Anleihen und Strukturierte Finanzierung

Geänderte Vorschriften halten Berater auf Trab

Neue Vorschriften etwa bei Prospekten sorgten bei vielen Anleiheemittenten für Anpassungsbedarf, ebenso wie die Abschaffung der Referenzzinssätze Euribor und Libor. Ein begehrtes Anleihensegment stellten klassifizierte Green Bonds dar, wie sie etwa Baywa oder die Deutsche Bank begaben. Generell liegen Emissionen, die die neuen ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance) erfüllen, im Trend.

Einen hohen aufsichtsrechtlich induzierten Berichtsaufwand für Banken, aber auch für emittierende Unternehmen, erzeugte weiterhin die neue Verbriefungsverordnung der EU, insbesondere bei STS-Verbriefungen. Die STS-Regulierung, die 2019 erstmals Anwendung fand, hat sich – laut Creditreform Rating Report 2020 – allerdings bewährt und zweifellos auch dazu beigetragen, das Standing von Asset-backed Securities (ABS) zu verbessern.

Kanzleien stellen sich neu auf

Am Beratermarkt sorgten weniger die neuen Vorschriften als Personalbewegungen für eine Neusortierung innerhalb der Praxen. So richtet sich Allen & Overy nach dem Wechsel des Partners und Anleihenexperten Christoph Enderstein zu Norton Rose Fulbright ein Stück weit neu aus und setzt dabei vor allem auf komplexere Emissionen und weniger breites Programmgeschäft. Norton Rose Fulbright verschafft sich dagegen einen ganz neuen Zugang zum Anleihenmarkt und zu zahlreichen Emittenten wie Banken.

Ein weiterer gravierender Wechsel vollzog sich bei CMS Hasche Sigle, die mit Oliver Dreher den Partner verlor, der das Anleihengeschäft in den vergangenen Jahren in der Kanzlei aufgebaut hatte. Mit seinem Zugang schließt Dentons eine weitere Lücke in ihrer inzwischen breiten Partnerriege innerhalb des Bank- und Finanzrechts.

Auch bei Strukturierten Finanzierungen lassen sich weitere Verschiebungen im Beratermarkt beobachten. Während Linklaters und Clifford Chance ihre Spitzenpositionen festigten, vereinen insbesondere Freshfields Bruckhaus Deringer, aber auch Hengeler Mueller nicht mehr so viele Marktanteile auf sich wie noch vor einigen Jahren. Ein Grund dafür könnte sein, dass der strategische Fokus der Kanzleien in anderen Bereichen liegt. Dies scheint ebenfalls bei Baker & McKenzie der Fall zu sein, die ihre Praxis nach den Weggängen der vergangenen Jahre nicht neu aufgebaut hat, wodurch die Marktrelevanz des personell dünn besetzten Teams niedrig ist.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die bei Anleihenemissionen oder Strukturierten Finanzierungen wie Verbriefungen, Derivaten oder notleidenden Krediten beraten. Beide Segmente überschneiden sich, doch betreuen Kanzleien sie vielfach mit unterschiedlichen Beraterteams und unterschiedlich intensiv. Zwei separate tabellarische Übersichten tragen dieser Struktur Rechnung.

JUVE Kanzlei des Jahres für Bank- und Finanzrecht

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