JUVE Kanzlei des Jahres

Insolvenz und Restrukturierung

Gläubigerschutz oder Gläubigerbefriedigung?

Die Befriedigung der Gläubiger ist das Ziel der Insolvenzordnung (InsO). Sanierungsexperten weisen regelmäßig darauf hin, dass dieses Ziel mit der ESUG-Reform zwar nicht aufgehoben wurde, aber die erleichterte Sanierung von Unternehmen gewissermaßen als Nebenziel etabliert wurde.

Anwälte, aber auch die operativen Krisenmanager fragen sich seitdem, an welchem Strang sie eigentlich ziehen. Berater auf Schuldnerseite geben derweil die Parole aus, die Krisenunternehmen seien vor den Gläubigern zu schützen.

Der Gläubigerschutz nach US-Vorbild geistert zudem nicht selten durch Presseberichte, wenn es um Eigenverwaltungen geht. Weil diese aber das Standardverfahren für jede größere Unternehmensinsolvenz geworden sind, sollten die Insolvenzrechtler dieser Verharmlosung energisch widersprechen. Wenn das Unternehmen darüber hinaus für den Gesellschafter gerettet werden soll, bekommt dieser Schutzgedanke schnell ein Geschmäckle. Nach der InsO geht es im Gegenteil darum, den Gläubigerkonzepten konsequent zur Umsetzung zu verhelfen und eine Befriedigung der Geldgeber zu erreichen. Eventuell ergibt die deutsche Umsetzung des präventiven Restrukturierungsrahmens nach der EU-Richtlinie noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten – und mehr Unsicherheiten und Diskussionen darüber, welches Ziel die Sanierung verfolgt.

Restrukturierung: ein grenzüberschreitendes Thema

Gerade Sozietäten mit bisher schon starker finanzieller Restrukturierungsberatung wie Latham & Watkins oder Kirkland & Ellis hoffen auf ein Anwachsen der außergerichtlichen, präventiven Restrukturierung. Für die Verwalter ist das ein rotes Tuch: Den Experten für die gute alte gerichtliche Sanierung bleibt nur, auf eine Rolle als Kooperationspartner in den zu erwartenden vorinsolvenzlichen Verfahren zu hoffen.

Nicht ohne Grund sehen gerade die internationalen Kanzleien die präventive Restrukturierung als ihr Spielfeld. Eine internationale Komponente in der Beratung ist zwar nicht immer ausschlaggebend, aber von wachsender Bedeutung. Die nicht-anwaltlichen Restrukturierungsberater wie Alix, Alvarez & Marsal oder Boston Consulting haben es schon lange begriffen: Sie sind allesamt international aufgestellt. Zu ihnen gesellt sich hierzulande inzwischen auch der milliardenschwere US-Berater FTI, der im Sommer 2019 ankündigte, den in Deutschland wohl marktführenden Sanierungsgutachter Andersch zu übernehmen.

Die Schwäche der Kanzleien, die den Marktveränderungen zu lange zugeschaut und auf die reine Insolvenzverwaltung gesetzt haben, ist augenfällig. Sie haben im Markt auf Abgrenzung gesetzt und ausschließlich ihre Kontakte in die Insolvenzgerichte gepflegt – für die Eigenverwaltungsfälle die falsche Strategie.

Die Kanzlei Kübler hat sich in mehreren Etappen aufgeteilt, zuletzt fand der Berliner Zweig um den viel bestellten Sebastian Laboga bei Pluta ein neues Zuhause. Zwar wachsen Pluta und nun auch SGP Schneider Geiwitz & Partner weiterhin regional Richtung Norden, doch ist nicht ganz klar, wie daraus eine Stärke wird, wenn sich die einzelnen Standorte autonom aufstellen.

Ganz eng integriert arbeiten hingegen die neuen Insolvenzboutiquen wie Finkenhof oder Elsässer. Sie betonen intern den Teamgedanken und den Wert der flexiblen Vernetzung.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die sich auf die Begleitung von Unternehmenskrisen spezialisiert haben. Unter finanzielle Restrukturierung fallen v.a. die Neuverhandlung von Krediten, die Refinanzierung und die Veränderung der Beteiligungs- oder Gläubigerstruktur (siehe auch Kredite u. Akquisitionsfinanzierung, Private Equity), während die Insolvenz/Sanierungsberatung vor allem gesellschaftsrechtliche und operative Probleme umfasst (siehe auch Gesellschaftsrecht). Eine zweite Übersicht zeigt Insolvenzverwalter- u. Sachwalterkanzleien. Restrukturierung im Bankensektor ist im Bank- u. Bankaufsichtsrecht behandelt, arbeitsrechtlich geprägte Umstrukturierungen im Arbeitsrecht.


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