CLEARY GOTTLIEB STEEN & HAMILTON

Nationaler Überblick Top 50★☆☆☆☆

Bewertung: Das in Köln angesiedelte Kartellrechtsteam ist stärker als je zuvor das Aushängeschild von Cleary, denn seit dem Spätsommer ist der Standort Frankfurt eine Baustelle. Dort stutzte Cleary ihre lange etablierte Praxis zusammen: Dr. Thomas Kopp verließ die Kanzlei Ende September 2019, Dr. Gabriele Apfelbacher scheidet Ende 2019 aus der Partnerschaft aus. Beide berieten zum Bank- und Finanz- sowie zum Kapitalmarktrecht, auch verbunden mit öffentl. Übernahmen. Ihre Paradedisziplin Kapitalmarktrecht gibt die Kanzlei damit am Main weitgehend auf. Die Folgen gehen jedoch darüber hinaus, da gerade Apfelbacher auch im angrenzenden Gesellschaftsrecht u. bei M&A-Transaktionen tätig war. Gerade in der Corporate-Beratung plant die Kanzlei nun, einen stärkeren Schwerpunkt zu setzen. Dafür wird trotz des Zugangs von Dr. Michael Ulmer von Allen & Overy vor zwei Jahren allerdings weitere Verstärkung nötig sein. Zwar kam Cleary in der Transaktionsbegleitung zuletzt stärker bei deutschen Mandanten zum Zuge, so etwa mit der Arbeit für den börsennot. Anlagenbauer Max Automation, der mehrere Tochtergesellschaften veräußert, doch stammt der Löwenanteil der Großmandate weiter von internationalen Konzernen wie Accor, Citi oder 3M, die ohne die nahtlose Zusammenarbeit mit den in ihren jeweiligen Märkten deutlich stärker verwurzelten Büros in den USA, Paris oder London nicht zustande kämen. Bestand hat in Frankfurt aber weiterhin der Bereich Schiedsrecht.
Die Praxis in Köln zählt dagegen unvermindert zur Marktspitze. Zusätzlich gelang es ihr nun, sich noch stärker als bisher in streitigen Verfahren zum Thema Kartellschadensersatz einzubringen. Dazu trug u.a. Dr. Wolfgang Deselaers bei, der nach seinem Zugang im Vorjahr weiterhin Mandanten wie Nestlé und Beiersdorf in umfangr. Prozessen vertritt. Auch Google vertraut inzwischen bei der Abwehr von Kartellschadensersatzforderungen auf ein Cleary-Team. Allerdings musste die Praxis mit dem Weggang eines anerkannten Counsel zu White & Case einen Rückschlag hinnehmen. Dieser wurde bei seiner neuen Einheit prompt Partner u. baut nun in Düsseldorf für die Wettbewerberin die Kartellrechtspraxis aus.
Siehe auch: Frankfurt; Köln; Brüssel.
Anwälte in Deutschland: 66
Internat. Einbindung: Integrierte Kanzlei mit bestens eingespielter internat. Zusammenarbeit. Ursprünglich aus den USA, aber mit großer europäischer Praxis (v.a. stark in Paris, London u. Brüssel) u. je 2 Büros in Südamerika u. China. Außerdem präsent in Abu Dhabi u. Seoul.
Entwicklung: Mit dem Ausscheiden von Apfelbacher und Kopp aus der Partnerschaft bricht die festgefügte Partnerriege in Frankfurt auf. Auf dem Weg, den Fokus stärker auf M&A zu legen, können das jedoch nur erste Schritte sein. Die Messlatte der hoch renommierten US-Kanzlei für ein dt. M&A-Geschäft dürfte höher liegen. Um hier voranzukommen, muss sie vermehrt auf junge Talente setzen. In Deutschland erwies sich ihre weltweit einheitliche Partner- und Vergütungsstruktur zuletzt allerdings als Hemmschuh. So gelang es der Kanzlei trotz ihrer Erfolge selbst in ihrer Vorzeigepraxis Kartellrecht nicht, einem anerkannten Counsel den nächsten Karriereschritt zu bieten. Die Kanzlei lässt also selbst erfolgreiche junge Talente ziehen, die sie über Jahre ausbildete und auf die sie eigentlich angewiesen ist. Letztlich zeigt sich hier, dass die wirtschaftlichen Erwartungen der Kanzlei auf internationaler Ebene in einen Zielkonflikt mit einer langfristigen Kanzleientwicklung in Deutschland münden. Bisher gelang es der Kanzlei nicht, diese harte Nuss zu knacken. Stattdessen setzte sie in den vergangenen Jahren darauf, bei Bedarf hoch dotierte Quereinsteiger als Partner an Bord zu holen.
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