Börseneinführungen und Kapitalerhöhungen

Schwach, schwächer, 2019

2019 war das schwächste IPO-Jahr in Deutschland seit der Finanzkrise, und auch im ersten Halbjahr 2020 sah es nicht besser aus, denn zu Handelsstreit und Brexit gesellte sich auch noch das Coronavirus. Dabei sorgte noch im September 2019 der €2,3 Milliarden schwere Börsengang von TeamViewer für ein Highlight und weckte große Hoffnungen auch für 2020. Doch es kam aufgrund der unsicheren Perspektive und der Preisabschläge durch Corona erst einmal lange nichts. Ende Mai brach dann der Nürnberger Datenbankanbieter Exasol das Eis an der Frankfurter Börse, und der Arzneimittelhersteller PharmaSGP folgte wenig später. Auch wenn die Emissionserlöse mit €88 bzw. €127 Millionen klein waren, tat sich wenigstens wieder etwas, und gleich zu Beginn des dritten Quartals wagte auch der Technologieinvestor Brockhaus Capital Management (BCM) den Sprung aufs Parkett.

Vor dem Hintergrund der weiter anhaltenden Pandemie sind insbesondere Technologie- und Softwareunternehmen sowie Medizintechnik- und Pharma- oder Biotechunternehmen gefragt – wie der Impfstoffhersteller Curevac, der sein Börsendebüt an der Nasdaq anstrebt. Aber auch die lange angekündigte Börsennotierung von Siemens Energy nach der Abspaltung sowie der mehrfach verschobene IPO von Springer Nature stecken in den Startlöchern.

Berater werkeln im Hintergrund

Für die Berater bedeutete die Unlust der Unternehmen in vielen Fällen mehr vorbereitende Beratung, verstärkte Pre-IPO-Maßnahmen und wenig Erfolgsnachrichten. Nichtdestotrotz zeichneten sich einige Verschiebungen am Beratermarkt ab. So kann DLA Piper, die sich vor zwei Jahren über einen Partnerzugang von Latham & Watkins freute, inzwischen eine etablierte Praxis vorweisen, die u.a. mit guten Beziehungen nach Österreich punkten kann. Genau davon sowie von ihrer US-Kompetenz profitierte auch Skadden Arps Slate Meagher & Flom, die sich unter den Verfolgern der Marktspitze ein Stück weit von der Konkurrenz absetzen konnte. Grund dafür war ihre starke Präsenz in der Bankenberatung, so etwa beim TeamViewer-IPO, bei der milliardenschweren Kapitalerhöhung von AMS zur Finanzierung der Osram-Übernahme und bei der mehrfachen Ausgabe von American Depositary Shares für Morphosys. Cleary Gottlieb Steen & Hamilton setzte hingegen den stetigen Abbau im Kapitalmarktrecht in Deutschland fort und zählt nun keinen deutschen Partner mehr in ihren Reihen. Demzufolge nimmt die Praxis auch nur noch sehr vereinzelt am Marktgeschehen in Deutschland teil.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Emittenten oder konsortialführende Banken bei Aktienplatzierungen an deutschen und ausländischen Börsen beraten.

JUVE Kanzlei des Jahres für Bank- und Finanzrecht

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