Anleihen und Strukturierte Finanzierung

Verbriefungen unter neuen Regeln

Traurig, aber wahr: Das Niedrigzinsumfeld prägt den Anleihenmarkt weiterhin. Da die EZB die Zinsen mittelfristig nicht erhöhen und das Anleihenankaufprogramm wiederaufleben lassen konnte, blieben Kredite und Schuldscheine für viele Unternehmen vorerst attraktiver.

Positiv entwickelt haben sich allerdings KMU-Anleihen. Das noch vor einigen Jahren als Mittelstandsanleihen verschriene Segment bekommt nun unter neuen Prospektvorschriften eine zweite Chance. 

Bei Verbriefungen gab die neue EU-Verordnung den Ton an – die aber erhöht Kritikern zufolge vor allem den Eigenkapitalbedarf für Verbriefungen und sorgt für einen hohen aufsichtsrechtlichen Berichtsaufwand für Banken, insbesondere bei STS-Verbriefungen. Hierfür müssen die Banken zunächst die nötige Infrastruktur aufbauen.

Auch für emittierende Unternehmen bedeuten die höheren Anforderungen ans Reporting einen Mehraufwand, wenngleich nicht in dem Ausmaß wie für Banken. Andererseits könnten Qualität und Image des Marktsegments davon profitieren.

Auch hält die Finanzbranche in Atem, dass Euribor und Libor Anfang 2020 abgeschafft werden. Diesbezüglich ist unter anderem Allen & Overy mit der Arbeit für ein Konsortium aus 15 Großbanken an einer marktprägenden Entwicklung beteiligt. 

Plattformen und DLT fordern Kanzleien heraus

Darüber hinaus breiten sich elektronische Plattformen und der Einsatz von Distributed-Ledger-Technologie (DLT) unaufhaltsam aus. In diesem Zusammenhang haben sich Kanzleien wie Jones Day und Linklaters als Vorreiter positioniert.

Bei strukturierten Produkten hat die zunehmende Automatisierung des Geschäfts innerhalb der Banken einige Berater veranlasst, sich inhaltlich breiter aufzustellen. Beispiele sind etwa CMS Hasche Sigle und Luther. Beide waren ursprünglich besonders für ihre Spezialkenntnisse zu Derivaten bekannt und beraten inzwischen intensiver zu Anleihen.

Luther legt dabei klar den Fokus auf mittelständische Unternehmen. Im Anleihensegment hat sich mittlerweile auch Simmons & Simmons einen Namen erarbeitet und respektable Mandate vorzuweisen.

Ein konjunktureller Trend war der zunehmende Beratungsbedarf zu notleidenden Krediten und Distressed Assets, wobei sich beispielsweise das Dentons-Team in Zusammenarbeit mit den anerkannten Restrukturierungskollegen der Kanzlei hervortat.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die bei Anleihenemissionen oder Strukturierten Finanzierungen wie Verbriefungen, Derivaten oder notleidenden Krediten beraten. Beide Segmente überschneiden sich, doch betreuen Kanzleien sie vielfach mit unterschiedlichen Beraterteams und unterschiedlich intensiv. Zwei separate tabellarische Übersichten tragen dieser Struktur Rechnung.

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