JUVE Kanzlei des Jahres

Versicherungsvertragsrecht: Prozessvertretung und Beratung

Sparkurs: mehr Streit und mehr Digitalisierung

Niedrige Zinsen, aufsichtsrechtliche Anforderungen und die DSGVO – diese Themen halten die Versicherungsbranche unter hohem Druck. Digitalisierungsprojekte sollen nicht nur die internen Abläufe vereinfachen, sondern auch Einsparungen bei Vertragsabschlüssen und Leistungsprüfungen bringen. Kleinere Claims, so heißt es, würden von manchen Anbietern aus Gründen der Kosteneffizienz inzwischen fraglos reguliert. „Im Gegenzug stehen die Versicherer bei großen Regulierungen mehr auf der Bremse“, sagt ein Versicherungsrechtler und beobachtet, dass Versicherer sich nichts schenken, sondern mehr Regresse untereinander ausfechten, teils auch mit dem Rückversicherer. Auch Deckungsstreitigkeiten aus Bauleistungsversicherungen spielen in Zeiten starker Bautätigkeit eine größere Rolle als zuvor.

Von einer Zunahme von Schäden aus M&A-Gewährleistungs- bzw. W&I-Versicherungen berichtete eine Marktstudie von AIG: Steuerrisiken aus M&A-Transaktionen werden in europäischen Policen erst seit wenigen Jahren abgedeckt, seien aber bei großen Transaktionen inzwischen selbstverständlicher – nicht zuletzt, weil die Steuerbehörden verschiedener Länder engeren zusammenarbeiten. Bei hohen Schadensforderungen sind Streitigkeiten vorprogrammiert. Dennoch ist in den Vorstandsetagen nach wie vor oft nur dann eine Sensibilität vorhanden, wenn es um die eigene D&O geht. „Versicherungsthemen sind noch oft in Abteilungen angesiedelt, die die Übersicht über die Verträge und Prämien halten und Schäden abwickeln“, beobachtet ein Versicherungsanwalt. „Ein direkter Draht zur Unternehmensführung und die Einbindung in Risikoüberlegungen ist strukturell nicht immer vorgesehen.“

Clyde weiter auf Wachstumskurs

Auch wegen dieser Geschäftsführungsferne bleibt das Versicherungsrecht im Wesentlichen eine Domäne von Spezialkanzleien, auch wenn inzwischen die Praxis von Noerr als Vertreterin von Unternehmen in Deckungs- oder Haftungsstreitigkeiten Boden gewinnt. Clyde & Co, die mit einem Team von Noerr vor wenigen Jahren im deutschen Markt startete, bleibt als Vertreterin der Versicherungsbranche auf Wachstumskurs. Die Kanzlei warb nicht nur von der Konkurrentin Ince & Co Versicherungsanwälte für ihr neues Hamburger Büro ab, sondern nahm auch eine Spezialistin aus dem Kölner Büro von Ince & Co auf. Der größere Teil des Kölner Ince-Büros machte sich aber unter Segger selbstständig. Um an diesem Standort wieder zu wachsen, werden die deutschen Ince-Partner viel Rückendeckung aus der internationalen Praxis brauchen.

Auf der Produktseite trat CMS Hasche Sigle zuletzt häufiger bei Onlineversicherungsprojekten in Erscheinung. Das hoch erfahrene Kölner Team begleitete schon im Vorjahr den Versicherer One beim Aufbau neuer Angebote und berät aktuell den noch jungen US-Versicherer Lemonade beim Erstauftritt auf dem deutschen Markt. Die richtige Mischung aus dem Beschreiten neuer Wege und der Pflege einer großen Tradition muss derweil das zuletzt verjüngte Management der langjährigen Marktführerin BLD Bach Langheid Dallmayr finden. Bislang zeigt sie kaum Anzeichen für strategische Schwächen. Vielmehr rücken nun einige der renommiertesten Partner der nächsten Generation in die Verantwortung.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die zu Versicherungsverträgen und -produkten beraten sowie daraus resultierende (Haftungs- und Regress-)Prozesse führen. Beraten werden sowohl Versicherer als auch Unternehmen als Versicherungsnehmer. Spezialisten für D&O-Prozesse finden sich auch im Kapitel ?Handel und Haftung.

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