JUVE Kanzlei des Jahres

Immobilien- und Baurecht

Die Deal-Party geht weiter

Die geplante Reform der Grunderwerbsteuer könnte dem ohnehin hohen Dealaufkommen noch einmal einen zusätzlichen Schub verleihen. Viele Investoren stellen sich schon jetzt auf Änderungen ein oder weichen auf ganz andere Strukturen aus. Die Helaba kaufte Ende 2018 bereits ein Sondervermögen von Beos für 520 Millionen Euro. Der Charme solcher Unit-Deals liegt darin, dass durch den Kauf der Fondsanteile keine Grunderwerbsteuer anfällt.

Während der Markt der Share-Deal-Reform also gelassen entgegenblickt, sorgt die hitzig geführte Debatte um Enteignungen von Wohnungsbaugesellschaften in Berlin für Verunsicherung, insbesondere bei ausländischen Investoren. Hinzu kommt, dass nicht nur Berlin, sondern auch Frankfurt, München u. Hamburg häufiger von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen u. Investitionen in Wohnprojekte so erschweren.

Über mangelnde Aufträge kann sich auch die Baubranche nicht beklagen. Trotz oder gerade wegen der hohen Auslastung ist aus dem einstigen Trendthema BIM derzeit allerdings die Luft raus. Es gibt nur wenige Experten am Markt, und die erforderliche Software ist für viele Beteiligte zu teuer.

Auf Trab halten wird die Szene aber das Urteil zur HOAI, in dem der EuGH feststellte, dass die Mindesthonorare für deutsche Architekten gegen EU-Recht verstoßen. Umstritten bleibt demgegenüber der Mehrparteienvertrag, ein einziger Vertrag für alle am Bau Beteiligten. Für die einen ist er das Allheilmittel, für die anderen ein Marketing-Gag, weil sie nicht an einen Kulturwandel in der Baubranche glauben.

Personelle Paukenschläge in Baurechtskanzleien

Die Baurechtskanzlei Breyer ist eine der wenigen, die in Großbauvorhaben berät, die nach Mehrparteienverträgen realisiert werden. Doch auch Marktführerin Kapellmann und Partner nutzt das Instrument bei Klinikbauten. Projektentwicklungen, die breites Know-how erfordern, haben weiter Konjunktur. Dafür sind Kanzleien wie Heussen oder Rotthege Wassermann, die ganzheitlich beraten, sehr gut positioniert.

In großen Transaktionen sind es vor allem die Top-Einheiten, die den Kuchen unter sich aufteilen. Bemerkenswert ist, wie konstant Clifford Chance seit Jahren an den zentralen Branchendeals beteiligt ist, was zuletzt Transaktionen wie ‚Trianon‘ u. ‚Laetitia‘-Portfolio zeigten.

Aber auch Ashurst u. Linklaters waren sehr gefragt. Letztere gehört mit Freshfields Bruckhaus Deringer u. CMS Hasche Sigle zu den wenigen Kanzleien, die sich konsequent mit Legal Tech u. der Effizienzsteigerung in Transaktionen beschäftigen. Weil die Tools bisher nur bedingt hilfreich sind, fahren sie zweigleisig u. etablieren auch Teams aus Projektjuristen, die den Due-Diligence-Prozess gezielt unterstützen.

Der Rest des Marktes resigniert weitgehend, weil Kosten u. Nutzen der Software noch in keinem Verhältnis stehen. Für deutlich mehr Aufregung sorgten da die Wechsel von zwei sehr renommierten Immobilienrechtlern.

Während der Verbleib der hoch angesehenen Clifford -Partnerin Cornelia Thaler weiter unklar ist, ging Prof. Dr. Alexander Goepfert von Noerr zur Mandantin Apollo u. zog sich aus der anwaltlichen Beratung weitgehend zurück. Auch im Baurecht gab es einen Paukenschlag: Dr. Birgit Franz verließ zur Jahresmitte Leinemann & Partner u. gründete in Köln eine eigene Kanzlei.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die rund um das Investitionsprojekt Immobilie beraten. Tabellarische Übersichten verdeutlichen dabei die Ausrichtung der Kanzleien: Immobilienwirtschaftsrecht berücksichtigt v.a. Transaktionen, Finanzierungen und die Strukturierung von Immobilienfonds (siehe auch Investmentfonds). Baurecht erfasst die baubegleitende Beratung und daraus resultierende Streitigkeiten sowie das Verhältnis der am Bau Beteiligten. Projektentwicklung/Anlagenbau bildet die Schnittstelle und zeigt Kanzleien, die mit komplexen Großprojekten Erfahrung haben. Besonders erfahrene Kanzleien in einem Teilgebiet des Baurechts sind in einer weiteren Übersicht erfasst. Empfohlene immobilienrechtl. orientierte Notare finden sich im Kapitel Notariat.


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