JUVE Kanzlei des Jahres

Energiewirtschaftsrecht

Kurz vor der Zeitenwende

Der staatliche Klimaschutz fordert erste Opfer: Die Bundesregierung einigte sich mit RWE, der Lausitz Energie Bergbau (Leag) und ihrer Eigentümerin EPH auf einen öffentlich-rechtlichen Vertrag, der den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung besiegelt. Während die Existenz der Leag auf dem Spiel steht, will RWE sich zum Großerzeuger erneuerbarer Energien wandeln.

Ein solcher Umbruch steht auch den großen Öl- und Gaskonzernen bevor: Nach dem Corona-bedingten Ölpreiseinbruch steht ihr Geschäft mehr denn je auf der Kippe. Für die Übernahme des niederländischen Grünstromerzeugers Eneco wurde die britisch-niederländische Shell gehandelt. Den Zuschlag erhielt allerdings die japanische Mitsubishi.

Auch regulatorisch zeichnet sich für die Nutzung und die Emission fossiler Energien eine andere Gangart ab. Die energieintensive Industrie freute sich im Vorjahr noch, als der Europäische Gerichtshof dem EEG attestierte, beihilfekonform zu sein. Mittlerweile hat die Bundesregierung beschlossen, den CO2-Preis bis 2025 schrittweise zu erhöhen – und zwingt die Industrie so, ihre Stromversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Der langfristige Energievertrag zwischen Ørsted und Covestro weist den Weg.

Auch die EU-Kommission mischt mit: Sie will in den kommenden 30 Jahren helfen, mit Investitionen von 470 Milliarden Euro den Ausbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft anzuschieben. Grünstromerzeuger sollen zu Wasserstoffproduzenten werden und Pipelinesysteme sollen das Gas zur energieintensiven Industrie und zum Verbraucher transportieren. Der Bund fördert Wasserstoffprojekte im Rahmen von Ideenwettbewerben, die er „Reallabore der Energiewende“ nennt.

Transaktionen und Großprojekte

Wasserstoffprojekte, wie die Reallaborserie des Bundes, beschäftigen schon heute zahlreiche Kanzleien. Neben Großkanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer sind vor allem kleinere Einheiten wie AssmannPeiffer, Posser Spieth Wolfers & Partners und auch Rosin Büdenbender von der Partie. Letztere ist ein Zusammenschluss namhafter Energieexperten, die zum Großteil von White & Case kommen. Die Neugründung der auf regulatorische Hochreckberatung spezialisierten Boutique sorgte gleich für Aufsehen im Markt. Die Regulierungsspezialisten dürften nun auch für andere Mandanten wie etwa Stadtwerke interessant sein, weil sie diese frei von Interessenkonflikten und zu weniger von Profitabilität dominierten Stundensätzen beraten kann.

Für diese Mandantengruppe und auf diesem Niveau ist auch Raue tätig, die zuletzt vor allem mit ihren Prozessmandaten glänzte. Auch PricewaterhouseCoopers Legal musste Abgänge hinnehmen. Die einst starke Sektorpraxis verlor zwei bekannte Partner und zahlreiche weitere Juristen an Wettbewerberin EY Law. PricewaterhouseCoopers Legal steht nun vor einem Neuaufbau ihrer Praxis, der sich mehr an Großkanzleien und deren Transaktions- und Projektgeschäft orientieren soll.

Auch andere Full-Service-Kanzleien versuchen sich seit geraumer Zeit am Aufbau einer funktionierenden Transaktionspraxis im Energiesektor, kommen allerdings über kleinere Dealmandate bislang nur selten hinaus. Die Beratung des Finanzinvestors Ardian durch Görg beim Einstieg bei EWE dürfte eine Ausnahme bleiben, denn Finanzinvestoren und selbst Stadtwerkegesellschaften setzen bei Transaktionen im Energiesektor bevorzugt auf die etablierten Großkanzleien. Auffällig war hier zuletzt die Dominanz von Linklaters und Clifford Chance, die in alle großen Deals eingebunden waren und zum Teil mehrere Bieter gleichzeitig vertraten.

Die folgenden Kanzleien behandeln Kanzleien, die die Energiebranche in mehr als einem relevanten Rechtsgebiet beraten, dazu gehören Gesellschaftsrecht, M&A, Bank- und Finanzrecht, Kartellrecht, Öffentl. Sektor und Immobilien- und Baurecht.


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