KOMMENTAR ZU COMPLIANCE: WER ES ERNST MEINT, MUSS VIEL INVESTIEREN

Bilfinger hat viel Lehrgeld bezahlt. Rund 180 Millionen Euro hat das Unternehmen bislang in die Überarbeitung seiner Compliancestrukturen investiert. Es hat – nach vielem Hin und Her – seine Führungsriege ausgetauscht, die Konzernstruktur überarbeitet und Ex-FBI-Direktor Louis Freeh als Berater engagiert. Wenn der Compliance-Monitor Mark Livschitz Ende 2018 das Unternehmen verlässt, liegen fünf Jahre harter Arbeit hinter Bilfinger. Die haben sich gelohnt. Weil das Geschäftsmodell sich geändert hat. Weil das Compliancesystem nun zu den besten in Deutschland zählen dürfte. Und weil sich Bilfinger rein gewaschen hat. Das hätte der Konzern alles viel früher haben können.

Denn zunächst nahm man in Mannheim den Compliance-Monitor nicht so richtig ernst. Die Umsetzung der Forderungen war halbherzig, der Aufseher unzufrieden. Das Monitorship ging in die Verlängerung.

Erst der Neustart auf Führungsebene sorgte für neue Impulse. Inzwischen sieht Bilfinger das Monitorship nicht mehr als notwendiges Übel, sondern als echte Chance. Mit seinem neuen Ruf als rechtschaffendes Unternehmen will der Konzern bessere Geschäfte machen. Immerhin: Seit einigen Monaten hat es bei Bilfinger keine systemischen Vergehen mehr gegeben.

Der Fisch stinkt also vom Kopf her. Soll heißen: Erst wenn das oberste Management die Einhaltung von Compliance ernst nimmt und glaubhaft unterstützt, reagieren auch die Mitarbeiter. Und nur wenn Compliance fester Bestandteil der Unternehmenskultur ist, kann auch das Compliancesystem wirken. Denn was nutzt das beste System, wenn es nur halbherzig benutzt wird?

Was Bilfinger geschafft hat, hat Volkswagen noch vor sich. Der Dieselskandal zeigt, dass es in Wolfsburg keine Kultur der Compliance gab. Denn das ineffektive Compliancesystem versagte phänomenal. Ein Management, das von seinen Mitarbeitern stets Höchstleistungen fordert und diese mit Boni verknüpft, gleichzeitig aber Wege abseits des Rechts nicht sperrt, fördert Gesetzesbrüche.

Auf einen konsequenten Neuanfang an der Spitze des Konzerns hat VW verzichtet, auf ein klares Zeichen von Einsicht hierzulande bislang auch weitgehend. Bleibt zu hoffen, dass der Konzern seinen Monitor Larry Thompson ernster nimmt als sein bisheriges Compliancesystem. Und das von Anfang an. Weil sich der Konzern nur so rehabilitieren kann. Und weil der neue Chief Compliance Officer nur dann Erfolg haben kann. (Christin Stender)

Die meisten führenden britischen Wirtschaftskanzleien haben neue, preiswerte Büros außerhalb von London eingerichtet. ­Ursprünglich waren sie für unterstützende Aufgaben gedacht, doch nun wächst die Menge juristischer Arbeit dort rasch. Dabei spielen nicht nur Kostenersparnisse eine Rolle. Es zeichnet sich auch eine neue Kultur ab, die die Gesamtkanzlei anstecken kann.

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Anup Kollanethu

Freshfields Bruckhaus Deringer und Latham & Watkins in Manchester, Ashurst in Glasgow, Herbert Smith Freehills in Belfast – der Trend begann schlicht als Maßnahme zur Kostensenkung. Miete und Gehälter wuchsen in London in schwindelerregende Höhen, so war es ein logischer Schritt, Sekretariatsarbeiten und weitere unterstützende Tätigkeiten wie Marketing und IT aus der Hauptstadt in kostengünstigere Stand­orte zu verlegen. Niemand will wirklich sagen, welche Summen konkret im Raum stehen, aber die Londoner Branchenpresse geht von 30 bis 40 Prozent Gehaltseinsparungen aus. Hinzu kommen noch die günstigeren Immobilienpreise.

Wären diese Büros reine Supportstandorte geblieben, wie die vor vielen Jahren geschaffene und auf Verwaltungs- und Sekretariatsaufgaben beschränkte Niederlassung in der philippinischen Hauptstadt Manila, hätte das wohl kaum Interesse erregt. Die neuen Büros in Großbritannien übernehmen jedoch auch immer mehr juristische Arbeit und ändern allmählich die Art, wie Kanzleien Rechtsberatung anbieten.

Freshfields als sexy Start-up

Zunächst wurden Paralegals als Ersatz für Stellen in London eingestellt: Dokumentenprüfung, Due Diligence und Disclosure-Arbeit ließen sich leicht verlegen. Der nächste große Schritt ging hin zur Transaktionsunterstützung: die Erweiterung um Deal- und Prozessmanagement in einem solchen Umfang, dass die Teams außerhalb der Hauptstadt zu einem integralen Bestandteil jener Teams wurden, die an britischen, immer häufiger aber auch an grenzüberschreitenden Transaktionen arbeiteten.

In dieser Hinsicht am weitesten fortgeschritten ist das Büro von Freshfields in Manchester. „Es gab eine kanzleiweite Analyse dazu, wie sich gesteigerte Effizienz zeigen lässt, eine gründliche Prüfung dessen, wie besser gearbeitet werden kann. Manchester begann zunächst als Business Services Center, doch der Schritt hin zu Rechtsbereichen war von Anfang an geplant“, sagt Isabel Parker, Leiterin des Bereichs Legal Services. Kein anderes Freshfields-Büro ist ähnlich aufgebaut. Großraumbüro, keine zugewiesenen Schreibtische, die Atmosphäre gleicht – mit den Worten eines Junganwalts an dem Standort – der eines „sexy Start-ups“.

Der Standort wird von Olivia Balson geführt, einer frühere IP-Anwältin im Londoner Büro, die wieder zurück nach Manchester zog, sowie von Anup Kollanethu, einem Externen mit mehr als zehn Jahren Erfahrung im operativen Management bei internationalen Banken. Kollanethus Hintergrund ist entscheidend: extrem prozessorientiert, IT-erfahren und ein Außenstehender. Und Manchester ist seine Spielwiese.

Seine Aufgabe ist es, die Art und Weise zu ändern, wie bei Freshfields Projekte gehandhabt werden. Er soll effizientere Arbeitsmethoden finden und gleichzeitig die Qualitätsmarke Freshfields wahren. Kollanethu sieht die Entscheidung, die Arbeit intern auszuführen, als besonders wichtig an. „Das Produkt ist dadurch einheitlicher. Mandanten haben die Gewissheit, dass die Arbeit innerhalb von Freshfields erledigt wird und nicht außerhalb.“ Tatsächlich geht es um reine Betriebswirtschaft. Dass jede Art von Arbeit, die nicht unbedingt an höherer Stelle erledigt werden muss, aus einer teuren Stadt wie London weg verlegt wird, ist ein naheliegender Schritt.

Der Sandkasten

Die unterschiedliche Kultur an den Standorten fernab von London lässt sich auf einen Blick auch an der Büroarchitektur ablesen. Auch wenn die Immobilienkosten an jenen Standorten nur einen Bruchteil der Londoner Kosten betragen, haben alle Kanzleien riesige Großraumbüros mit langen Schreibtischreihen angelegt, in denen auf jedem Stockwerk hunderte Mitarbeiter arbeiten können. Keiner geht dabei weiter als Freshfields. Mitarbeiter können sich über komplizierte Kaffeekreationen freuen, in einer Kantine gesundes Essen genießen und sich von einem externen Dienstleister ihr Fitnessniveau ermitteln lassen. Einen eigenen Schreibtisch haben sie aber nicht. Das sogenannte Hot­desking ist ein wichtiger Bestandteil der Kultur, so Freshfields-Manager Kollanethu. „Unsere Mitarbeiter arbeiten die ganze Zeit über in unterschied­lichen Teams zusammen und eine flexible Büro­gestaltung verhindert die Entstehung isoliert arbeitender Silos.“

Diese Büros spielen eine zentrale Rolle beim Erkunden neuer Arbeitsmodelle: die Verwendung von Technologie, das Entstehen neuer Stellen und Berufsbilder und vor allem die Zeit und der Platz, um zu analysieren, wie eine Kanzlei ihr Geschäft bewältigt – alles wird auseinandergenommen und dann wieder zusammengesetzt. Alle Anwälte, mit denen JUVE sprach, sind sich einig, dass nichts von alledem geschehen wäre, wenn die Spielwiese lediglich ein neues Stockwerk in einem Londoner Büro gewesen wäre. (Aled Griffiths)

Den ganzen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Rechtsmarkt 12/2017.

Der Private-Equity-Investor Ardian hat erneut die Callcenter-Gruppe ‚Competence Call Center‘ (CCC) übernommen. 2013 hatte Ardian CCC an Silverfleet veräußert, nun kauft er das Unternehmen wieder zurück. Ardian hatte sich nun in einem Bieterwettbewerb durchgesetzt.

Burc Hesse

Burc Hesse

CCC ist seit dem letzten Verkauf deutlich gewachsen: Mit 5.500 Mitarbeitern – das sind rund 1.000 mehr als 2013 – soll der Callcenter-Betreiber seinen Umsatz deutlich gesteigert haben. Genaue Zahlen sind allerdings nicht bekannt. Es heißt, CCC habe den 100-Millionen-Euro-Jahresumsatz von 2013 inzwischen deutlich überschritten. Wie Ardian den Kauf finanziert, ist ebenfalls noch nicht bekannt.

Der Hauptsitz von CCC ist Berlin, gegründet wurde das Unternehmen aber vor 20 Jahren in Wien. Inzwischen gibt es noch zusätzliche Standorte in Frankreich, Polen, Rumänien, der Schweiz, der Slowakei und der Türkei.

Für CCC haben sich außer Ardian noch weitere Bieter interessiert, beispielsweise der französische Dienstleister Webhelp, eine Beteiligungsgesellschaft des Investors KKR.

Berater Ardian
Latham & Watkins: Burc Hesse (Federführung; Private Equity/M&A), Stefan Süß (Steuerrecht; beide München), Susanne Decker (Private Equity/M&A; Frankfurt), Panu Siemer (Immobilienrecht; Hamburg), Thies Deike (IP/IT; Frankfurt), Dr. Jana Dammann de Chapto (Kartellrecht; Hamburg); Associates: Dr. Sebastian Pauls, Georg Piroth, Dr. Stephan Hufnagel, Maximilian Holm (alle Private Equity/M&A; München), Annika Juds (Arbeitsrecht; München), Immo Schuler (Kartellrecht; Frankfurt)
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Jan Wilms (Federführung); Associate: Dr. Laura Pfirrmann, Katja Wolf (alle Finanzierung) – aus dem Markt bekannt
Taxess (Frankfurt): Gerald Thomas, Richard Schäfer (beide Steuerstrukturierung)

Bernhard Guthy

Bernhard Guthy

Berater Silverfleet
Kirkland & Ellis (München): Dr. Bernhard Guthy, Dr. Jörg Kirchner (beide Federführung; Private Equity/M&A), Dr. Oded Schein (Steuerrecht), Paula Riedel, Mike Robert-Smith (London; beide Kartellrecht); Associates: Dr. Mark Aschenbrenner (Private Equity/M&A), Daniel Hiemer (Steuerrecht)
Shearman & Sterling (Frankfurt): Winfried Carli (Federführung), Dr. Matthias Weissinger; Associates: Andreas Breu, Tom Berisford (London; alle Finanzierung)
Maat (München): Thomas Bader (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Brandl & Talos – aus dem Markt bekannt
PricewaterhouseCoopers – aus dem Markt bekannt

Berater Management
Gleiss Lutz (Berlin): Dr. Martin Viciano Gofferje; Associates: Dr. Hans-Georg Schulze, Bernhard Barth, Dr. Julius Scheifele, Alexander Krüger (Frankfurt; alle Corporate/M&A)

Berater Webhelp
Latham & Watkins (Frankfurt): Gregor Klenk (Private Equity/M&A) – aus dem Markt bekannt

Gregor Klenk

Gregor Klenk

Hintergrund: Der bei Latham federführende Private-Equity-Partner Hesse war auch 2013 beim Verkauf von CCC an Silverfleet beteiligt. Damals allerdings für Silverfleet und noch als Partner von Clifford Chance, die er 2015 für Latham verließ. Hesse beriet Silverfleet auch in diesem Sommer beim Kauf der Pumpenfabrik Wangen.

Auch für Ardian ist Latham ist nicht zum ersten Mal tätig, im Frühjahr dieses Jahres beauftragte der Investor Latham-Partner Klenk mit der Beratung zum Kauf des Desinfektionsmittelherstellers Anti Germ. Klenk war diesmal nach Marktinformationen von dem Bieter Webhelp mandatiert.

Dieses Mal setzte Silverfleet auf Kirkland. Private-Equity-Partner Kirchner pflegt einen regelmäßigen Kontakt zu dem Investor, den er bei seinem Wechsel von Latham zu Kirkland 2015 mitbrachte. Kirchner teilte sich die Federführung mit dem jungen Partner Guthy, der im Oktober 2016 ernannt wurde, und hier mit einer seiner ersten Teamleitungen in Erscheinung trat. Auch Shearman berät Silverfleet regelmäßig zu Finanzierungsfragen. Gleiss war ebenfalls schon 2013 für das Management an Bord, nun führte der Anfang des Jahres ernannte Berliner Partner Viciano Gofferje das Mandat.

Taxess und PwC waren bei ihren Mandantinnen für die Steuerstrukturierungen zuständig. Taxess wird regelmäßig von Ardian beauftragt und auch PwC hat 2013 mit ihrem Münchner Partner Klaus Schmidt die Steuerberatung verantwortet. Schmidt ist Leiter der deutschen M&A-und Private-Equity-Steuer-Praxis der Big-Four-Beratungsgesellschaft. (Christiane Schiffer)

Vinci Highways ist bei einem von zwei ausgeschriebenen Aufträgen zur Pkw-Maut endgültig aus dem Rennen. Der französische Bewerber schaffte es auch über ein Nachprüfungsverfahren nicht zurück in den Bieterkreis. Dieses hatte Vinci vor der Vergabestelle des Bundes angestrengt, nachdem das Verkehrsministerium den Infrastrukturbetreiber nicht als Bieter hatte teilnehmen lassen (Az. VK 2 – 114/17).

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Dieter Neumann

Vinci warf dem Verkehrsministerium vor, die Teilnahmeentscheidung nicht ordnungsgemäß erlassen worden. Das sah die zuständige Vergabekammer anders. Das Ministerium habe Vinci zurecht ausgeschlossen und das Verfahren mit den drei Bietern fortgesetzt. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

In der nächsten Phase müssen die verbleibenden Bieter Siemens, Autostrade Tech aus Italien sowie die österreichische Kapsch TrafficCom ein Angebot für den Auftrag zur späteren Betriebskontrolle der Pkw-Maut abgeben. Die drei Unternehmen waren Beigeladene des Verfahrens.

Das Verkehrsministerium vergibt zwei getrennte Aufträge zur Erhebung der Pkw-Maut. Die Zweiteilung hat organisatorische Gründe. Denn künftig soll neben dem Bundesamt für den Güterverkehr (BAG), das die Mauterhebung für die zeitlich begrenzte Autobahnnutzung übernimmt, auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) für die Erhebung der Pkw-Maut von Inländern zuständig sein.

Viel Gerangel um die Maut

Die Pkw-Maut, die offiziell Infrastrukturabgabe heißt, wurde bereits im März 2015 durch das Infrastrukturabgabengesetz beschlossen. In der Folge eröffnete die Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren, das im März in einer Gesetzesänderung mündete. Im Oktober wurde öffentlich, dass Österreich gegen das Vorhaben vor den EuGH zieht. Die Klage ist mittlerweile eingereicht, erste Erörterungstermine haben bereits stattgefunden.

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Steffen Amelung

Vertreter Vinci Highway
Clifford Chance (Frankfurt): Steffen Amelung (Vergaberecht)

Vertreter Bundesministerium für Verkehr und Digitales
Greenberg Traurig (Berlin): Dr. Dieter Neumann (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Franz-Josef Hölzl (Vergaberecht), Dr. Viola Bensinger (IP-/Wettbewerbsrecht), Dr. Stefan Lütje (Medienrecht), Martin Dressel (Projektverträge); Associates: Thomas Hinrichsen, Nicolas Wettstädt (beide Infrastruktur/Vergaberecht), Natalie Hsiao, Dr. Laura Zentner (beide Vertragsrecht)

Vertreter Kapsch TrafficCom
Raue (Berlin): Dr. Wolfram Hertel (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Bettina Tugendreich (Vergaberecht; beide Federführung)
Inhouse Recht (Wien): Dr. Paul Pospisil

Vertreter Autostrade Tech
Eichler (Berlin): Dr. Jochen Eichler (Vergaberecht)

Vertreter Siemens
Inhouse Recht: Nicht bekannt

Vergabekammer des Bundes, 2. Vergabekammer beim Bundeskartellamt
Dr. Gabriele Herlemann (Vorsitz)

Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt.

Greenberg Traurig begleitet beide Vergabeverfahren für den Bund. Soweit bekannt ist Partner Neumann bereits seit Anfang 2016 in dem Mandat tätig. Bereits während seiner Zeit bei Freshfields Bruckhaus Deringer Anfang der 2000er Jahre hatte ihn der Bund beim Vertragsschluss mit Toll Collect mandatiert. 2006 eröffnete er mit zwei weiteren Partnern für Olswang in Berlin. 2015 schloss sich die Einheit der US-Kanzlei Greenberg Traurig an. Über die Zeit hinweg hatte sein guter Draht ins Verkehrsministerium stets Bestand: Auch als das Verkehrsministerium 2012 den Auftrag zur Neuvergabe der Lkw-Maut erteilte, gehörte Neumann zum Beraterkreis. Das begonnene Mandat wurde allerdings kurze Zeit später ausgesetzt und 2016 neu an PricewaterhouseCoopers Legal vergeben.

Für das Verkehrsministerium war Neumann dieses Jahr auch beim Vertragsschluss zum ÖPP-Projekt A7-Ausbau mandatiert. Auf der Gegenseite stand für Vinci Highways – wie in diesem Verfahren auch – Clifford-Counsel Amelung.

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Franz-Josef Hölzl

Im Verfahren rund um die Pkw-Maut wird Neumann vom Vergaberechtler Hölzl unterstützt, der ebenfalls lange Jahre bei Freshfields gearbeitet hatte. Hölzl verließ die Kanzlei 2013 und gründete mit dem IP-Rechtler Thomas Becker die Kanzlei Lexantis, bei der er weiterhin Partner ist. Gleichzeitig ist Hölzl als of Counsel bei Greenberg Traurig in sämtliche Vergabeverfahren einbezogen.

Der Vertreter von Autostrade Tech Eichler war zu Beginn seiner Karriere ebenfalls bei Fresfields tätig und wechselte mit dem Team um Friedrich Hausmann zu K&L Gates. 2012 machte er sich dann in Berlin selbstständig. Für seine Mandantin ist er auch im Zusammenhang mit der Lkw-Maut tätig. (Martin Ströder)

Der amerikanische Datenbank-Spezialist Idera hat den österreichischen Softwareentwickler Ranorex übernommen. Das Grazer Unternehmen, das auch eine Niederlassung in Florida unterhält, ist auf automatisierte Tests spezialisiert und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.

Christian Ritschka

Christian Ritschka

Die von Ranorex entwickelte Software sorgt dafür, dass Anwendungen sowohl bei der Neuentwicklung als auch im laufenden Betrieb automatisiert getestet und optimiert werden können. Ranorex wurde 2007 von Jenö Herget und seinem Vater Gabor als Familienunternehmen gegründet, 2011 stieg die Beteiligungsgesellschaft EOSS als Investor ein. Der Einstieg in den US-Markt war bereits 2008 durch automatisierte Tests von Windows-Applikationen gelungen. Nicht nur Computerhersteller oder Softwareanbieter wie Dell, Symantec oder Toshiba nutzen solche Tools, auch Adidas, Canon oder die Lufthansa sind Kunden von Ranorex.

Durch die Übernahme des Grazer Unternehmens verdoppelt Idera sein Portfolio an Test Management Tools. Das Houstoner Unternehmen hatte bereits in den Jahren zuvor kräftig in die Softwareentwicklung und neue Test-Tools investiert: 2015 übernahm Idera die Entwickler von Delphi, C++ Builder und dem daraus entstandenen RAD Studio. 2016 kam der Berliner Test-Softwareentwickler Gurock hinzu. Die Testautomatisierung ist eine von drei Geschäftsbereichen von Idera. Das in erster Linie auf Geschäftskunden konzentrierte Angebot umfasst außerdem Datenbank- sowie Entwickler-Tools.

Berater Idera
Horzepa Spiegel & Associates (Houston): Jospeh Horzepa – aus dem Markt bekannt
Pinsent Masons (München): Dr. Florian Anselm (Federführung), Rainer Kreifels (beide Corporate/M&A); Associate: Dr. Igor Barabash (IP/IT)  – aus dem Markt bekannt
Dorda (Wien): Dr. Chrstian Ritschka (M&A), Dr. Axel Anderl (IP/IT), Thomas Angermair (Arbeitsrecht), Heinrich Kühnert, Martina Znidaric (beide Steuerrecht); Associates: Lukas Schmidt (M&A), Nino Taplak, Bernhard Heinzl, Alexandra Ciarnau (Rechtsanwaltsanwärterin, alle IP/IT), Günter Porsch, Florina Thenmayer (beide Arbeitsrecht, beide Rechtsanwaltsanwärter), Christoph Hilkesberger (Finanzrecht), Philipp Böhler Grimm (Kartellrecht)

Berater Ranorex
Rautner (Wien): Dr. Uwe Rautner (Federführung, M&A); Associates: Andreas Lengger (M&A; Steuerrecht), René Semmelsweis (Finanzrecht, beide Rechtsanwaltsanwärter)

Hintergrund: Dorda war als österreichischer Counsel an der Transaktion beteiligt und kam über die Kontakte von IP-Partner Anderl zu Pinsent Masons ins Mandat. Da es sich um eine Transaktion zwischen zwei Software-Unternehmen handelte, war die IP/IT-Praxisgruppe mit einem entsprechend großen Team vertreten.

Namenspartner Joseph Horzepa, dessen Kanzlei einen ihrer Standorte ebenso wie Idera in Houston hat, begleitet das Software-Unternehmen laufend in allen rechtlichen Angelegenheiten. Pinsent Masons unterhielt ebenfalls schon zuvor Beziehungen zu dem Unternehmen und beriet zu deutschrechtlichen Aspekten im Rahmen der Due Dilligence.

Der Wiener Bank- und Finanzrechts-Experte Uwe Rautner beriet die Ranorex-Gründer Jenö und Gabor Herget und den Hauptgesellschafter EOSS beim Verkauf des Unternehmens erstmals. Er kam über eine Empfehlung ins Mandat. (Annette Kamps)

Völlig unerwartet ist am Montag der über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Anwalt und Universitätsprofessor Dr. Hanns Hügel im Alter von 66 Jahren verstorben. Der renommierte Gesellschafts- und Steuerrechtler lehrte am Wiener Juridicum und war bis zuletzt in jeder Hinsicht das Aushängeschild seiner Kanzlei bpv Hügel.

Hanns F. Hügel

Hanns Hügel

Mit Hügel verliert Österreich eine seiner führenden Anwaltspersönlichkeiten. Er galt als Koryphäe im Umwandlungssteuerrecht und war ein Vorreiter, was die Kombination von steuer- und gesellschaftsrechtlicher Beratung angeht. Hügel widmete sich bereits Mitte der 1970er-Jahre dem Steuerrecht und stieg 1979 als Partner in die väterliche Kanzlei ein. Daraus baute er letztlich die heutige Einheit bpv Hügel mit Büros in Mödling, Wien, Baden und Brüssel auf.

Hügel war nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch Wissenschaftler und Universitätsprofessor: 23 Jahre lang hielt er im Juridicum der Universität Wien sein „Hügel-Seminar“ zu aktuellen Entwicklungen im Unternehmens und Steuerrecht. Generationen von Anwälten sind so bei ihm in die Lehre gegangen – sei es als Jus-Student oder später als Konzipient. Ebenfalls seit mehr als 20 Jahren versammelte er als fachlicher Leiter der Fachkonferenz Recht und Steuern (RuSt) in Rust am Neusiedler See die führenden Steuerexperten Österreichs um sich.

Multidisziplinarität im Fokus

In Deutschland kennt man Hügel vor allem als Teil von Haarmann Hemmelrath. Im Jahr 2000 war Haarmann Hemmelrath Hügel die erste auf österreichischem Boden zugelassene multidisziplinäre Partnerschaft, 2005 trennten sich die Wege beider Kanzleien im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der späteren Liquidation von Haarmann Hemmelrath in Deutschland. Als Full-Service-Kanzlei mit starkem steuerrechtlichen Arm blieb bpv Hügel lange eine Ausnahme in Österreich, denn anders als in Deutschland lässt das Berufsrecht in Österreich keine multidisziplinäre Partnerschaft zu.

Hügel unterhielt enge Beziehungen zu einer Vielzahl in- und ausländischer Großkonzerne in Österreich, darunter zu langjährigen Mandanten wie Immofinanz, RWA oder BP Europa. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren Unternehmen und Institute wie die Raiffeisenholding Niederösterreich, Verbund, Shell Austria oder Unibail Rodamco.

Zuletzt beriet Hügel gemeinsam mit Kapitalmarktrechtspartner Dr. Christoph Nauer die Immofinanz und erreichte erstmalig die Genehmigung eines Finanzausgleichs durch Aktien. Auch bei der Verschmelzung von Raiffeisenbank International (RBI) und Raiffeisen Zentralbank (RZB) stand Hügel gemeinsam mit Nauer an der Seite der RZB. Weitere wichtige Transaktionen waren in der jüngeren Vergangenheit die steuerrechtliche Beratung der Ring International Holding (RIH) bei der Übernahme des börsenotierten Lackherstellers Helios.

Heute zählt die Kanzlei rund 40 Juristen mit einem Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr von über 14 Millionen Euro. (Annette Kamps)