Bank- und Bankaufsichtsrecht

Der große Platscher

Mit unvermuteter Wucht trafen im Frühjahr 2020 die Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus die gesamte Volkswirtschaft. Von diesem Schlag ziehen sich Wellen in sämtliche Branchen, und es ist absehbar, dass sich Schieflagen und Insolvenzen zeitlich verzögert auch auf die Bilanzen der Kreditgeber durchschlagen. Wie die regulierten Finanzinstitute mit den Folgen umgehen, ist bereits jetzt ein heißes Eisen. Denn es stellen sich dadurch diverse Fragen, etwa in welchem Ausmaß mögliche Ausfälle mit neuem Eigenkapital unterlegt werden müssen und welche Modelle der Risikominimierung sich als aufsichtskonform erweisen.

Eine andere lange Welle läuft dagegen aus: die Sanierung der Landesbanken. Bei der Hamburg Commercial Bank steht die neue Eigentümerstruktur, die NordLB hat ihre milliardenschweren Kapitalmaßnahmen hinter sich. In beiden Fällen liefen v.a. noch die Nacharbeiten. Anders bei der Deutschen Bank, die das Beil bei einem Geschäftsbereich ansetzte, der auf Hedgefonds weltweit ausgerichtet ist. Diesen gab sie an den französischen Wettbewerber BNP Paribas ab. Als Beraterin war hier Freshfields Bruckhaus Deringer tätig.

Etliche Banking-Praxisgruppen beschäftigte zudem die Beratung zu Brexit-Folgen weiterhin stark, denn die Institute passen nun nach den ersten Notmaßnahmen ihre Gruppenstrukturen in Kontinentaleuropa an. Solche strategisch bedeutenden Mandate weisen auch die Praxen von Hengeler Mueller u. Linklaters als marktführend aus.

Neue aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Geldwäscheabwehr und Kundenidentifikation sowie zu stärker auf Nachhaltigkeit auszurichtenden Geschäftsmodellen zeichnen sich am Horizont ab. Gerade in den Bereichen AML- und KYC-Regeln wird ein einheitlicheres EU-Regelwerk digitale Ansätze befeuern. Etliche Kanzleien sind schon jetzt für Anbieter tätig, die an solchen Lösungen arbeiten. Die sich beschleunigende Digitalisierung verändert die Geschäftsmodelle vieler Unternehmen auch außerhalb der Finanzbranche, die dadurch in einzelnen Sparten ebenfalls in regulierte Sphären vorstoßen.

Digitalisierung formt neue Teams

Diese vielschichtige Marktsituation beschert den Top-Praxen weiterhin viel zu tun, doch können sich gerade im dynamischen Umfeld der Digitalisierung auch neue Akteure geschickt etablieren. Einen Vorteil haben in diesem Zusammenhang Kanzleien, die im Bereich digitaler Geschäftsmodelle schon auf erfolgreiche Projekte verweisen können. Dazu zählen unter anderem GSK Stockmann und Annerton. Hinter der neu gegründeten Kanzlei Annerton stehen die früheren Münchner und Berliner Büros von Aderhold. Im Sommer eröffnete sie mit zwei Quereinsteigern einen weiteren Standort in Frankfurt, geblieben ist der inhaltliche Fokus auf Fintech- und Payment-Themen. GSK Stockmann erweiterte ihre Palette hingegen mit zwei erfahrenen Partnern vor allem im Bereich der Prozessvertretung, insbesondere gegenüber den Aufsichtsbehörden.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die aufsichtsrechtlich ebenso beraten wie zu Finanzprodukten oder Transaktionen im Finanzsektor. Aufgrund der Regulierung durch nationale und EU-Institutionen arbeiten die Teams oft eng mit den ?öffentlich-rechtlichen Fachbereichen zusammen. Teilweise bestehen Überschneidungen mit Beihilfe, Insolvenz und Restrukturierung sowie Konfliktlösung.

JUVE Kanzlei des Jahres für Bank- und Finanzrecht

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