JUVE Kanzlei des Jahres

M&A

Transaktionsmarkt vor dem Umbruch

Wenige Beratungsfelder waren von der Corona-Krise so direkt betroffen wie Transaktionen. Als die ersten Ausgangssperren verhängt wurden, stoppten viele Mandanten alle weiteren M&A-Pläne. Bereits angeschobene Projekte sorgten noch eine Weile lang für Grundauslastung, aber anders als etwa in den Arbeitsrechts- oder Restrukturierungspraxen war von Hochkonjunktur in M&A keine Rede. Als dann über den Sommer doch eine Reihe von Großprojekten weiterlief, so etwa das Übernahmeangebot von Siemens Healthineers für den US-Wettbewerber Varian, profitierten davon vor allem Kanzleien, die sich in den vergangenen Jahren rechtzeitig und ohne falsche Bescheidenheit mit Leistungsträgern verstärkt hatten, allen voran Latham & Watkins. Was die absehbaren Trends zu Tochterfirmen- und Spartenverkäufen oder Distressed-Deals angeht, können sich nicht alle Kanzleien auf eine so starke Basis von Stammmandanten verlassen wie die Marktführer, die gerade jetzt noch dazu von der allseits bemerkten „Flight to Quality“ profitieren. Viele Kanzleien, die mit magereren Zeiten rechnen, warten darum erst einmal ab, wie nachhaltig sich die Krise in den Bilanzen der Transaktionspraxen bemerkbar machen wird.

Der Effizientere gewinnt

Tief greifende Veränderungen oder Expansion stand daher nur bei wenigen Kanzleien auf der Agenda. Einige Sozietäten sind allerdings aus anderen Gründen im Umbruch, die teils eher mit Veränderungen innerhalb der internationalen Mutterkanzleien zu tun haben als mit spezifisch deutschen Gegebenheiten. So ist etwa Cleary Gottlieb Steen & Hamilton nicht nur hierzulande, sondern auch in den USA auf Konsolidierungskurs, während Baker & McKenzie und PricewaterhouseCoopers Legal konsequenter als bisher auf anspruchsvollere Großprojekte mit grenzüberschreitendem Radius setzen und dafür nötigenfalls auch Personalverluste in Kauf nehmen. Am Ende ist dies eine weitere Spielart der Verschlankung und Fokussierung, die Kanzleien wie Clifford Chance oder White & Case schon vor Jahren angestoßen und teils unter erheblichen Schmerzen, aber am Ende erfolgreich umgesetzt haben. Kompliziert wird die Lage allerdings dadurch, dass die aktuellen Umstrukturierungen nun in einer Situation stattfinden, in der die Einnahmeseite der Bilanz voller Fragezeichen steht.

Die Krise nutzen

Von daher überraschte es wenig, dass sich das Personalkarussell deutlich langsamer drehte als in den Vorjahren. Zuletzt nutzten eher Kanzleien, die jahrelang vorsichtig bei der Aufnahme von Quereinsteigern gewesen waren, die Gunst der Stunde, so etwa SZA Schilling Zutt & Anschütz, die gleich zwei angesehene Partner von Cleary Gottlieb Steen & Hamilton und CMS Hasche Sigle holte, oder Heuking Kühn Lüer Wojtek, die einen der bekanntesten Transaktionspartner von Görg samt Team an Bord nahm. Expansiv wie nie zeigten sich nur Willkie Farr & Gallagher, die neben Neuzugängen in anderen Praxen auch M&A- und Private-Equity-Spezialisten von Weil Gotshal & Manges und Herbert Smith Freehills rekrutierte, und Lupp + Partner mit mehreren Neuzugängen.

Energischer als bisher machen sich zugleich etliche Kanzleien daran, das zu tun, was die großen Rechtsabteilungen schon seit mehreren Jahren umsetzen: die eigene Effizienz zu durchleuchten, Kosten zu senken und die Automatisierung von Standardaufgaben voranzutreiben – eine Tendenz, die den Transaktionsmarkt in den kommenden Jahren weiter prägen dürfte.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die zum Kauf oder Verkauf von Vermögenswerten (Asset-Deals) oder Anteilen (Share-Deals) eines Unternehmens beraten und das Transaktionsmanagement übernehmen. Verschmelzungen und Fusionen sind im Kapitel Gesellschaftsrecht erfasst. Berater von Private-Equity-Häusern zu Käufen und Verkäufen finden sich im Kapitel Private Equity und Venture Capital. Eine Auswahl oft empfohlener Notare ist im Kapitel Notariat aufgeführt, Spezialisten für Investitionskontrolle im Kapitel Außenhandel


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