JUVE Kanzlei des Jahres

Private Equity und Venture Capital

Kalte Dusche für Investoren

Nach der Überhitzung der Märkte in den Vorjahren folgte im Frühjahr die kalte Dusche: Der Corona-Lockdown brachte naturgemäß auch den gesamten Transaktionsmarkt zum Stillstand. Kurz zuvor verkaufte die Industrieikone Thyssenkrupp noch ihre Aufzugssparte an ein Verkäuferkonsortium aus Advent und Cinven, den Staatsfonds von Abu Dhabi und die Essener RAG-Stiftung.

Die Liste der an diesem Large-Cap-Deal beteiligten Kanzleien liest sich wie das Who’s who der derzeit gefragtesten Einheiten: Milbank, Latham & Watkins, Linklaters, Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller – und immer wieder Kirkland & Ellis. Deren Präsenz im Private-Equity-Geschäft ist weiterhin ungebrochen hoch, und das obwohl sich der bekannte Partner Dr. Jörg Kirchner Anfang des Jahres aus der Partnerschaft zurückzog.

Eine einzelne Kanzlei als unumstrittenen Marktführer sucht man dennoch vergebens. Dass sich die Rollen derart gefestigt haben, liegt womöglich auch an dem Lockdown im Frühjahr. Ob der Erfolg der derzeitigen Gruppe führender Kanzleien aber dauerhaft ist, hängt unter anderem davon ab, ob andere Kanzleien die grenzüberschreitenden Mandantenbeziehungen ebenso gut für sich zu nutzen wissen wie die Marktführer. Gerade in den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass US-Kanzleien dabei erfolgreicher sind als ihre Wettbewerber aus Großbritannien.

Aufsehenerregende Personalwechsel in der Private-Equity-Beraterszene waren zuletzt selten. Einer davon war allerdings ein Zugang bei Willkie Farr & Gallagher: Sie gewann mit Dr. Kamyar Abrar einen der stärksten jüngeren Partner von Weil Gotshal & Manges.

Viele kleine Tickets

Im Venture Capital interessierten sich weiterhin zunehmend Private-Equity-Investoren für Risikokapitalinvestments. Doch auch bei diesem Engagemant gibt es eine Vor- und eine Nach-Corona-Zeit: Die Zeit der ganz großen Investitionen in Start-ups scheint zunächst vorbei zu sein, und die größeren Exits blieben ebenfalls aus. Viele Start-ups, auch die Einhörner unter ihnen, begnügten sich mit kleineren Tickets oder Anschlussfinanzierungsrunden zu einer vor Corona festgelegten Unternehmensbewertung. Zwar stieg trotz des Krisenmodus die Anzahl der Finanzierungsrunden, die Volumina blieben jedoch hinter denen der Vorjahre erst einmal zurück. Nun springt teilweise der Staat als Investor ein, unter anderem durch die KfW-Corona-Matching-Fazilität.

Die Kanzleien blieben auch in diesem ungewöhnlichen Marktumfeld weitgehend bei ihren angestammten Rollen: Die Berliner Einheit Vogel Heerma Waitz steht wie keine andere für die Beratung von Start-ups im Zentrum der Berliner Venture-Capital-Szene. Breit aufgestellte Kanzleien wie Taylor Wessing, Osborne Clarke oder Noerr agieren mit ihrer facettenreichen Arbeit für Gründer und Investoren hingegen weit über die Hauptstadtgrenzen hinweg.

Ebenfalls über Berlin hinaus wird eine Personalie wirken: Dr. Peter Möllmann, einer der Gründungspartner von Schnittker Möllmann Partners, verließ im Sommer 2020 die Kanzlei, um sich mit seiner neuen Einheit PXR Legal selbstständig zu machen. Da er ein wesentlicher Baustein des Erfolgs der Kanzlei war, sind viele Wettbewerber gespannt, ob und wenn ja, wie die Machtverhältnisse im Berliner Venture-Capital-Markt sich verschieben.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die bei Transaktionen von und mit Private-Equity (PE)-Investoren und anderen Kapitalbeteiligungsgesellschaften beraten. Kanzleien mit Fokus auf große (Large-Cap-) und mittelgroße (Mid-Cap-) Transaktionen sind in jeweils eigenen Übersichten aufgeführt. Die Beratung zur Fondsgestaltung ist im Kapitel Investmentfonds und Asset-Management erfasst, die Beratung zur Fremdfinanzierung von PE-Deals im Kapitel Kredite und Akquisitionsfinanzierung. Eine weitere Übersicht erfasst Kanzleien, die bei Venture-Capital (VC)-Finanzierungen beraten. Dazu zählen Investitionen zu Beginn einer Unternehmensentwicklung (Start-up oder Seed Capital) ebenso wie weitere Finanzierungsrunden und das Ende des Investments.


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