Unternehmensbezogene Beratung von Versicherern

Fahren nur auf Sicht

Anders als in den Vorjahren standen Transaktionen zum Run-off von Versicherungsbeständen zuletzt auf dem Abstellgleis, denn Entscheidungen zu weiteren Verkäufen blieben aus. Das Niedrigzinsumfeld ist inzwischen selbst für die potenziellen Aufkäufer ein Hemmschuh, weil deren Geschäftsmodell in diesem anhaltenden Szenario an Attraktivität verliert. Zudem hat der zugkräftigste Interessent, Viridium, mit Beständen von rund 4,5 Millionen Verträgen gut mit deren Integration zu tun und hält sich deshalb zurück, weitere Portfolios anzukoppeln. Tatsächlich bestimmt also der größte potenzielle Erwerber maßgeblich das Geschehen.

Dagegen steht das Signal bei Transaktionen zur Kapitalanlage grundsätzlich auf Grün – selbst wenn die wirtschaftliche Entwicklung in Corona-Zeiten schwer abzusehen ist und Bewertungen in vielen Fällen schwierig zu treffen sind, denn bei Kapitalsammelstellen wie den Versicherern laufen weiter monatlich Mittel auf, die die Vermögensverwalter einträglich investieren müssen. Zurückhaltung herrschte auch bei klassischen Unternehmenstransaktionen im Versicherungssektor, unter denen zuletzt vor allem der Zusammenschluss von Provinzial NordWest und Provinzial Rheinland auffiel. Bei Redaktionsschluss standen weitere Projekte auf dem Gleis, die aber noch keine Fahrt aufgenommen hatten.

Unvermindert weiter liefen dagegen Projekte zur Struktur von Versicherern, Versorgungskassen und Pensionsfonds sowie von Vertriebswegen, etwa über Banken oder Onlinedienste. In einigen Bereichen sorgten die vorbeugenden Maßnahmen gegen Corona-Infektionen zudem für neues Beratungsgeschäft, etwa zum Vertragsverhältnis zwischen Erst- und Rückversicherern bei Betriebsschließungs- und -unterbrechungspolicen. Darüber hinaus warfen die Insolvenz von Thomas Cook und die absehbaren Turbulenzen bei weiteren Reiseveranstaltern bei den Versicherern, die Kundengelder garantieren, auch bislang offene Fragen bezüglich der Haftungsbegrenzung von €110 Millionen auf.

Pause blieb aus

Die Zurückhaltung auf dem Markt für Run-offs bedeutet für die marktbestimmenden Praxen von ?Freshfields Bruckhaus Deringer, ?Hengeler Mueller und ?Allen & Overy jedoch keine Verschnaufpause. Alle drei sind in verschiedenen branchenprägenden Angelegenheiten tätig, ?Hengeler Mueller etwa in der Provinzial-Fusion. Auch ?Hogan Lovells‘ Versicherungsexperten waren zuletzt stärker in solch bedeutsame Mandate eingebunden. Eine neue Seite schlug unterdessen die Praxis von ?Gleiss Lutz auf, die nun ein Aufsichts- und ein M&A-Spezialist als neue Doppelspitze führen.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die Versicherer bei Umstrukturierungen, Geschäftsaufbau oder Transaktionen beraten und über entsprechende Beratung mit dem Aufsichtsrecht der Branche verfügen.

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