ESCHE SCHÜMANN COMMICHAU

Nationaler Überblick Top 50★☆☆☆☆

Auf den Punkt: Die Hamburger Traditionskanzlei mit ihrem multidisziplinären Full-Service-Ansatz besticht mit ihrer tiefen Verankerung im regionalen, teils auch überreg. Mittelstand. Mit behutsamer Weiterentwicklung behauptet sie sich im kompetitiv werdenden hanseatischen Beratermarkt.
Analyse: Die Kanzlei hat sich mit einer fachlich breiten MDP-Aufstellung, langjähriger Erfahrung mit Transaktionen, mit gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten bis hin zu krisenbedingten Restrukturierungen ganz auf ihre primär mittelständische Klientel ausgerichtet. Dass ihre Kontakte über den norddeutschen Markt hinausreichen, zeigte sich zuletzt wieder in der Beratung von Georg Kofler beim Verkauf der Leifeld Metal Spinning an die japanische Nihon Spindle. Die breite gesellschaftsrechtliche Beratung zieht aber auch Mandanten wie das Start-up MBRC – Embrace the Ocean an, das bei der Strukturierung seiner Gesellschaft auf ESC vertraute. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass junge Partner wie Eva Homborg in der ersten Reihe mitwirken. Dies ist der Erfolg einer nachhaltigen Personalstrategie, die regelmäßig in der Ernennung neuer Nachwuchspartner mündet – etwa zuletzt die des Vergabe- u. Baurechtsexperten Dr. Jan Ingerowski sowie des Gesellschaftrechts- u. Prozessspezialisten Dr. Boris Bross – und so einen reibungslosen Generationswechsel ermöglicht.
Fortschritte macht die Kanzlei auch bei der Verzahnung der einzelnen Fachbereiche. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Compliance-Mandaten: Nach der Arbeit bei der Elsflether Werft im Zusammenhang mit der Gorch-Fock-Affäre hat ESC eine fachübergreifende Compliance-Praxis um den auch im ESC-Management aktiven Prozessspezialisten Dr. Andreas von Criegern geschaffen, die Litigation, Kartell-, Steuer-, Arbeits- und Gesellschaftsrecht umfasst und bereits weitere Mandanten, etwa einen weltweit führenden Anbieter von Metallen, überzeugt hat. Mit einer solchen Struktur ist sie vielen mittelständischen Wettbewerbern weit voraus. Und nicht nur Mandanten profitieren davon: Über die Compliance-Beratung hinaus konnten jüngere Arbeitsrechtler jetzt ihre Kontakte maßgeblich erweitern – auch bei weltweit agierenden Unternehmen. Im Duett mit den Steuerberatern der Kanzlei intensivierten sie zudem die Beratung zu Mitarbeitermobilität, ein Thema, das für Unternehmen immer wichtiger wird. Auch Non-Profit-Organisationen und Stiftungen, die teils seit Jahren auf ESC setzen, suchen in immer mehr Feldern Rat und nutzen wie die Toepfer Stiftung die starken Kompetenzen im Gesellschafts-, Arbeits- und IP-Recht.
Perspektive: Der kontinuierliche Fortschritt bei der fachübergreifenden Zusammenarbeit ist beachtlich, doch ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Anknüpfungspunkte ergeben sich etwa noch durch die Vergabepraxis, die fest in der Entsorgungswirtschaft verankert ist.
Die Konfliktlösungspraxis bietet mit ihrem wachsenden Engagement bei Kartellschadensersatzfällen und ihrer als eine der VW-Prozesskanzleien erworbenen Erfahrung im Umgang mit Massenverfahren offensichtliche Chancen. Dieses Wissen auch für andere Mandanten und Branchen einzusetzen, ist naheliegend und könnte ESC zudem deutlich von ihren Wettbewerbern abheben. Gerade in dem durch das Entstehen neuer, ambitionierter Kanzleien geprägten Hamburger Markt wird es für Traditionsadressen wie ESC immer wichtiger, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln.
Dies gilt umso mehr, als dass die Kanzlei bei ihrer Weiterentwicklung konsequent auf eigenen Nachwuchs setzt. Das ist zwar nachhaltig, doch kann sie so nicht das gleiche Tempo vorlegen wie Einheiten, die sich von außen verstärken. Dieses Manko zeigt sich auch bei der grenzüberschreitenden Arbeit. Zwar gehören derartige Mandate immer häufiger zum Repertoire, doch ist hier eine klare Strategie nach wie vor nicht erkennbar. Statt des internationalen Netzwerks, in dem ESC Mitglied ist, sind es nach wie vor primär individuelle Kontakte einzelner Partner, die derartige Aufgaben in die Kanzlei bringen. Neue Möglichkeiten könnte auch hier die neue Compliance-Gruppe eröffnen, da derartige Mandate häufig grenzüberschreitenden Charakter haben. Will ESC dieses Thema strategisch erweitern und nicht nur auf Krisen in ihrer vielfältigen Dauermandantschaft warten, wird sie ohnehin glaubwürdig machen müssen, dass sie über entsprechend eingespielte Kanzleibeziehungen im Ausland verfügt.
Mandantenstimmen: Mandanten betonen regelmäßig Qualität und Umsicht der ESC-Anwälte. So äußert sich ein Mandant positiv über die „sehr sorgfältige und kundige Beratung mit hoher Nähe zum Mandanten und dem unbedingten Willen, pragmatische u. rechtssichere Lösungen zu finden“. Andere unterstreichen die „hervorragende und sachlich motivierte Fachkenntnis, die schnell und formulierungssicher“ eingesetzt wird. Lob gibt es auch für die „exzellente 360-Grad-Beratung“ der MDP.
Service: Aus dem Großmandat für VW hat die Kanzlei Erfahrung mit dem Einsatz von Projektjuristen, zeigt bislang aber keine ausgeprägten Ambitionen, dieses Modell weiterzuverfolgen. Ihr Abrechnungsmodell hält ESC flexibel, beschränkt sich dabei aber weitgehend auf etablierte alternative Honorarmodelle. Vorsichtigen Schrittes entdeckt die Kanzlei die Vorzüge von Legal-Tech-Anwendungen.
Anwälte in Deutschland: 60
Blick auf die Standorte: Hamburg.
Internat. Einbindung: Mitglied des Netzwerks Lawyers Associated Worldwide.
Bitte beachten Sie auch das Kanzleiporträt:
Esche Schümann Commichau Partnerschaftsgesellschaft20457 Hamburg
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