JUVE Kanzlei des Jahres

Nachfolge/Vermögen/Stiftungen

Corona als Treiber für Nachfolgegestaltungen

Seit 1999 hat sich sowohl die Zahl der Millionäre als auch das weltweite Privatvermögen verdreifacht, schreibt die Unternehmensberatung Boston Consulting Group in ihrem Global Wealth Report. Corona stoppt nun diese Entwicklung: Während das weltweite Privatvermögen währungsbereinigt 2019 noch einmal um 9,6 % zulegte und damit den größten Anstieg seit 15 Jahren verzeichnete, rechnen die Berater für 2020 nur noch mit einem Wachstum zwischen 1,4 und 4,5 %. Für die Anwälte in Deutschland heißt dies jedoch nicht, dass die Arbeit nun weniger wird.

Alle Kanzleien berichten, dass Corona die Nachfrage nach der Gestaltung von Testamenten, Vorsorgevollmachten oder Patientenverfügungen sogar gesteigert habe. Die gefühlt unmittelbarer gewordene Konfrontation mit dem Tod habe viele, insbesondere ältere Hochvermögende dazu bewogen, z.T. lange vor sich her geschobene Verfügungen endlich abschließen zu wollen. Hinzu kommt, dass der durch die Pandemie teilweise kräftig gesunkene Wert unternehmerischer Beteiligungen oder sonstiger Vermögenswerte dazu führen könnte, Vermögensübertragungen schneller anzugehen als geplant, um steuerliche Bewertungsvorteile zu nutzen. Andererseits macht die Corona-Krise die Fortführung von Unternehmen etwa mit Blick auf die erbschaftsteuerliche Lohnsummenregelung herausfordernder.

Insofern ist es fast zwingend, dass sich ein Trend der vergangenen Jahre nochmals verschärft hat: Es scheint praktisch keine Nachfolgestruktur mehr vorstellbar, in der die Übertragung auf eine Familienstiftung nicht wenigstens angedacht wird. Gleichzeitig wartet die Beraterszene fast sehnsüchtig auf die seit Längerem angekündigte Stiftungsreform, die diesem Rechtsinstrument weiter Auftrieb verleihen könnte.

Stiftungs- und Streitkompetenz gefragt

Für Rechts- und Steuerberater bedeutet das, vorbereitet zu sein. Vor allem Kanzleien mit traditionell starker Stiftungskompetenz wie Flick Gocke Schaumburg, P+P Pöllath + Partners oder Beiten Burkhardt könnten hier kurzzeitig im Vorteil sein.

Unabhängig davon zeigen sich zwei weitere Trends: Zum Einen wächst der Anteil streitiger erb- und gesellschaftsrechtlicher Mandate weiter, was Kanzleien mit engen Verbindungen zu milliardenschweren Familienstämmen wie Hengeler Mueller, SZA Schilling Zutt & Anschütz, CMS Hasche Sigle oder Noerr vermehrt in die Schlagzeilen bringt. Zum Zweiten entwickelt sich die Beratung von Testamentsvollstreckern bezüglich rechtlich komplexer oder verwaltungsintensiver Nachlässe zu einem eigenen Beratungsfeld. Hier sind die führenden Kanzleien ebenso gefragt wie die, die seit Längerem mit innovativen Lösungen auftreten. So hat Beiten Burkhardt jüngst eine Abteilung für Nachlassabwicklung aufgebaut, während Rittershaus in der breit angelegten Testamentsvollstreckung ein neues Geschäftsfeld ausgemacht hat.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Familienunternehmen und -unternehmer sowie vermögende Privatpersonen (High Net Worth Individuals (HNI) oder Ultra High Net Worth Individuals (UHNI), bei Vermögen ab €100 Mio) zu Unternehmensnachfolgeregelung, Verwaltung und Weitergabe der Vermögen, etwa durch Stiftungslösungen beraten. Zentral ist dabei das Steuerrecht, aber auch Gesellschaftsrecht u. Transaktionen (M&A, Private Equity), Erb-, Familien- u. Kunstrecht, Stiftungsrecht u. Testamentsvollstreckung spielen eine Rolle. Rein steuerlich ausgerichtete Kanzleien werden nicht hier, sondern im JUVE Handbuch Steuern besprochen.


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