Sächsische Wirtschaftskanzleien bauen Vorsprung aus

Anders als die generalistisch geprägten Einheiten in den anderen ostdeutschen Ländern steht Sachsen v.a. in den regionalen Metropolen Leipzig und Dresden schon lange für einen selbstbewussten und vergleichsweise hoch spezialisierten Anwaltsmarkt. Mit dem beschlossenen Kohleausstieg dürfte die Schere noch größer werden: Einig sind sich alle Berater, dass der absehbare radikale Wandel der Infrastruktur in Ostdeutschland massives Beratungsvolumen auslösen wird — und viele sächsische Kanzleien bringen gute Voraussetzungen mit, hierbei eine wichtige Rolle zu spielen.

Dazu zählen Einheiten mit starker Vergabepraxis wie Kiermeier Haselier Grosse ebenso wie solche mit viel Erfahrung bei großen Infrastrukturprojekten wie Luther oder Petersen Hardraht Pruggmayer, die über exzellente Beziehungen zu Landesregierung und Kommunen verfügt. Letztere steht ohnehin für ein neues Selbstverständnis in Sachsen: Petersen Hardraht Pruggmayer hat den Anspruch, eine eigene und wahrnehmbare Rolle in Mitteldeutschland zu spielen, und den Mut, sich dabei nicht dauerhaft hinter den deutschlandweit agierenden Großkanzleien CMS Hasche Sigle, Luther und Noerr einzuordnen. Ähnlich verhält es sich bei Battke Grünberg aus Dresden, die für ihre positive Personalentwicklung längst über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt ist.

Gut positionierten Regionalkanzleien fehlt der Nachwuchs

Die gute Position solcher Regionalkanzleien ändert jedoch nichts daran, dass der derzeit größte und umsatzstärkste Beratungskomplex ausschließlich in der Hand von Großkanzleien liegt: die gerichtliche Vertretung im VW-Dieselkomplex. Mit einer unterschiedlichen Zahl von Projektjuristen bewerkstelligen Luther und KPMG Law einen Großteil des ostdeutschen Geschäfts für Volkswagen, und auch im Chemnitzer Büro von Heuking Kühn Lüer Wojtek sind hier diverse Anwälte aktiv.

Die Affäre führt auch zu Verwerfungen am Personalmarkt: Seit Jahren bereits haben die regional aufgestellten Wirtschaftskanzleien erhebliche Probleme, qualifizierten Nachwuchs zu finden; nun stellen insbesondere Luther, aber auch KPMG Law eine Vielzahl von Projektjuristen ein und verschärfen dadurch den Druck noch einmal. Nicht zuletzt angesichts des Bedarfs, den auch die überalterte Justiz und Verwaltung in Sachsen perspektivisch hat, wird die Personalnot wohl ein Dauerthema.

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