Bank- und Bankaufsichtsrecht

Neuland im Landesbankensektor

Vor allem der Landesbankensektor prägte die Arbeit der Regulierungsexperten. Beim Verkauf der HSH Nordbank (jetzt Hamburg Commercial Bank) betraten alle Beteiligten Neuland, denn nie zuvor wurde eine Landesbank privatisiert. Entsprechend lang und prominent ist die Liste der Bank- und Finanzrechtler, die den komplexen Prozess begleiteten. Auch bei der Sanierung der NordLB war eine Reihe von Deutschlands bekanntesten Bankaufsichtsrechtsteams mandatiert. Ob die hier bevorzugte Auffanglösung trägt, entscheidet die EU-Kommission, die die Finanzhilfen genehmigen muss.

So oder so: Beide Banken werden noch eine Zeit lang an ihren Geschäftsmodellen schrauben. Dies gilt auch für die Deutsche Bank und die Commerzbank, bei denen es nach der gescheiterten Fusion zu Umbaumaßnahmen kommt. Hier kündigt sich weiterer Beratungsbedarf an.

Weiterhin viel Arbeit für die Kanzleien gab es beim Thema Brexit. Während das britische Parlament um Austrittsvertrag und -termin rang, machte die Finanzindustrie Nägel mit Köpfen. Viele Finanzinstitute setzten ihre Brexit-Pläne um und verlagerten Geschäftsbereiche nach Kontinentaleuropa. Vor allem die hierfür notwendigen Erlaubnisverfahren hielten die Kanzleien in den vergangenen Monaten auf Trab. Bei Aderhold und Ashurst schoben sie den Aufbau eigener Büros in Luxemburg mit an.

BaFin fordert Maßnahmen zur IT-Sicherheit

Viele Geldhäuser investierten weiter in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle und die von den Regulierern geforderten Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit. Die zunehmende Bedeutung des Themas wurde Ende Mai deutlich, als die BaFin die Onlinebank N26 aufforderte, effektive Maßnahmen zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu ergreifen. Die Beratung zu Zahlungsdiensten nahm ebenfalls weiter zu – ein Thema, mit dem sich immer häufiger auch Industrie- und Handelsunternehmen befassen müssen.

Lindenpartners, Lindemann Schwennicke & Partner oder Aderhold festigten mit innovativen Kryptowährungs- oder Payment-Mandaten ihren Ruf als Fintechkanzleien, aber auch etablierte Einheiten wie Linklaters oder Sernetz Schäfer punkteten bei digitalen Themen. Die wichtigste personelle Veränderung war der Partnerwechsel von Dr. Andreas Wieland von White & Case zu KPMG Law.

Unterhalb der Partnerebene stärkten einige Kanzleien ihren Mittelbau, um dem steigenden Bedarf nach regulatorischer Beratung gerecht zu werden, etwa Allen & Overy, Lindenpartners oder Waldeck. Andere Teams, etwa bei Clifford Chance, integrierten regelmäßig Kollegen aus dem Kapitalmarktrecht, die auf Teilbereiche des Aufsichtsrechts spezialisiert sind.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die aufsichtsrechtlich ebenso beraten wie zu Finanzprodukten oder Transaktionen im Finanzsektor. Aufgrund der Regulierung durch nationale und EU-Institutionen arbeiten die Teams oft eng mit den öffentlich-rechtlichen Fachbereichen zusammen. Teilweise bestehen Überschneidungen mit Beihilfe, Insolvenz und Restrukturierung sowie Konfliktlösung.

  • Teilen