JUVE Kanzlei des Jahres

Energiewirtschaftsrecht

Wohl und Weh der Energiewende

Einmal mehr treiben große Deals die Branche um. So geht die RWE/E.on-Transaktion in ihre praktische Umsetzung u. bewegt den Markt ebenso wie der (feindliche) Einstieg von Fortum bei Uniper. Beide Deals zeigen, wie sehr sich der Energiemarkt dreht – und wie schnell deutsche Traditionskonzerne zum Übernahmeziel werden können. Für die nächste große Transaktion stehen Strategen u. Finanzinvestoren bereits in den Startlöchern, da EWE ihren Anteilsverkauf bereits auf den Weg gebracht hat.

Was die Projekte der erneuerbaren Energien angeht, ist der Markt in Deutschland mit Ausschreibungen für den weiteren Zubau nicht unbedingt dynamischer geworden. Die Industrie zieht es daher ins Ausland – nach Taiwan, Skandinavien oder Spanien. Ihre Berater zerbrechen sich bereits den Kopf darüber, wie die Projekte in Zukunft auch ohne Förderung vermarktbar sind – beispielsweise in Corporate Power Purchase Agreements (Corporate PPAs), mit denen es grünen Strom zum Festpreis gibt.

Während das Energiesammelgesetz neue Fragen aufwirft, wird bei der Energiewende weiterhin um bekannte Themen gestritten. Ob Trassenausbau, Zubau oder Anschluss der erneuerbaren Energien, der Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom oder die Sorgen um die Stabilisierung der Netze – am Ende werden wichtige Fragen der Energiewende nicht von der Politik, sondern vor Gericht entschieden.

Start einer neuen Generation

Der Kreis der Berater, die bei den großen Deals zum Zuge kommen, hat sich nicht geändert: White & Case, Hengeler Mueller, Linklaters, Clifford Chance und Freshfields Bruckhaus Deringer gehören dazu – wobei sich Letztere anschickt, die anderen bei dem Bestreben zu überholen, die angrenzende Regulierungsberatung möglichst schmal aufzustellen, denn in der laufenden Regulierungsberatung sind die Stundensätze meist deutlich niedriger als in der Finanzierungs- u. Transaktionsberatung.

Allerdings machte seit gut einem Jahr die Neugründung von Posser Spieth Wolfers & Partners vor, dass man auch als Boutique mit Themen, die in den internationalen Großkanzleien nicht mehr als Kernbereich definiert werden, im Markt bestens bestehen kann.

Zudem kommt kaum eine große Kanzlei ohne diese Kompetenz bei Deals, Finanzierungen u. Projektverträgen aus. Kanzleien wie die Stadtwerke-Lieblinge BBH, PricewaterhouseCoopers Legal, aber auch Industriekundenberaterin Ritter Gent Collegen haben gelernt, wie man auch kleinteilige Regulierungsberatung lukrativ gestaltet: Sie machen aus der Masse der Mandate ein Geschäftsmodell.

In den Kanzleien wächst derweil gerade die nächste Generation von Energierechtlern heran, die in den immer neuen Themen, die Gesetzgeber und Markt der Energiebranche bescheren, eigene Betätigungsfelder finden. Sie sind oft international ausgerichtet und blicken über ihr eigenes Rechtsgebiet hinaus. Das qualifiziert sie in besonderem Maß, Querschnittsthemen wie die Digitalisierung der Energiewirtschaft oder Elektromobilität zu besetzen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die die Energiebranche in mehr als einem relevanten Rechtsgebiet beraten, dazu gehören Gesellschaftsrecht, M&A, Bank- u. Finanzrecht, Kartellrecht, Öffentl. Sektor und Immobilien- und Baurecht.


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