Corona-Sofortmaßnahmen treffen auf Brexit-Folgen

Als sich die Briten im Sommer 2016 mit ihrem Referendum für den Brexit entschieden, betraf das Frankfurt mehr als jede andere Stadt in Deutschland. Vier Jahre später gehört die Mainmetropole zu den Gewinnern des Austritts: Laut einer Studie der Helaba, die Ende 2019 erschien, sind seitdem 31 neue Banken nach Frankfurt gekommen, der Abstand zwischen dem Finanzplatz London als Spitzenreiter und Frankfurt als Verfolger hat sich deutlich verringert.

Auch wegen dieses Zustroms brachte Corona für viele Frankfurter Bank- und Finanzrechtler Arbeit, denn die Institute passen nun ihre Gruppenstrukturen in Kontinentaleuropa an. Hinzu kamen die staatlichen Maßnahmen. Die umfangreichen Förder- und Stützungskredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden über die Banken an die Unternehmen ausgegeben. Das bedeutete etwa für Clifford Chance ein sehr großes Kfw-Mandatspaket, Latham & Watkins brachte den Großkredit für Tui auf den Weg – weitere werden in nächster Zeit wohl noch folgen.

Jenseits der Finanzpraxen trafen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie Teile des regionalen Anwaltsmarkts jedoch härter als andere regionale Märkte: In kaum einer Stadt ist die Zahl an transaktionsgetriebenen Kanzleien so groß wie in der hessischen Metropole – und die großen Deals waren das Erste, was zum Stillstand kam. Einen Mangel an Arbeit kannten viele Transaktionsanwälte der jüngeren Generation bisher nur aus Erzählungen älterer Partner. Im Vorteil waren im Frühjahr 2020 hingegen die breiter aufgestellten Kanzleien, die ihren Transaktionsnachwuchs zeitweise anderweitig einsetzen konnten, oder restrukturierungsnah aufgestellte Kanzleien wie Weil Gotshal & Manges.

Die Arbeit der Immobilienpraxen brach im Frühjahr ebenfalls erst einmal ein. Bis Januar war die Welt noch in Ordnung: Wieder einmal wurde The Squaire am Flughafen verkauft (€950 Mio), der Frankfurter Asset-Manager Covivio übernahm Godewind (€700 Mio). Zum Redaktionsschluss lagen noch einige Projekte auf Eis, wodurch sich die erfolgsverwöhnten Immobilienrechtler einig waren, unterm Strich gut durch die Krise zu kommen.

US-Kanzleien zögern in Frankfurt zu eröffnen

Corona traf nicht nur die Kanzleien, die bereits Büros in Frankfurt haben, sondern auch diejenigen mit Frankfurtplänen. So streckten in den vergangenen Jahren noch viele US-Kanzleien ihre Fühler Richtung Frankfurt aus, um dort deutsche Teams für die Eröffnung ihrer Deutschlandbüros zu rekrutieren. Um diese anvisierten Neueröffnungen ist es zuletzt deutlich stiller geworden. Umso bedeutender war es im internationalem Kontext, dass die japanische Top-Kanzlei Nishimura & Asahi ihren europäischen Hauptstandort in Frankfurt eröffnete. Eine Zweigniederlassung soll es in Düsseldorf geben, wo viele europäische Töchter japanischer Konzerne angesiedelt und bereits einige Kanzleien mit renommierten Japan-Desks tätig sind.

Auch Schindhelm, die bereits vier andere Standorte in Deutschland unterhält, eröffnete in Frankfurt. Rose & Partner startete mit Partnern von Gibson Dunn & Crutcher und Flick Gocke Schaumburg, die nun das Büro gemeinsam leiten. Hinzu kamen einige Spin-offs: etwa die der Immobilienpraxis der US-Kanzlei Curtis Mallet-Prevost Colt & Mosle. Die beiden Leiter der Praxis machten sich unter Disput Hübner selbstständig.

Unter V29 Duve Hamama firmieren nun der ehemalige Freshfields-Partner Prof. Dr. Christian Duve und Olga Hamama, ehemals Principal Associate in der Konfliktlösungspraxis bei Freshfields. Auch der renommierte Sportrechtler Dr. Hermann Schlindelwein segelt nun unter eigenem Namen, er verließ Klinkert.

Cum-Ex-Anklage

Obwohl einige Kanzleien auch mit Neueinstellungen erst einmal zurückhaltend waren, wechselten Anwälte auf Partnerebene. Heraus stach Cornelia Thaler, die nach ihrem Ausscheiden bei Clifford Chance zunächst selbstständig gearbeitet hatte, sich nun aber Willkie Farr & Gallagher anschloss, die mit ihr und weiteren Quereinsteigern ihren Wachstumskurs fortsetzte.

Cleary Gottlieb Steen & Hamilton dagegen schrumpfte weiter. Nachdem im Vorjahr bereits einige Partner die Banking- und Finanzierungspraxis verließen, schieden nun ein M&A-Partner und einige Counsel und erfahrene Associates aus der Litigation-Praxis aus, um den Fachbereich bei Willkie Farr & Gallagher aufzubauen.

Zwei Weggänge der anderen Art verzeichnete das Frankfurter Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer: Dass zwei ihrer Partner die Kanzlei verließen, und zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses im Zusammenhang mit der Beratung zu Cum-Ex angeklagt waren, brachte der Kanzlei Schlagzeilen, auf die sie sicher gerne verzichtet hätte.

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