Kredite und Akquisitionsfinanzierung

Regulierung prägt die Kreditvergabe

Schon seit März 2019 war die deutsche Umlaufrendite als wichtigster Indikator der Zinslage negativ, Tendenz eher fallend als steigend. Mit den Negativzinsen wurden die Kreditbedingungen im Marktdurchschnitt lascher, die Tilgungen etwa Richtung Endfälligkeit geschoben und die gewährten Debt-/Ebitda-Quotienten höher. Schon vor der Corona-Krise schien der Gedanke an eine baldige Zinswende vielen nicht mehr realistisch. Alternative Geldgeber gingen in der Phase günstigen Geldes stärker ins Risiko, weil es ihnen als wenig regulierten Häusern möglich war.

Für die regulierten Banken im Euroraum mit aufsichtsrechtlichen Vorgaben wird es immer schwerer mitzuhalten. Sie wahren etwa über ihren Part an gemischten Finanzierungen wie Unitranches Marktpräsenz. Sie verteidigen über ihre Rolle als Hausbanken auch bei Krediten und Akquisitionsfinanzierungen Terrain. Und sie versuchen, die Zinsaufschläge gering zu halten und so ihren Vorsprung vor den teureren Fonds zu halten. Kanzleien bekamen bereits Sparabsichten zu spüren – die gesunkenen Krediteinnahmen sollen auf der Kostenseite zulasten der Kanzleien ausgeglichen werden.

Nun kommt Corona als Sondereffekt: Förder- und Stützungskredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Förderbanken der Bundesländer wurden über regulierte Geschäftsbanken an die Unternehmen ausgereicht. So begleitete etwa Clifford Chance bei der KfW Mandatspakete enormer Größe, und Großkredite wie bei Tui (mit Latham & Watkins) waren nur die ersten einer sich fortsetzenden Reihe. Akquisitionen hingegen wurden auf Eis gelegt, was transaktionsorientierte Praxen wie Willkie Farr & Gallagher schnell zu spüren bekommen haben.

Unruhe für Wechsel genutzt

Was davon nachgeholt wird und ob die Banken von ihrer in der Krise wichtigen Rolle dauerhaft profitieren, ist daher seit dem Sommer eine der spannenden Fragen in der Branche. Sicher ist zunächst einmal zusätzliche Bewegung, die sich auch bereits vor der Corona-Krise im Personalmarkt zu spiegeln begann: In dem zuletzt eher stabilen Kanzleisegment für Kredite und Akquisitionsfinanzierungen setzte sich dies in mehr Unruhe und Unsicherheit als vor einem Jahr um. Das nutzen Praxisgruppen wie Ashurst mit einem Partnerzugang von Shearman & Sterling bereits, um Lücken zu schließen. Ein Partner von Noerr wagte in dieser Bewegung den auf dem Markt vielbeachteten Schritt auf die Kreditgeber-Inhouse-Seite. Sicher ist jedenfalls auch, dass das Finanzierungsrecht trotz hoher Liquidität auf beiden Marktseiten ein gefragtes Thema bleibt.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Banken u. Unternehmen zu allen Formen der privatwirtschaftlichen Fremdfinanzierung beraten, auch zu von Private-Equity-Häusern initiierten Transaktionen. Die Themen Immobilien- und Projektfinanzierungen sind in den Kapiteln Immobilien- und Baurecht und Energiewirtschaftsrecht erfasst.

JUVE Kanzlei des Jahres für Bank- und Finanzrecht

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