JUVE Kanzlei des Jahres

Vergaberecht

Konjunktur für Vergaberechtler

Die Bestimmungen zum Umgang mit der Corona-Krise bedeuteten für Vergaberechtler zusätzliche Beratungsmandate, und zwar keineswegs auf den Gesundheitssektor beschränkt. Auf Bundesebene und für einige Landesbehörden und -ministerien waren Beschaffungsmandate oft mit hohen Volumina verbunden und zum Teil politisch brisant. Aber auch bei Kommunen u. kleineren Krankenhäusern gab es zahlreiche kleinteiligere Mandate, z.B. zur Vergütung von Bus-, Catering- oder Reinigungsunternehmen bei der zeitweisen Aussetzung des Schulbetriebs. Auch wenn die Vergabekammern für einige Wochen teils den Betrieb einstellten und viele Oberlandesgerichte nur wenige, besonders wichtige Verfahren führten, nahmen die öffentlichen Auftraggeber nach nur wenigen Wochen ihre Auftragsvergaben in gewohntem Umfang wieder auf.

Zu den wichtigsten Urteilen in der Corona-Krise gehörte die Entscheidung des Kammergerichts Berlin zur großvolumigen Straßenbahnbeschaffung der BVG. Den Angriff der Bird & Bird-Mandantin Alstom parierte Müller-Wrede & Partner, die vom Aufsichtsrat der BVG kurzfristig hinzugezogen wurde. Die umfassende Begleitung des Auftrags liegt bei Luther. Müller-Wrede & Partner war es auch, die die brisanten Vergaben des Bundes, sowohl zur Beschaffung von Masken in China als auch zum Aufbau der heimischen Produktion von Masken für die medizinische Anwendung, begleitete.

Öffentliche Auftraggeber investieren in IT

Unabhängig von Corona war es für Vergaberechtler ein wirtschaftlich florierendes Jahr. Denn die anhaltende Digitalisierungs- u. IT-Modernisierungswelle der öffentlichen Hand, auch im Zusammenhang mit geförderten Projekten, sorgt für zahlreiche komplexe Beratungsmandate. Auftraggeber wie Bieter vertrauen dabei Kanzleien, die eine eingespielte, integrierte Beratung mit IT-Rechtlern, Datenschutzexperten u. Vertragsrechtlern verkörpern. Eine zusätzliche Branchenexpertise im Gesundheitswesen oder Verteidigungssektor trägt ebenfalls häufig zum Erfolg bei. Diesen hatten zuletzt durch ihre glaubhafte Erfahrung u. eingespielte Beratung beispielsweise Beiten Burkhardt, Bird & Bird, Dentons, Esch Bahner Lisch, SKW Schwarz.

Für viele Diskussionen im Markt sorgten die Projekte des Bundesverkehrsministeriums. So erstellte Linklaters ein viel beachtetes Gutachten über die Kündigung der Verträge zur Pkw-Maut. Für die Umstrukturierung der Bundesautobahn- und Bundesfernstraßenverwaltung in eine neue Infrastrukturgesellschaft zog das Bundesverkehrsministerium auf Beraterseite Beiten Burkhardt hinzu. Künftig liegen Planung, Bau und Betrieb von Autobahnen und Bundesstraßen in der Hand der neuen Autobahnzentrale. Inwiefern dies die Mandatierung der Kanzleien verändert, wird sich zeigen. Im vergangenen Jahr überraschte das Bundesverkehrsministerium bei der Pkw-Maut mit dem Beraterwechsel von Greenberg Traurig zu PricewaterhouseCoopers Legal und wieder zurück.

PricewaterhouseCoopers Legal ist auch die Kanzlei, welche einen überraschenden Umbruch an der Spitze ihres Vergaberechtsteams verkündete. So verließ der renommierte Dr. Friedrich Hausmann nach einem wechselvollen Jahr im Sommer das große Team und zog weiter zu GSK Stockmann. Jedoch bietet sich nun jüngeren Partnern die Chance, stärker im Markt wahrgenommen zu werden.

Zum Jahreswechsel 2020 verkündete die Top-Vergaberechtspraxis von Heuking Kühn Lüer Wojtek die überraschende Zahl von drei neu ernannten Equity-Partnern auf einen Schlag im Düsseldorfer Büro: ein Symbol für den höchst erfolgreichen Mandatsaufbau in der Praxis um Dr. Ute Jasper, mit dem aber auch frühzeitig ein Generationswechsel eingeleitet werden könnte.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Auftraggeber und/oder Bieter in Vergabeverfahren beraten. Enge inhaltliche Bezüge ergeben sich zu den Kapiteln Immobilien- und Baurecht, Umwelt- und Planungsrecht und Regulierte Industrien.


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