JUVE Kanzlei des Jahres

Medien

Regulierungswelle: Digitale Inhalte weiter auf dem Prüfstand

Kaum eine europäische Reform hat in der jüngeren Vergangenheit eine so breite Masse an politischen Akteuren auf die Straße gerufen. Doch sie wird kommen, die EU-Urheberrechtsreform. Sie stellt v.a. die Plattformbetreiber wie YouTube vor die Frage, wie sie künftig sicherstellen können, dass Nutzerinhalte urheberrechtlich abgesichert sind. Gleichzeitig wird damit ein EU-weites Leistungsschutzrecht für Presseverleger etabliert.

Auch nach der umfassenden Datenschutz-Grundverordnung, die die Unternehmen gerade erst verdaut haben, ist noch nicht Schluss, und es folgt noch eine weitere, die E-Privacy-VO. Sie wird die schwierige Beziehung zwischen dem Telekommunikationsgesetz und dem Telemediengesetz regeln. Wie die geplante Verordnung darüber hinaus das Webtracking von Nutzern regeln wird, stellt die Unternehmen, die mit digitalen Inhalten Geld verdienen, vor eine ungewisse Zukunft ihrer Geschäftsmodelle. Auch für 2020 angekündigt ist der neue Medienstaatsvertrag, der ab sofort nicht mehr Rundfunkstaatsvertrag heißt.

Dass der Gesetzgeber an einer Harmonisierung und Einordnung neuer Medienmodelle arbeitet, bringt die Produktion von Filmen und Serien keineswegs zum Stoppen, denn wer Inhalte besitzt, beherrscht den Markt. Das haben Akteure wie Netflix und Amazon schon verstanden. Sie produzieren am laufenden Band und setzen neue Standards zwischen Produzenten, Kreativen und Finanzierern der Inhalte.

Die Branche ruft dabei internationale Investoren auf den Plan. So blicken alle auf das, was der Finanzinvestor KKR mit dem Kauf von Tele-München, Wiedemann & Berg Film, I&U und Universum Film nun aufbauen wird. Doch nicht nur die Filmbranche, auch die Verlagsbranche steht auf dem Investitionsplan, wie KKR mit dem Einstieg bei Axel Springer deutlich machte.

Urheberrechtliches Spezialwissen nachgefragt

Die regulatorischen Abgrenzungsfragen neuer Dienste und Geschäftsmodelle sorgen für immensen Beratungsbedarf. Inhouse-Abteilungen benötigen für die Fragen zu den neuen Regularien wieder verstärkt externe Berater. Dabei können solche Kanzleien punkten, die nicht nur langjährige Erfahrung haben, sondern auch noch technikaffine Anwälte. Sie verfügen in der Regel über starke IT-Praxen, mit denen sie eng zusammenarbeiten. Dazu zählen etwa CMS Hasche Sigle, DLA Piper und Osborne Clarke.

Immer mehr zu einer solchen Digitalisierungsspezialistin hin entwickelt sich auch SKW Schwarz, die traditionell aus dem klassischen Filmgeschäft kam. Mit einem stärker internationalen Fokus agieren Greenberg Traurig und Morrison & Foerster, die oft erste Ansprechpartner für internationale Filmstudios im deutschen Markt sind. Eine starke nationale Rolle bei der Beratung von Filmstudios und Produzenten spielen kleinere Einheiten wie Brehm & v. Moers und Unverzagt von Have. Die natürlichen Berater, wenn es um große Transaktionen mit starkem Medieneinschlag geht, sind nach wie vor Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Noerr – sie alle hatten auch zentrale Rollen bei den KKR-Investitionen.

Die Entwicklung der größeren Einheiten weg von dem Kernurheberrecht rückt die Rolle der Medienboutiquen wieder stärker in den Mittelpunkt. Ihr Spezialwissen im Urheberrecht ist gefragt wie nie, und sie gestalten auf bemerkenswerte Weise die Marktentwicklung mit. Dazu zählen Boehmert & Boehmert, Frey und Lausen sowie Straßer Ventroni Deubzer Freytag & Jäger. Mit JBB Rechtsanwälte oder KNPZ Rechtsanwälte entwickeln sich zwei Marktteilnehmer zusehends aus der klassischen Verlagsberatung heraus, hin zu technikfokussierten Beratern.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die die Film-, TV-, Entertainment- u. Verlagsbranche in verschiedenen Rechtsgebieten beraten. Die zentralen Themen sind Vertragsgestaltung, Medienregulierung und Transaktionsbegleitung, die jeweils in separaten tabellarischen Übersichten dargestellt sind.


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