Kredite und Akquisitionsfinanzierung

Gipfelluft bei den Finanzierungen

Die Luft wird dünner, aber der Gipfel war auch schon sehr nah. Dieses alpine Bild spiegelt die Marktlage bei Krediten und Akquisitionsfinanzierungen: Viele Kanzleien wähnten sich im Gipfelglück. Sie erreichten in den vergangenen Monaten Rekordzahlen, teils mit dreistelligen Dealzahlen. Eine ganze Reihe von Akquisitionen lasteten die Finanzierungsteams aus. Darunter waren große Unternehmenskäufe mit Milliardenbeträgen, etwa der Kauf von Abertis durch Hochtief mit rund 10 Milliarden Euro Kreditvolumen oder der von Qualtrics durch SAP mit einer Finanzierung über 7 Milliarden Euro.

Bei diesen Großdeals setzte sich der Trend zu internationalen und ergebnisoffenen Finanzierungen fort. Doch auch jenseits dieses Segments suchen Investoren nach wie vor Einstiegsmöglichkeiten und zahlen hohe Preise, denn sie finden günstige Finanzierungskonditionen.

Die Kreditgeber machen sich allerdings längst Gedanken um ein Ende der Niedrigzinsphase. Deshalb sind innovative Finanzierungen gefragt, die rechtzeitig Warnsignale geben, etwa mit anleihenähnlichen Bedingungen bei einem Schuldschein oder Covenants zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Kennzahlenfeldern. Werden diese Covenants gerissen, lösen sie Handlungsbedarf in der Kreditbeziehung aus. Und in den – meist Frankfurter – Büros der Berater landeten häufiger als zuvor verletzte Nebenabreden, Reorganisationen bilateraler Kreditvereinbarungen oder Waiver auf den Schreibtischen.

Manche Schuldner glichen eher „Zombies“, wie ein Partner sich ausdrückt, die bei einer um ein Prozent höheren Umlaufrendite insolvent wären. Solche Wackelkandidaten konnten sich bisher geschickt refinanzieren und auf Endfälligkeiten sowie niedrigere Zinsen umstellen. Doch der Wind dreht sich.

Restrukturierer gefragt

Am Horizont zeichnet sich also ab, dass Kompetenz bei Refinanzierung und Umstrukturierung künftig stärker gefragt sein wird. Da sind neben den britischen Top-Kanzleien u.a. auch Latham & Watkins und White & Case gut aufgestellt. Hektik herrschte bislang jedoch noch keine. Entsprechend langsam drehte sich zuletzt das Personalkarussell.

Die einzige spektakuläre Personalie lieferte Ashurst, die sich von einem Partner trennte; Markteintritte oder Praxiserweiterungen gab es kaum, auch wenn sich einige erfahrene Berater aus dem Tagesgeschäft zurückzogen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Banken und Unternehmen zu allen Formen der privatwirtschaftlichen Fremdfinanzierung beraten, auch zu von Private-Equity-Häusern initiierten Transaktionen. Die Themen Immobilien- und Projektfinanzierungen sind in den Kapiteln Immobilien- und Baurecht und Energiewirtschaftsrecht erfasst.

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