JUVE Kanzlei des Jahres

Nachfolge/Vermögen/Stiftungen

Familienstiftungen prägen das Geschehen

In der Beratung zu Unternehmens- und Vermögensnachfolgen existiert seit Jahren eine Reihe von etablierten Instrumenten, die immer wieder für den Übergang in die nächste Familiengeneration genutzt werden – je nach Abhängigkeit von der aktuellen steuerrechtlichen Lage. Selten jedoch war ein Instrument so populär wie derzeit die Familienstiftung.

Angesichts der Tatsache, dass die vor einigen Jahren reformierte Erbschaftsteuer den gestalterischen Spielraum für Superreiche etwas verkleinert hat, hat sich der Vorjahrestrend noch mal deutlich verschärft, das Vermögen auf neu errichtete vermögenslose Familienstiftungen zu übertragen. Dieses sogenannte Erlassmodell ist der mit Abstand gängigste Weg, den Vermögenswechsel nach wie vor komplett steuerfrei zu bewerkstelligen. Ein Berater bringt es auf den Punkt: „Familienstiftungen sind aufgrund der ekelhaften Steuervorteile seit einiger Zeit der Running Gag."

Doch jeder Trend hat einmal ein Ende – einerseits, weil Familienstiftungen allein steuergetrieben sind, und damit häufig „betriebswirtschaftlich völliger Blödsinn“, wie es ein weiterer Anwalt formuliert. Andererseits dürfte der Gesetzgeber irgendwann Grenzen ziehen, denn die Idee der Übertragung auf mittellose Dritte lädt zu anderen Optionen ein, die an Gestaltungsmissbrauch grenzen, so etwa die Übertragung auf eine formal mittellose nachfolgende Generation, die ihrerseits allerdings erst durch Gestaltung (vorübergehend) vermögenslos geworden ist.

Generationswechsel in Kanzleien

Schon jetzt klarer in den Konsequenzen ist das EU-weit neu eingeführte Transparenzregister für Kapitalmarktgesellschaften. In Deutschland sind es insbesondere die Berater der ganz großen und internationalen Familienunternehmen mit starken Kapitalmarktpraxen wie Hengeler Mueller oder Freshfields Bruckhaus Deringer, die hier viel Strukturierungsberatung leisten, um den traditionell häufig sehr verschwiegenen Familien die kapitalmarktrechtlichen Verpflichtungen zu erleichtern.

Diese beiden Kanzleien stehen beispielhaft auch für ein Phänomen in der hiesigen Beraterlandschaft, das immer akuter wird: den anstehenden Generationswechsel in den auf High Networth Individuals (HNI) und Familienunternehmen fokussierten Praxen. So werden bei Freshfields in den kommenden Jahren aufgrund der Altersstruktur die etabliertesten Partner langsam ausscheiden, ähnlich ist es bei Hengeler.

Andere Kanzleien stecken bereits mitten im Übergang. So haben kleinere Adressen wie Meilicke Hoffmann & Partner oder Kantenwein Zimmermann Spatscheck & Partner bereits jüngere Partner positioniert, die das Geschäft der Namensgeber fortführen (sollen), andere wie Binz & Partner versuchen sich angesichts der Situation zu verbreitern.

Einige deutsche Großkanzleien reagieren konsequent mit einer stärkeren Fokussierung und Definition des Private-Client-Geschäfts; allen voran Noerr, die ihren lange gepflegten fachübergreifenden Ansatz nochmals konkretisiert hat. Heuking Kühn Lüer Wojtek verfolgt aus dem Steuerrecht heraus einen weniger auf einzelne Partner fokussierteren Ansatz. Oppenhoff & Partner ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, das seit Längerem bestehende Geschäft zentral über einen jüngeren Partner zu koordinieren, um so den Bereich insgesamt nach vorne zu bringen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Familienunternehmen und -unternehmer sowie vermögende Privatpersonen (High Net Worth Individuals (HNI) oder Ultra High Net Worth Individuals (UHNI), bei Vermögen ab €100 Mio) zu Unternehmensnachfolgeregelung, Verwaltung und Weitergabe der Vermögen, etwa durch Stiftungslösungen beraten. Zentral ist dabei das Steuerrecht, aber auch Gesellschaftsrecht und Transaktionen (M&A, Private Equity), Erb-, Familien- und Kunstrecht, Stiftungsrecht und Testamentsvollstreckung spielen eine Rolle.

Rein steuerlich ausgerichtete Kanzleien werden nicht hier, sondern im JUVE Handbuch Steuern besprochen.


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