Kanzleien in Nordrhein-Westfalen kommen gut durch die Krise

In der Portfoliotheorie gilt eine breite Aufstellung als Garant für Krisenresistenz. Viele Kanzleien, die sich in Nordrhein-Westfalen außerhalb der beiden größten Städte Köln und Düsseldorf angesiedelt haben, beherzigen diese Regel. Wurden durch die Corona-Krise etwa Transaktionen auf Eis gelegt, gab es stattdessen mehr Beratungsbedarf im Arbeitsrecht oder bei Umstrukturierungen. In Westfalen sorgten zudem in vielen Kanzleien Anwaltsnotariate für Stabilität – eine geschäftliche Säule, auf die sich die rheinischen Kanzleien nicht stützen können.

Eine Sonderkonjunktur brachte die Corona-Krise jedoch selten: Einzig Aderhold verzeichnete dank ihrer Erfahrung mit Förderkrediten der NRW.Bank im Frühling 2020 eine breite Nachfrage nach dieser finanziellen Krisenberatung.

Auch wenn sich die meist langjährigen Beziehungen zwischen Kanzleien und ihren überwiegend mittelständischen Mandanten als recht robust erwiesen, blieben die nordrhein-westfälischen Sozietäten insgesamt vorsichtig.

Beim Personal wagten sie keine Experimente, sondern setzten weiter darauf, behutsam den eigenen Nachwuchs aufzubauen. In dieser Strategie liegt auch einer der wesentlichen Gründe dafür, dass es im Kanzleimarkt in der Region kaum Verschiebungen gibt, manche Anwälte charakterisieren ihn sogar als „sehr langweilig“.

Dabei haben Kanzleien wie Schmidt von der Osten & Huber gezeigt, dass sich mit Quereinsteigern das Beratungsangebot sinnvoll verbreitern lässt. Spieker & Jaeger setzt hingegen auf eine bessere interne Vernetzung, um ihren Mandanten passgenaue Beratung zu bieten. Sie schuf Strukturen, um flexibler und variabler Teams zusammenzustellen. Davon profitierten nicht nur Mandanten, auch für die Kanzlei ergab sich ein überproportionales Umsatz- und Produktivitätswachstum.

Dass sich die regionalen Platzhirsche unter den Kanzleien trotz aller Stabilität im Markt nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen können, zeigt sich immer wieder. So dringt etwa Breidenbach in die Riege etablierter Berater vor. Das Wuppertaler Traditionshaus hat sich mit seinem MDP-Ansatz Stück für Stück größere Marktanteile erobert.

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