Düsseldorf: attraktiver denn je

Der Düsseldorfer Markt bleibt in Bewegung. Die internationalen Neuankömmlinge der vergangenen beiden Jahre, Dentons und Eversheds Sutherland, warben mit Nachdruck Partner und Associates von lokalen Wettbewerbern ab – nicht nur deshalb haben sie sich nach kurzer Zeit bereits fest am Markt etabliert.

Allein in den letzten zwölf Monaten schlossen sich Dentons ein erfahrener Associate von Herbert Smith Freehills sowie eine Associate und ein Counsel von Clifford Chance an. Auch Eversheds Sutherland verstärkte sich auf Partnerebene mit einem erfahrenen Counsel von Clifford Chance.

Auffällig viele personelle Veränderungen gab es außerdem bei den Big-Four-Kanzleien: Fast das gesamte Kölner Büro von DWF wechselte zu Deloitte Legal, die damit ihre Position in der Landeshauptstadt signifikant stärkte. Gleichzeitig musste PricewaterhouseCoopers Legal einen massiven Aderlass hinnehmen: Infolge des seit 2018 vorangetriebenen Strategiewechsels ging u.a. ein achtköpfiges Transaktionsteam zu EY Law.

Auf der anderen Seite verstärkte sich die Private-Equity-Praxis mit einem Team von Hogan Lovells, das gut zur Neuausrichtung auf großvolumigeres Geschäft jenseits der Mittelstandsberatung passt. Das Selbstverständnis der Big-Four-Kanzleien ändert sich deutlich, und damit auch ihre Rolle: Sie treten in Konkurrenz mit etablierten Einheiten.

Spin-off von Marktführer Linklaters in Düsseldorf

Der spannendste Markteintritt ist ein Spin-off von Marktführer Linklaters: Zum August 2020 machten sich vier erfahrene Associates der Kanzlei als LMPS von Laer Meyer Paul Stuttmann selbstständig. Mit ihrem Fokus auf Corporate inklusive Litigation und M&A ähnelt die neue Kanzlei der Boutique Berner Fleck Wettich, die 2014 von drei ehemaligen Hengeler Mueller-Associates gegründet wurde. Ihr Erfolg zeigt, dass der Düsseldorfer Corporate-Markt noch nicht gesättigt ist – eine gute Basis für den Start von LMPS, zumal die Anwälte bereits erfahrener und am Markt etablierter sind, als es die Namenspartner von Berner Fleck Wettich bei der Gründung ihrer Kanzlei waren.

Patentszene bleibt stark

Neben seiner hohen Dichte an Corporate-Spezialisten ist Düsseldorf auch für seine rege Patentszene bekannt. Dafür sorgen seit jeher die renommierten Patentgerichte der Landeshauptstadt. So beschäftigt etwa der Streit zwischen Nokia und Daimler um Mobilfunktechnologie, die beim vernetzten Fahrzeugen zum Einsatz kommt, aktuell auch das Landgericht Düsseldorf.

Zum Patent-Fokus der Stadt passt, dass Herbert Smith Freehills im April eine erfahrene Partnerin von Simmons & Simmons an Bord holte, um eine deutsche IP-Praxis aufzubauen. Bewegung gab es auch bei den IP-Boutiquen: Bardehle Pagenberg verstärkte sich mit einem Partner von Kather Augenstein, und Meissner Bolte holte einen Quereinsteiger von EIP, der sich wiederum ein Patentrechtler von Bird & Bird anschloss.

Corona beflügelt Japan-Beratung

Mit ihrer überwiegend fachlich breiten Aufstellung und der Nähe von Corporate-Beratung zu Insolvenz- und Restrukturierungsthemen traf die Corona-Pandemie die Düsseldorfer Kanzleien weniger hart als etwa den stärker transaktionsgetriebenen Frankfurter Markt. Profitieren konnten v.a. die mittelständischen Kanzleien, denen die Verunsicherung vieler jüngerer Großkanzleianwälte im Hinblick auf ihren Arbeitsplatz eine Welle an gut Bewerbungen einbrachte – eine ungewöhnlich komfortable Lage, gilt Düsseldorfer doch als schwieriger Bewerbermarkt.

Doch auch an anderen Stellen konnten einzelne Kanzleien von Corona profitieren: V.a. die in Düsseldorf stark vertretene Japan-Community hatte großen Beratungsbedarf, u.a. zu unterbrochenen Lieferketten und vertragsrechtlichen Themen – hier hatten Kanzleien mit etablierten Japan-Desk wie Arqis einen erheblichen Vorteil.

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