JUVE Kanzlei des Jahres

Vertriebssysteme

Corona: Fluch und Segen für den Handel

Produktionsstopps, Lieferverzögerungen, Werks- oder Geschäftsschließungen: Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus führten im Frühjahr 2020 in fast jeder Branche zu massiven Verwerfungen. Gleichzeitig beschleunigte das Virus den Umbruch, in dem sich der Handel durch die zunehmende Digitalisierung ohnehin seit Jahren befindet. Selbst Unternehmen, die bisher vor allem auf den stationären Verkauf setzten, stellten im Hauruckverfahren ihren Absatz auf E-Commerce um und Hersteller trieben den Direktvertrieb weiter voran. Durch diese Entwicklung rücken die Themen Datensicherheit und -nutzung zunehmend in den Vordergrund, neue Zahlungsarten werfen neue Fragen auf.

An anderer Stelle rücken Marktteilnehmer – nicht nur Corona-bedingt – enger zusammen. Vor allem in der Automobilbranche kommt es bei den zeit- und kostenintensiven Projekten zu E-Mobilität und autonomem Fahren verstärkt zur Zusammenarbeit. Mit Spannung wird daher im Automobilsektor, aber auch in der gesamten übrigen Handelsbranche, die Reform der Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung erwartet, deren aktuelle Fassung im Mai 2022 ausläuft. Aktuell arbeitet die EU-Kommission an einer Neufassung, und Vertriebsrechtler befürchten eine Verschärfung der Regeln für die Gruppenfreistellung. „Das würde dem Selektivvertrieb den Garaus machen“, sagt ein Anwalt.

Komplexe Fragen erzwingen noch mehr Vernetzung

Die massive Digitalisierungswelle fordert von den Vertriebsrechtlern ein immer vernetzteres Arbeiten, insbesondere an den Schnittstellen zu IT-, IP- und Kartellrecht. Dabei haben sich Kanzleien wie Gleiss Lutz mit ihrer starken kartellrechtlichen Ausrichtung, IP-Boutiquen wie Lubberger Lehment oder die für Datenschutz bekannten Kanzleien Osborne Clarke und DLA Piper bereits gut positioniert. Doch Corona wirft darüber hinaus zahlreiche neue Fragen auf, die Vernetzungen zu Fachgebieten fordern, die bisher im Vertriebsrecht eine untergeordnete Rolle spielten. Vor allem die breit aufgestellten Vertriebsrechtspraxen wie Noerr, CMS Hasche Sigle oder Eversheds Sutherland zeigten sich von Beginn der Krise an gut gewappnet, auf die vielfältigen Fragen zu reagieren. Und auch Kanzleien mit einer ausgeprägten medizinrechtlichen Kompetenz, allen voran Clifford Chance, hatten einen entscheidenden Vorteil, z.B. bei Themen wie der Produktionsumstellung auf Masken und Medizingeräte. Zudem können Kanzleien mit einer engen Verknüpfung zur regulatorischen Kompetenz wie Hogan Lovells punkten.

Infolge von Corona erwarten viele Vertriebsrechtler einen Anstieg gerichtlicher Auseinandersetzungen, insbesondere zu Haftungsfragen. Da sind vor allem die Teams gut aufgestellt, die eine starke prozessrechtliche Kompetenz aufweisen, wie Haver & Mailänder, Bird & Bird sowie die durch das VW-Mandat erfahrenen Anwälte von Freshfields Bruckhaus Deringer.

Die folgenden Bewertungen behandeln Kanzleien, die zu Vereinbarungen innerhalb der Lieferkette und anderen unternehmerischen Kooperationen, etwa Handelsvertreter-, Vertragshändler-, Direkt-, Strukturvertriebs-, Vertriebskartell- u. Lizenzrecht sowie Franchising, beraten. Spezialisten für streitige und Schiedsverfahren finden sich im Kapitel Konfliktlösung.


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