Düsseldorf: vor dem Umbruch

Der Düsseldorfer Markt war in den letzten Jahren relativ stabil. Der Markteintritt großer internationaler Kanzleien wie Latham & Watkins 2013 versetzte zwar damals das obere Ende des Markts in Unruhe, berührte den lokalen Markt im Übrigen jedoch kaum. Die neuen Büros solcher international ausgerichteten Sozietäten blieben fachlich sehr fokussiert und klein. Das gilt auch für Latham & Watkins und White & Case, von denen Letztere im Dezember einen renommierten jungen M&A-Partner von Allen & Overy gewann. Sie versuchen ihren Mandantenstamm unter den deutschen Konzernen zu verbreitern, aber hierbei nur auf die hochkarätigsten Mandate zu setzen. Eine breitere Praxis mit großem Büro war nicht erklärtes Ziel.

Im Jahr 2019 gab es jedoch Anzeichen dafür, dass der Eintritt anderer internationaler Kanzleien den Markt stärker in Bewegung bringen könnte. Die GB/US-Kanzlei Eversheds Sutherland fusionierte bereits 2017 mit der lokalen und auf Immobilien ausgerichteten Sozietät Grooterhorst, nennenswerte Investitionen in den Standort blieben zunächst aus. Der Schwerpunkt der Praxis lag weiterhin im Bau- und Immobilienrecht. Der Eintritt von zwei Corporate-Partnern Ende 2018, die von Mütze Korsch kamen, war jedoch ein Zeichen dafür, dass sich Eversheds Sutherland nun dem Düsseldorfer Mittelstand zuwendet und sich bereit macht, Marktanteile von regionalen Mittelständlern zu gewinnen.

Einen ganz ähnlichen Plan verkündete die große globale Kanzlei Dentons im Herbst 2018. Mit zwei erfahrenen Partnern von Taylor Wessing im Kartell- bzw. Arbeitsrecht und der Neueinstellung weiterer jüngerer Partner, darunter 2019 im Gesellschaftsrecht, war die Anfangsinvestition der Kanzlei deutlich umfangreicher als bei Eversheds Sutherland.

Auch die Wachstumspläne sind radikaler: Dentons strebt mittelfristig 100 Anwälte in Düsseldorf an, was sie unter die größten zehn Kanzleien im Westen bringen würde (>Die Schwergewichte im Westen). Zweifellos wird sie versuchen, Senior Associates aus führenden internationalen Kanzleien zu gewinnen, die Bedrohung für die etablierten und regionalen Mittelstandskanzleien ist klar. Sollte die Kanzlei die Pläne in die Tat umsetzen, könnte das eine Umwälzung nach sich ziehen, wie sie es in der Region seit Langem nicht gab.

Investitionen ins Kanzlei Management

Verwunderlich ist es daher nicht, dass regionale Kanzleien versucht haben, ihre Praxen zu stärken. Der Wechsel einer Gruppe von sechs Partnern von Mütze Korsch zu Hoffmann Liebs war eine der größten personellen Veränderungen seit einiger Zeit unter den Düsseldorfer Mittelständlern. FPS Fritze Wicke Seelig hat mit dem Einstieg eines Partners von Sernetz Schäfer ebenfalls in einen Quereinsteiger investiert.

Langjährig etablierte Kanzleien investieren zudem in professionellere Managementstrukturen, um in diesem Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. Beispiel ist Orth Kluth, die sich darauf konzentriert, das Verweisgeschäft zwischen den Fachbereichen zu verbessern, um ihre Beziehungen zu stärken. Es ist eine Strategie, die andere Kanzleien in den kommenden Jahren nachahmen könnten, um sich ihren Platz am Markt zu sichern.

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