Informationstechnologie

Datenschätze heben

Jedes Unternehmen verfügt über mehr oder weniger große Datenmengen, und immer mehr von ihnen versuchen, diese Daten zu monetarisieren. So entstehen neue digitale Produkte, oft mithilfe von Robotik und/oder künstlicher Intelligenz. Automobilhersteller und ihre Zulieferer beschäftigen sich etwa mit dem Thema Connected Car, Transportunternehmen mit Drohnen, um nur einige zu nennen. Manches im Ursprung klassische Industrieunternehmen tut sich dazu mit einem digitalen Unternehmen zusammen, zum Beispiel durch Übernahmen oder die Gründung eines Joint Ventures. Wer bei Letzterem dann die Hoheit über die Daten behält, ist eine der entscheidenden Verhandlungsfragen.

Suchten Mandanten also früher reine IT-Vertragsspezialisten in den Kanzleien, verlangen sie heute nach einer Rundumberatung im Digitalisierungsprojekt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung ist häufig eine Auslagerung in die Cloud sowie das Einkaufen von Rechenleistungen und Anwendungssoftware als Dienstleistung. Große Outsourcings, wie zuletzt das von Bayer, sind zwar längst nicht mehr so häufig wie früher, kleinere Outsourcing oder Outsourcings der sogenannten Second Generation durchaus. Lizenzierungen mit SAP und Microsoft gehören zum Alltag.

Weitsicht hat sich gelohnt

Zum Kerngeschäft vieler IT-Praxen in den Kanzleien – vor allem der großen und stark transaktionsgetriebenen Einheiten – zählen Deals, in denen die IT- und Datenschutzspezialisten in den vergangenen Jahren deutlicher in den Mittelpunkt gerückt sind. Allerdings hängen hier die TMT-Praxen so stark am Konjunkturgeschehen wie sonst praktisch nie. Die Auswirkungen von Corona bekamen sie entsprechend zu spüren. Wer sich hingegen früh die Beratung zur Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben hat, konnte nun fehlende Deals locker kompensieren.

Fragen der Digitalisierung und der Monetarisierung von vorhandenen Daten hängen zwangsläufig mit dem Datenschutz zusammen. Im Vorteil sind entsprechend die Kanzleien, die das Thema rechtzeitig als relevantes Geschäftsfeld für sich erkannt haben. Die Beratung zum Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 hat vielen die Türen für weitere Mandate – v.a. zur Digitalisierung – aufgestoßen. Anwälte sind damit direkt in Entscheidungen involviert, die den Geschäftserfolg ihrer Mandanten künftig wesentlich bestimmen. Dabei schlug häufig die Stunde der kleinen Kanzleien. Eindrucksvoll bestätigte das Schürmann Rosenthal Dreyer. Es war die kleine Berliner Einheit, die sich das Robert Koch-Institut für die datenschutzrechtlichen Fragen der Corona-App an die Seite holte. Auch Osborne Clarke stach hervor als diejenige, die die Digitalisierung für sich als Kanzlei und gleichzeitig für die Mandanten überzeugend in Angriff nahm, etwa in Form einer umfassenden Plattform mit diversen Beratungstools.

Gut ausgelastete Berater

Auch kompakter aufgestellte Spezialisten wie KNPZ Rechtsanwälte waren weiter gefragt, genauso wie JBB Rechtsanwälte als Allrounder für die Digitalisierung der Medienbranche. Vogel & Partner ging das Problem, bei Nachwuchsfragen nur schwer gegen die großen Einheiten bestehen zu können, auf ganz eigene Weise an: Die Karlsruher Kanzlei gründete ein Legal Lab direkt neben der Hochschule und bindet nun bereits Jurastudenten in die Kanzleiarbeit ein. Als eine seit Jahren am Markt anerkannte Boutique sorgte SSW für Aufsehen, als sie sich aufspaltete, die IT-rechtliche Kompetenz liegt nun bei CSW, zugleich verlor sie dadurch aber auch 2 junge Partner an die andere neue Einheit, Witzel Erb Backu & Partner.

Ein anderes Konzept verfolgen die klassischen Mittelstandsberater wie SKW Schwarz, Luther, Heuking Kühn Lüer Wojtek und Heussen. Sie können nominell mit größeren Kapazitäten aufwarten und setzen mit Erfolg darauf, dass ihre oft langjährige Mandantenbeziehung sie auch bei Daten- und Digitalisierungsfragen ins Spiel bringen. Transaktionen dagegen spielen vor allem dort eine Rolle, wo sie zum Kerngeschäft der Kanzlei gehören, wie etwa bei Freshfields Bruckhaus Deringer, Latham & Watkins, White & Case oder auch CMS Hasche Sigle.

Personell waren die Zeiten übrigens selten so ruhig wie zuletzt: Schon vor Corona gab es praktisch keine Partnerwechsel. Der Grund: Die gut ausgelasteten Berater sahen schlicht keine Notwendigkeit, sich umzuorientieren.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die im IT-Recht (Systemimplementierung, Softwarelizenz- u. -entwicklungsverträge) beraten und vertreten, bei denen aber auch Datenschutz, IT-Sicherheit und IT-Vergabe eine Rolle spielen. Ein weiteres zentrales Beratungsfeld sind Transaktionen, darunter Outsourcings und die Auslagerung einzelner Geschäftsprozesse (Business Process Outsourcing). Die jeweiligen Schwerpunkte sind in separaten tabellarischen Übersichten dargestellt. Kanzleien, die das Thema Datenschutz in einem breiteren Kontext abdecken, finden sich auch im Kapitel Compliance-Untersuchungen. Regelmäßig stellen sich auch Fragen des Marken- und Wettbewerbs- sowie des Vertriebsrechts.

JUVE Kanzlei des Jahres für IT und Datenschutz

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