NRW: Platzhirsch oder Spezialist?

Außerhalb der beiden größten Städte Nordrhein-Westfalens gelingt etlichen Sozietäten jüngst trotz des schwierigen Nachwuchsmarktes ein personelles Wachstum und eine behutsame Modernisierung, getragen von wirtschaftlich guten Jahren wie 2018.

Die Essener Einheit Schmidt von der Osten & Huber etwa konnte in den vergangenen Monaten gleich mehrere Quereinsteiger aus den Großkanzleien der Landeshauptstadt für ihr Team gewinnen und damit einmal mehr die Attraktivität mittelständischer Sozietäten mit prominentem Mandantenstamm für erfahrene Anwälte aus internationalen Einheiten unterstreichen.

Bei ihrem Wachstum verfolgen die NRW-Sozietäten unterschiedliche Strategien: Einerseits versuchen Kanzleien aus Ostwestfalen wie Brandi, aber auch LTS Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater aus Herford, ihre regionale Stellung als Platzhirsch und Rundumberater auszubauen. Abgerundet wird eine solche regionale Full-Service-Ausrichtung bei den westfälischen Kanzleien häufig durch ein Notariat. Den Kanzleien kommt dabei die regionale Besonderheit in NRW entgegen, das nach der Reform in Baden-Württemberg auch langfristig das einzige Bundesland mit beiden Notariatsformen bleiben wird.

Nur-Notariat und Anwaltsnotariat sind Standortvorteil

Während im Rheinland das ‚Nur-Notariat‘ vorgeschrieben ist, können sich im Ruhrgebiet und in Westfalen viele Kanzleien über das Anwaltsnotariat einen Zugang in der Beratung des laufenden Geschäfts von mittelständischen Unternehmen und wohlhabenden Familien schaffen.

Im Rheinland entwickelten sich dagegen vor allem Kanzleien dynamisch, die sich stark spezialisiert haben. So konnte Busse & Miessen zuletzt in ihrer Gesundheitspraxis drei neue Partner ernennen. Redeker Sellner Dahs gewann im Öffentlichen Recht einen externen Partner hinzu. Kümmerlein platzierte sich mit ihrem spezialisierten Team im Umwelt- und Planungsrecht über das Ruhrgebiet hinaus zuletzt verstärkt bundesweit bei Mandaten im Kontext des Netzausbaus.

Ihre Stammmandantschaft auch innerhalb der Region auszuweiten, schaffen hingegen nur wenige Kanzleien. Eine positive Ausnahme bildet Harnischmacher Löer Wensing aus Münster, die zuletzt neue Mandanten aus dem Ruhrgebiet von sich überzeugen konnte.

  • Teilen