Hamburg: Alle drängen in die Hansestadt

Der Run auf Hamburg scheint kein Ende zu nehmen. Zuletzt zog es erneut mehrere überörtlich aufgestellte Spezialkanzleien an die Alster: Sei es die Arbeitsrechtskanzlei Kliemt, die Insolvenzspezialisten von SGP Schneider Geiwitz & Partner oder die Neuauflage der Steuerkanzlei Andersen – sie alle wollen ihr Geschäft in der wirtschaftsstarken Metropolregion machen.

Schon im Jahr davor hatten die Markteintritte von namhaften Größen wie Noerr, Linklaters und Beiten Burkhardt für Aufsehen gesorgt. Bislang bangt kaum eine der etablierten Kanzleien um ihre oft langjährigen Mandatsbeziehungen zu den Familienunternehmen im gehobenen Mittelstand, die meist auf persönlichen Beziehungen und funktionierenden Netzwerken zu M&A-Beratern, Banken und Steuerberatern basieren.

Auch die wenigen internationalen oder deutschen Schwergewichte wie Freshfields Bruckhaus Deringer oder CMS Hasche Sigle machen sich keine Sorgen – die Platzhirsche haben starke Partnerriegen aufgebaut und wirken weit über den lokalen Markt hinaus.

Doch zu gelassen sollte keiner sein: Denn das eigentliche Potenzial, die Kräfteverhältnisse in Hamburg zu verschieben, liegt im Thema Nachwuchs. Vor allem kleinere Einheiten berichten, dass sie ihre personellen Wachstumspläne nicht oder nur schwer umsetzen können, Top-Nachwuchs ist rar.

„Schwieriger als die Akquise von Mandaten ist es, gute Nachwuchsjuristen zu finden“, konstatiert ein Partner einer der vielen Spin-off-Kanzleien. Teilweise mussten Kanzleien zuletzt rein aus personellen Gründen Mandate ablehnen.

Das Ergebnis: Das Mandat geht an eine Kanzlei, die keine Kapazitätsprobleme hat und genügend Associates anzieht. Das gelingt Kanzleien wie Noerr und Linklaters mit einer starken Marke und strukturierten Ausbildungsprogrammen – das zieht bei Absolventen eben doch stark. Und damit ist der Wettbewerb eröffnet.

Viertagewoche für Associates

Dass aber auch kleinere Kanzleien dem Recruitment-Aufwand der Großen etwas entgegensetzen können, zeigten zuletzt kreative Ansätze etwa wie bei Rose & Partner, die für alle Beschäftigten die Viertagewoche einführte.

Oder Neuwerk: Die ehemaligen Großkanzleianwälte haben die Ausbildung ihrer Associates stärker strukturiert und wachsen dynamisch. Das Thema betrifft aber auch große Namen: Die namhafte Kanzlei Gleiss Lutz tut sich in Hamburg weiterhin schwer zu wachsen, zumal im vergangenen Jahr gleich drei Corporate-Partner zu verschiedenen Wettbewerbern gingen.

  • Teilen