u. Beihilferechtspraxis, Frank Obermann an der Spitze der Kanzlei ab. Ebenfalls vor 15 Jahren hatte mit der Klage gegen den Mautbetreiber Toll Collect ein Schiedsverfahren begonnen, das die Konfliktlösungspraxis bis 2018 intensiv beschäftigte – und veränderte. Denn im Jahr eins nach Toll Collect zeigt sich, dass sich durch das Großmandat strukturelle Themen aufgestaut haben. Der langj. Praxisleiter Prof. Dr. Holger Peres, der das Mautmandat gesteuert hatte, verließ die Kanzlei, ohne einen Nachfolger aus den Reihen der Konfliktlösungspraxis aufgebaut zu haben. Statt eines der zahlreichen Salary-Partner der Praxis übernahm Corporate-Partner Dr. Axel Goetz die Leitung. Mit ihm wechselte auch der anerkannte Arbeitsrechtler Dr. Hans-Peter Mechlem in die Litigation-Praxis. Er hatte wie Goetz seinen Schwerpunkt schon länger aufs Streitige verlegt. Dies ist kein optimales Signal an den Nachwuchs, andererseits aber eine notwendige Verstärkung des Prozessbereichs. Denn durch die Untermandatierung durch Freshfields im Dieselmandat dürfte das Team noch einige Zeit damit ausgelastet sein, für VW Verbraucherklagen abzuwehren.
In anderen Bereichen blieben große Umbrüche aus. Das noch junge Hamburger Büro ist durch den Dieselkomplex ebenfalls gut ausgelastet, hat es ansonsten bislang aber nur im Arbeitsrecht geschafft, ins Blickfeld der Wettbewerber zu kommen. Im Gesellschaftsrecht konnte die Kanzlei im Norden bislang noch nicht Fuß fassen. Alle Standorte zusammengenommen, hat die Corporate-Praxis dennoch ein recht erfolgreiches Jahr hinter sich, u.a. machen sich in den vergangenen Jahren aufgebaute Kontakte im Venture-Capital-Sektor bemerkbar. Dennoch machen mittelständ. Unternehmen und Family Offices das Gros der Mandantschaft aus. Mandanten loben die Fähigkeiten der Beiten-Anwälte, „bei aller Professionalität ggü. großen Marktplayern die Bedürfnisse eines Mittelständlers in den Mittelpunkt zu stellen“. In der grenzüberschreitenden Beratung sorgten die Länder-Desks für China, Spanien u. Italien für attraktive Mandate, das dt.-niederl. Geschäft erhielt jedoch durch den Weggang einer Salary-Partnerin einen Dämpfer.
BB hat in der Vergangenheit immer wieder Großmandate begleitet, wie zuletzt für das Bundesverkehrsministerium, die ein enges Zusammenspiel der Fachbereiche mit der der anerkannten IT-Praxis u. ihrer Technologiekompetenz erfordern. So sind die ITler nicht nur eng in die Beratung zur Entstehung einer zentralen Autobahngesellschaft eingebunden, sondern spielen auch in Transaktionen wie dem Kauf von Implexis durch Hitachi Solutions Europe nicht selten eine entscheidende Rolle. Aufgrund der IT-vertragsrechtl. Kompetenz vertraute auch Merck mit einem neuen Mandat auf das Team, auch das renommierte Arbeitsrechtsteam konnte die Beratung des namh. Pharmaunternehmens deutlich ausbauen.
Siehe auch: Frankfurt; Berlin; Düsseldorf; München; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 265
Internat. Einbindung: Eigene Büros in Brüssel u. Peking sowie in Moskau u. St. Petersburg. Ein engeres Netzwerk mit westeuropäischen u. US-Kanzleien ist weiterhin im Aufbau.
Entwicklung: Während die Kanzlei im Arbeits- u. Vergaberecht sowie der Beratung der Öffentl. Hand zu den anerkannten Marktteilnehmern gehört, haben andere Praxen noch einige Schritte zu gehen. Der frische Wind, der durch den neuen Leitungsausschuss nun in die Kanzlei kommt, bietet die Chance, auch andere Stärken deutlicher nach außen zu tragen u. das Profil der Kanzlei zu schärfen. Die kluge Verstärkung mit Quereinsteigern hat in einigen Bereichen bereits zu Erfolgen geführt. So brachte bspw. das 2018 gekommene, auf den Immobiliensektor fokussierte Steuerteam in Frankfurt eine Reihe von Unternehmen als neue Mandanten. Der anstehende Neuaufbau in der Litigation-Praxis wiederum eröffnet der Kanzlei die Chance, stärker als bisher in die Organberatung, etwa zu Haftungsfragen, einzusteigen. Um dieses Geschäft konsequent auszubauen, muss sie jedoch darauf achten, dass nicht zu viele Kapazitäten durch den Dieselkomplex gebunden sind. Auch für das noch junge Hamburger Büro stellt dieses Großmandat eine Herausforderung dar. Zwar sorgt es für eine gute Auslastung am neuen Standort, verlangsamt jedoch auch hier den VW-unabhängigen Mandatsaufbau. Gerade im Gesellschaftsrecht könnten lokal gut vernetzte Quereinsteiger helfen, um vor Ort mithalten zu können. Zugleich hat das Thema Dieselprozesse auch eine der interessantesten Entwicklungen bei BB in Gang gesetzt: Um derartige Projekte effizient stemmen zu können u. nicht zu viele Kapazitäten auf standardisierbare Vorgänge setzen zu müssen, investiert die Kanzlei derzeit gezielt in technischen Lösungen.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Beiten Burkhardt Rechtsanwaltsgesellschaft mbH10785 Berlin
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