TRENDS UND ENTWICKLUNGEN IM ANWALTSMARKT 2020/21

Werte der Zukunft

2020 ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Jahr – und eines, das für Entwicklungen, die sich schon länger abzeichneten, als Katalysator wirkt. Das gilt für die Gesamtwirtschaft ebenso wie für Kanzleien und Rechtsabteilungen.

Schon bevor die Corona-Pandemie die Wirtschaft zum Stillstand brachte, deutete sich mit der ,Fridays for Future‘-Bewegung an, dass Risiken neu bewertet werden müssen. Ein solcher Wandel, kann auch an den Rechtsberatern, die längst essentieller Teil des Risikomanagements in Unternehmen sind, nicht spurlos vorbeigehen.

Die MeToo- und Anti-Rassismus-Demonstrationen in den USA und Europa haben gesellschaftliche Diskussionen verstärkt, die auch bei Unternehmen und Kanzleien Veränderungen bringen werden. Die Erkenntnis aus der Pandemie, dass die Globalisierung der Wirtschaft größere Unsicherheitsfaktoren birgt als bislang meist angenommen, wird die juristische Arbeit ebenfalls verändern. Die Corona-Pandemie ist dabei nicht Auslöser, wohl aber Katalysator für einen Wertewandel.

Schon zuvor hatten Werte Eingang in neue Gesetze gefunden, die längst mehr Beachtung gebraucht hätten. Beispiele der vergangenen fünf Jahre sind der UK Modern Slavery Act und sein 2019 verabschiedetes australisches Pendant sowie das niederländische Gesetz gegen Kinderarbeit. Andere Staaten planen ähnliche Regelungen. In Deutschland wird über Unternehmensstrafrecht und ein Lieferkettengesetz debattiert, das Menschenrechte und Mindeststandards sichern soll. Auch das Thema Investitionsschutz gewinnt an Bedeutung und deutet einen grundlegenden Wandel in internationalen Wirtschaftsbeziehungen an.

Corona-Krise erhöht Effizienzdruck

Doch es wird um mehr als neue Rechts- und Risikofragen gehen. Das abrupte Ende des zehnjährigen wirtschaftlichen Aufschwungs, das die Corona-Krise brachte, wird den Blick stärker als zuvor auf Effizienz und Kosten lenken – und das wird sich nicht darin erschöpfen, dass unzählige Firmen und Kanzleien entdeckt haben, dass Homeoffice und Videokonferenzen nicht nur funktionieren, sondern auch Miete und Reisekosten sparen. Kanzleien und Rechtsabteilungen, die sich aktiv darauf einstellen, werden stärker profitieren als diejenigen, die an Bekanntem festhalten.

Natürlich wird es weiterhin eine globale Elite unter den wirtschaftsberatenden Kanzleien geben, die in innovativen und komplexen Projekten überzeugt – und das völlig losgelöst von den damit verbundenen Kosten. Für die meisten Kanzleien allerdings beginnt eine neue Zeitrechnung: die Zeit nach dem Corona-Lockdown. Sie werden sich einem schärferen Wettbewerb stellen müssen, der auch durch den Trend zu mehr Standardisierung von Rechtsdienstleistungen  angetrieben wird. Um in dieser Landschaft zu überleben, wird juristische Brillanz alleine nicht genügen: Service, Effizienz und Flexibilität werden den Ausschlag geben. Mandanten werden mehr denn je den Wert der Leistung betrachten.

In den Rechtsabteilungen wird es – unter anderen Vorzeichen – nicht anders aussehen. Schon jetzt stehen sie unter kontinuierlichem Kostendruck bei gleichzeitig steigenden Anforderungen und wachsender Verantwortung. Derzeit sind sie global gesehen die Treiber, wenn es um die Einführung moderner Managementmethoden und IT-gestützter Lösungen in der Rechtsberatung geht. Und auch in Deutschland sind manche Unternehmen ihren externen Beratern organisatorisch weit voraus. Um nur ein Beispiel herauszugreifen: Die Rechtsabteilung der KfW hätte den Corona-Ansturm kaum so gut bewältigt, hätte sie nicht in den Jahren zuvor schon Struktur und Arbeitsweise optimiert.

30 für 30

Eine Zäsur wie die Pandemie und die runde Jahreszahl 2020 fordern geradezu dazu auf, langfristige Prognosen zu wagen. Unter dem Motto 30 für 30 haben wir uns daher an 30 Thesen für das Jahr 2030 gewagt. Jeweils zehn für den Kanzleimarkt, Rechtsabteilungen und die Entwicklung von Legal-Tech und Legal-Operations.

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