In Berlin halten Wachstum der Start-ups und Mietendeckel die Anwälte beschäftigt

„Berlin, Berlin, wir ziehen nach Berlin!“ So dachten im vergangenen Jahr gleich zwei Kanzleien: Lutz Abel und Friedrich Graf von Westphalen & Partner eröffneten in der Hauptstadt. Letztere sogar mitten in der Corona-Krise, mit einem Team von BRL Boege Rohde Luebbehuesen.

Beide Kanzleien haben das Corporate- und Venture-Capital-Geschäft im Blick. Dass Berlin weiterhin das Zentrum der Venture-Capital-Beratung ist, zeigt sich allein schon an der schieren Zahl der Start-ups, die sich Jahr für Jahr die Hauptstadt als Standort ihres jungen Unternehmens aussuchen.

Wohl denen, die sich auf die Gesundheitsbranche oder neue Technologien als Geschäftsmodell fokussieren: Vor allem sie kamen – der Corona-Krise zum Trotz – weiterhin an das üppig vorhandene Geld der Finanzinvestoren und bescherten so auch den auf Gründerberatung spezialisierten Einheiten wie Vogel Heerma Waitz und Lacore Arbeit.

Der Markt entwickelt sich weiter zu immer größeren Finanzierungsrunden, und die Grenzen zwischen Venture Capital, Private Equity und M&A verschwimmen oftmals. Viele der Berliner Kanzleien bemühen sich, auch investorenseitig zu beraten. Bei Schnittker Möllmann Partners, Osborne Clarke oder Raue ist das schon länger Geschäftsmodell, doch auch BMH Bräutigam & Partner ist zunehmend gefragt.

In personeller Hinsicht für Aufsehen sorgte der Weggang des Gründungspartners von Schnittker Möllmann Partners. Dr. Peter Möllmann gründete im August seine eigene Einheit PXR Legal u. Schnittker Möllmann Partners verlor einen ihrer prägendsten Köpfe der Transaktionspraxis.

Öffentliche Wirtschaftsrecht hat Hochkonjunktur in Berlin

Nach wie vor hat auch das Immobilien- und das Öffentliche Wirtschaftsrecht Hochkonjunktur in der Hauptstadt. Ende Februar ist das Berliner Gesetz zur Mietenbegrenzung im Wohnungswesen in Kraft getreten, dem private Eigentümer mit Verfassungsbeschwerden begegneten, da sie sich in ihren Grundrechten verletzt sehen. Auf Klägerseite stehen Greenberg Traurig und Redeker Sellner Dahs den Verfassungsrechtlern von Hengeler Mueller gegenüber, die die öffentliche Hand vertreten.

Auch die Themen Klimawandel und Energiewende beschäftigen Berliner Kanzleien intensiv, beispielsweise rund um den Kohleausstieg, in deren Beratung Luther (Leag/Mibrag) und Posser Spieth Wolfers & Partners (RWE) sowie GSK Stockmann und Noerr für den Bund eingebunden sind.

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