JUVE Kanzlei des Jahres

Vertriebssysteme

Digitalisierung mischt die Karten im Handel neu

Durch die rasante Digitalisierung ist der Handel im Umbruch wie nie zuvor. Konzepte der sogenannten Sharing Economy und das Internet der Dinge führen zu neuen Geschäftsmodellen und Kooperationen, der Einsatz von künstlicher Intelligenz und 3D-Druck-Produktion erfordert eine neue Betrachtung von Haftungsfragen. Die anhaltende Ausbreitung des Onlinehandels löst zudem die grundlegende Neuorganisation von Verträgen und Vertriebswegen aus.

Zugleich sorgen neue Regulierungsanforderungen für einen höheren Beratungsbedarf bei den Unternehmen – wie zuletzt die neuen Datenschutzregeln oder die EU-Geoblocking-Verordnung, der zufolge Onlineshops und Streamingdienste ihre Waren und Inhalte innerhalb des EU-Binnenmarkts allen Nutzern zu gleichen Konditionen anbieten müssen. Um im Dschungel der Verordnungen nicht den Überblick zu verlieren, nehmen viele Unternehmen derzeit die Compliance ihrer gesamten Lieferkette und der zugehörigen Verträge genau unter die Lupe.

Besonders deutlich sind die Umwälzungen im Automobilsektor, der auf Hochtouren an den Zukunftsthemen Elektromobilität, autonomes Fahren und Konnektivität arbeitet – was erhebliche Wirkungen auf die Vertriebs- und Einkaufswege hat. So stehen Händler- und Serviceverträge auf dem Prüfstand. Gleichzeitig stellt sich die Branche mit neuen Mobilitätskonzepten auf das sich verändernde Nutzerverhalten ein. Mit etablierten Mietwagenfirmen entwickeln Hersteller neue Konzepte zum Carsharing, die Kfz-Händler bleiben dabei häufig außen vor.

Vertriebsrecht alleine reicht nicht mehr

Die Digitalisierung und die Komplexität der Umwälzungen fordert von Kanzleien neue Lösungsansätze, die die Vertriebsrechtler alleine nicht mehr entwickeln können. Dazu zählen beispielsweise neue Bezahlsysteme oder der Selektivvertrieb im Internet. Deshalb intensivieren die Vertriebsrechtsteams in fachlich breit aufgestellten Kanzleien wie Noerr, DLA Piper oder Osborne Clarke ihre interne Vernetzung mit anderen Praxen wie z.B. IT, Datenschutz, Kartellrecht oder Bankrecht. Gleiches gilt für regulatorische Kennzeichnungs- oder Zulassungspflichten – hier hat Hogan Lovells bereits viel Erfahrung, da sie seit Jahren auf die Verknüpfung von Vertriebsrecht und Produktregulierungsthemen setzt.

Einerseits beflügelt all das den Trend, dass Unternehmen bei größeren Projekten häufig Großkanzleien mit ineinandergreifenden Spezialisierungen vertrauen. Andererseits zeigen etwa Lubberger Lehment oder Harmsen Utescher, dass sich auch kleinere Boutiquen behaupten können. Sie haben ihre vertriebs- und vertriebskartellrechtliche Beratung aus einer starken Marken- und Wettbewerbsrechtspraxis heraus entwickelt und punkten insbesondere beim Thema Selektivvertrieb mit viel Erfahrung aus prozessualen Streitigkeiten.

Um bei der Prüfung oder Umstellung großer Mengen von Standardverträgen die Abläufe zu vereinfachen und Kosten zu senken, bekommt technische Unterstützung eine immer größere Bedeutung. Schon früh haben sich dabei CMS Hasche Sigle und Baker & McKenzie z.B. mit der Automatisierung von Einkaufsmusterverträgen hervorgetan. Mittlerweile ziehen andere Kanzleien wie SKW Schwarz und Görg mit eigenen Konzepten nach.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die zu Vereinbarungen innerhalb der Lieferkette und anderen unternehmerischen Kooperationen, etwa Handelsvertreter-, Vertragshändler-, Direkt-, Strukturvertriebs-, Vertriebskartell- und Lizenzrecht sowie Franchising, beraten. Spezialisten für streitige und Schiedsverfahren finden sich im Kapitel Konfliktlösung.


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