SCHOCK FüR ÖSTERREICHS JURISTEN: PROF. HANNS HüGEL IST VERSTORBEN

Völlig unerwartet ist am Montag der über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Anwalt und Universitätsprofessor Dr. Hanns Hügel im Alter von 66 Jahren verstorben. Der renommierte Gesellschafts- und Steuerrechtler lehrte am Wiener Juridicum und war bis zuletzt in jeder Hinsicht das Aushängeschild seiner Kanzlei bpv Hügel.

Hanns F. Hügel

Hanns F. Hügel

Mit Hügel verliert Österreich eine seiner führenden Anwaltspersönlichkeiten. Er galt als Koryphäe im Umwandlungssteuerrecht und war ein Vorreiter, was die Kombination von steuer- und gesellschaftsrechtlicher Beratung angeht. Hügel widmete sich bereits Mitte der 1970er-Jahre dem Steuerrecht und stieg 1979 als Partner in die väterliche Kanzlei ein. Daraus baute er letztlich die heutige Einheit bpv Hügel mit Büros in Mödling, Wien, Baden und Brüssel auf.

Hügel war nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch Wissenschaftler und Universitätsprofessor: 23 Jahre lang hielt er im Juridicum der Universität Wien sein „Hügel-Seminar“ zu aktuellen Entwicklungen im Unternehmens und Steuerrecht. Generationen von Anwälten sind so bei ihm in die Lehre gegangen – sei es als Jus-Student oder später als Konzipient. Ebenfalls seit mehr als 20 Jahren versammelte er als fachlicher Leiter der Fachkonferenz Recht und Steuern (RuSt) in Rust am Neusiedler See die führenden Steuerexperten Österreichs um sich.

Multidisziplinarität im Fokus

In Deutschland kennt man Hügel vor allem als Teil von Haarmann Hemmelrath. Im Jahr 2000 war Haarmann Hemmelrath Hügel die erste auf österreichischem Boden zugelassene multidisziplinäre Partnerschaft, 2005 trennten sich die Wege beider Kanzleien im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der späteren Liquidation von Haarmann Hemmelrath in Deutschland. Als Full-Service-Kanzlei mit starkem steuerrechtlichen Arm blieb bpv Hügel lange eine Ausnahme in Österreich, denn anders als in Deutschland lässt das Berufsrecht in Österreich keine multidisziplinäre Partnerschaft zu.

Hügel unterhielt intime Beziehungen zu einer Vielzahl in- und ausländischer Großkonzerne in Österreich, darunter zu langjährigen Mandanten wie Immofinanz, RWA oder BP Europa. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren Unternehmen und Institute wie die Raiffeisenholding Niederösterreich, Verbund, Shell Austria oder Unibail Rodamco.

Zuletzt beriet Hügel gemeinsam mit Kapitalmarktrechtspartner Dr. Christoph Nauer die Immofinanz und erreichte erstmalig die Genehmigung eines Finanzausgleichs durch Aktien. Auch bei der Verschmelzung von Raiffeisenbank International (RBI) und Raiffeisen Zentralbank (RZB) stand Hügel gemeinsam mit Nauer an der Seite der RZB. Weitere wichtige Transaktionen waren in der jüngeren Vergangenheit die steuerrechtliche Beratung der Ring International Holding (RIH) bei der Übernahme des börsenotierten Lackherstellers Helios.

Heute zählt die Kanzlei rund 40 Juristen mit einem Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr von über 14 Millionen Euro. (Annette Kamps)

Bird & Bird expandiert international – in China mit einer weiteren Kooperationskanzlei, in den USA mit einem ersten Repräsentanzbüro. Über die Strategie dahinter sprach JUVE mit Sven-Erik Heun, dem Vorsitzenden des dreiköpfigen deutschen Managements.

Sven-Erik Heun

Sven-Erik Heun

Juve: Mit der chinesischen Großkanzlei AllBright Law Offices haben Sie jüngst eine enge Kooperation vereinbart. Sie haben in China bereits drei eigene Büros und eine Kooperation für IP-Prozesse mit Lawjay Partners. Schaffen Sie so nicht reichlich Konfliktpotenzial?
Heun: Nein, da wir in dieser Konstellation komplementäre Strategien verfolgen. Mit unseren Büros in Peking und Schanghai begleiten wir unsere westlichen Mandanten bei ihren Unternehmungen in China. Lawjay führt IP-Prozesse für unsere westlichen Mandanten. An all dem hat AllBright kein Interesse, sondern sie wollen ihre große chinesische Mandantenbasis in internationale Märkte begleiten und suchten für das China-Outbound-Geschäft verlässliche Partner. Für uns ist diese Kooperation perfekt, da AllBright keine internationale Kanzlei ist, sondern ein Partner, mit dem wir Zugang zu chinesischen Mandanten erhalten und AllBright diesen Mandanten mit uns einen breit aufgestellten Partner bieten kann.

AllBright Law wird im Londoner Bird & Bird-Büro eine Präsenz einrichten: Welche Vorteile bietet dies Ihrer Kanzlei?
Unser Vorteil liegt darin, dass wir mit Partnern von AllBright in London vor Ort direkte Ansprechpartner haben, die die kulturellen Unterschiede erkennen und für die chinesischen Mandanten überbrücken.

Was bringt diese Kooperation der deutschen Praxis?
Es ist eine riesige Chance, da China einer der wichtigsten Märkte für Rechtsberatung werden wird. Gleichzeitig investieren Chinesen viel in Deutschland. Mit AllBright haben wir einen Partner mit einem großen chinesischen Mandantenstamm, der für die deutsche Praxis aufgeschlossen wird. Diese Mandanten brauchen nicht nur Rechtsberatung, wenn sie Unternehmen in Deutschland kaufen, sondern auch Anwälte, die ihre regulierungsrechtlichen und operativen Fragen beantworten. Zum Beispiel, wenn ein chinesisches Unternehmen in den deutschen Verteidigungssektor investieren will. Wir sind mit unserem China-Desk, zu dem bereits doppelt qualifizierte Anwälte gehören, darauf bestens vorbereitet.

Das heißt, Allbright hat keine anderen Kooperationspartner in Europa?
Die Kooperation ist nicht exklusiv, aber wir glauben daran, dass wir beide davon stark profitieren werden.

2018 wollen sie außerdem ein erstes US-Büro in San Francisco eröffnen, aber ohne US-Anwälte einzustellen. Einige Partner hätten eine Fusion mit einer US-Kanzlei bevorzugt, um bei US-Mandanten besser Fuß zu fassen. Warum hat sich die Kanzlei dagegen entschieden?
Die Entscheidung, eine Präsenz zu eröffnen, ist keine Entscheidung gegen eine Fusion. Unser Ziel ist es, die weltweit führende Kanzlei für Unternehmen und Institutionen zu sein, die durch Technologie und die Digitalisierung verändert werden. Dafür müssen wir präsent sein in den USA, dem aktuell größten Markt, und in dem künftig großen Markt China. Die USA sind ein sehr erwachsener Rechtsmarkt, deswegen eröffnen wir dort nur ein repräsentatives Büro, um den dortigen Mandanten für unsere Rechtsberatung außerhalb der USA näher zu sein. Alles Weitere wird sich finden.

Ein Hauptkonkurrent ihrer IP-Praxis, Hogan Lovells, baut derweil ein US-Patentteam auf. Gleichzeitig drängen führende US-IP-Praxen nach Europa. Wie wollen Sie verhindern, dass Ihre starke IP-Praxis in diesem globalen Wettbewerb zerrieben wird?
Durch unsere Qualität in allen Jurisdiktion, in denen wir tätig sind, stellen wir uns dem Wettbewerb. Für Hogan Lovells ist es sicherlich eine wichtige Entscheidung, ein US-Patentteam aufzubauen, aber wir haben uns dagegen entschieden. Die US-IP-Praxen drängen nach Europa, weil IP-Litigation in den USA nicht mehr so lukrativ ist wie früher. Aber niemand sollte unterschätzen, wie schwierig es für Newcomer ist, gegen eine so große und erfolgreiche IP-Praxis wie unsere anzutreten. Wir haben uns entschieden, an allen Standorten des zukünftigen Unified Patent Court präsent zu sein. Und wir haben unsere deutsche IP-Praxis erneut mit Patentanwälten ausgebaut. Das Geschäft hat sich in den letzten 24 Monaten auf einer bereits hervorragenden Basis sehr gut entwickelt, was zeigt, dass unsere Strategie aufgeht.

Das Gespräch führte Christina Geimer.

Baker & McKenzie verstärkt zum April 2018 ihre Steuerrechtspraxis in Frankfurt mit Dr. Thomas Schänzle. Der 47-Jährige ist seit 2012 Partner bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Ende September hatte ihn die Big-Four-Gesellschaft freigestellt.

Thomas Schänzle

Thomas Schänzle

Schänzle war für PwC vor allem aus dem Frankfurter Büro tätig, pendelte in den vergangenen eineinhalb Jahren aber regelmäßig nach München. Der Grund: Nachdem Claus Jochimsen-von Gfug im Frühjahr 2016 von PwC zu DLA Piper gewechselt war, schloss Schänzle die Lücke vor Ort. Jochimsen wiederum kehrt bald wieder in die Welt der Big Four zurück: Zum Dezember wechselt der 48-Jährige von DLA zu Deloitte.

Schänzles Beratungsschwerpunkte liegen im nationalen sowie internationalen Unternehmens- und Konzernsteuerrecht. Vor allem hat sich Schänzle auf internationale Steuerstrukturierungen spezialisiert. Dabei berät er sowohl Konzerne als auch Familienunternehmen bei Transaktionen und Gemeinschaftsunternehmen.

So begleitete er zuletzt unter anderem den Energieversorger EnBW, als dieser das kanadische Unternehmen Enbridge als Co-Investor für das Windparkprojekt ‚Hohe See‘ an Bord holte. Weitere wichtige Mandanten von Schänzle bei PwC waren Siemens und Boehringer Ingelheim.

Die Kanzleiwelt ist Schänzle gut bekannt, denn vor seiner Tätigkeit bei PwC war der Diplom-Kaufmann und Steuerberater rund drei Jahre lang Salary-Partner bei Flick Gocke Schaumburg in Frankfurt, nachdem er zuvor bei Linklaters tätig war.

In der angesehenen Steuerrechtspraxis von Baker sind derzeit 21 Berufsträger tätig, davon fünf Partner. Bekannt ist die Praxis insbesondere für ihre Beratung rund um Umsatzsteuern, Zölle und Verrechnungspreise sowie ihre Erfahrung in streitigen Steuerverfahren. Wichtigster Standort des Teams ist Frankfurt, daneben agiert die Praxis auch von Düsseldorf und München aus. Mit einem Berufsträger aus der Welt der Big Four hatte sich Baker zuletzt 2015 verstärkt, ebenfalls in Frankfurt. Dr. Stephan Behnes wechselte damals von KPMG, für die er zuvor 15 Jahre lang tätig gewesen war. (Daniel Lehmann)

Ein anonymer Hinweis hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Daraus entwickelte sich einer der wenigen Strafprozesse um riskante Zinswetten von Kommunen. Die ehemalige Oberbürgermeisterin von Pforzheim und die ehemalige Kämmerin der Stadt wurden nun vom Landgericht Mannheim zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie werden dafür verantwortlich gemacht, dass die Stadt bei Geschäften mit Zinsderivaten rund 58 Millionen Euro verloren hatte.

Eddo Compart

Eddo Compart

Außer den beiden Frauen waren ursprünglich auch zwei JP Morgan-Banker und der ehemalige Vize-Kämmerer angeklagt. Gegen die beiden Bank-Berater von JP Morgan und den damals stellvertretenden Kämmerer waren die Verfahren während des Prozesses nach Paragraph 153a eingestellt worden. Die beiden Banker zahlten dafür 400.000 und 125.000 Euro, der inzwischen zum Kämmerer bestellte Angeklagte zahlte damals 9.000 Euro.

Die ehemalige Finanzverantwortliche der Stadt und die Ex-Oberbürgermeisterin erhielten Strafen wegen Untreue von 20 und 24 Monaten – jeweils auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihren Plädoyers keine Bewährungsmöglichkeit mehr gesehen. Die Verteidigung will eine Revision noch prüfen.

In dem Verfahren ging es um hochkomplexe und gleichzeitig hochriskante Spread Ladder Swaps, wie sie damals Hunderte von Städten und Gemeinden mit vielen Banken abgeschlossen hatten. Eigentlich sollten die Geschäfte die Zinslasten der Gemeindeschulden senken. Pforzheim machte die Geschäfte zwischen 2004 und 2008 mit JP Morgan und der Deutschen Bank.

Glimpfliches Ende für Deutsche Bank-Berater

Inzwischen gibt es Hunderte von Klagen, die Kommunen gegen die Banken wegen Falschberatung führen – auch Pforzheim hat den Großteil seiner Verluste durch einen Vergleich mit JP Morgan wieder ausgeglichen.

Allerdings landeten nur die Pforzheimer Verantwortlichen und die JP Morgan-Berater auch auf der Anklagebank. Das hat wohl mit zwei Besonderheiten im Verfahren zu tun. Erstens gab es eine anonyme Anzeige, die bei der Staatsanwaltschaft auflief und der die Ermittler nachgehen mussten. Und zweitens übernahm beim Landeskriminalamt ein in Bankgeschäften besonders versierter Beamter den Fall. Er hatte früher selbst bei einer Bank gearbeitet und konnte in einem daumendicken Schriftsatz eine detaillierte Einschätzung des Falles liefern.

Zwei Deutsche Bank-Berater waren ebenfalls zu Beginn wegen Falschberatung beschuldigt, kamen aber letztlich doch nicht vor Gericht. Ihre Swaps hatten erst Verluste eingefahren, die die Stadtverantwortlichen dann mit weiteren Swaps von JP Morgan wieder ausgleichen wollten. Die Deutsche Bank-Swaps drehten dann jedoch wieder ins Plus, sodass dadurch kein Schaden entstand. Zum Verhängnis wurden den Beteiligten schließlich unterm Strich die Geschäfte mit JP Morgan, die knapp 58 Millionen Euro Verluste einfuhren. Dabei sollten sie eigentlich nur die Zinslast von Pforzheims Schulden senken.

Vertreter ehem. Stadtkämmerin
Compart & Schmidt (Mannheim): Dr. Eddo Compart; Associate: Dr. Jennifer Schumacher

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

Vertreter Oberbürgermeisterin
Spillner & Spitz (Heidelberg): Dr. Jürgen Leibold
Kubicki & Schöler (Kiel): Wolfgang Kubicki

Vertreter Mitarbeiter JP Morgan
Dierlamm (Wiesbaden): Prof. Dr. Alfred Dierlamm, Katharina Kolbe

Vertreter Mitarbeiter JP Morgan
Dr. Felix Dörr & Kollegen (Frankfurt): Dr. Felix Dörr
Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Udo Wackernagel

Vertreter ehem. stv. Stadtkämmerer
Andreas Liebers (Heidelberg)

Staatsanwaltschaft Mannheim
Uwe Siegrist (Oberstaatsanwalt), Nikolaus Hollinger (Staatsanwalt)

Landgericht Mannheim, 22. Kammer (Große Wirtschaftsstrafkammer)
Andreas Lindenthal (Vorsitzender Richter), Neuschl, Steinlein

Alfred Dierlamm

Alfred Dierlamm

Hintergrund: Die Hauptangeklagte Ex-Stadtkämmerin setzte mit Compart auf einen der erfahrensten Wirtschaftsstrafrechtler in Mannheim. Dort ist auch die badische Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen angesiedelt, die von Oberstaatsanwalt Siegrist geleitet wird.

Die ehemalige Oberbürgermeisterin wurde während des Prozesses im Wesentlichen vom Heidelberger Anwalt Leibold vertreten, der kein ausgewiesener Strafverteidiger ist. Diesen Part übernahm an den zentralen Verfahrenspunkten wie Auftakt und Plädoyer Wolfgang Kubicki, Anwalt und als FDP-Vizevorsitzender auch Parteifreund seiner Mandantin.

Die JP Morgan-Mitarbeiter hatten ebenfalls sehr renommierte Wirtschaftsstrafrechtler mit ihrer Verteidigung beauftragt. Dierlamm verteidigte gemeinsam mit seiner Partnerin Kolbe, Dörr und Wackernagel vertraten den zweiten Mitarbeiter. Wackernagel war für TDWE-Namenspartner Sven Thomas eingestiegen, der das Mandat bis zum Beginn der Hauptversammlung führte, inzwischen aber beruflich kürzer tritt.

Dem Vernehmen nach wurde einer der früheren Deutsche Bank-Beschuldigten von Barbara Livonius verteidigt, die enge Kontakte zum Bankhaus pflegt.

Den Vergleich zwischen JP Morgan und der Stadt Pforzheim haben Hengeler Mueller für die Bank und Deubner & Kirchberg für die Stadt ausgehandelt. (Christiane Schiffer)

Das Reise-Buchungsportal GetYourGuide hat frisches Geld eingesammelt: Bei einer D-Finanzierungsrunde erhielt das Start-up mit Hauptsitz in Berlin 75 Millionen US-Dollar – führender Investor ist der US-israelische Fonds Battery Ventures. Die bestehenden Investoren KKR, Spark Capital, Highland Capital Partners, Nokia Growth Partners und Sunstone Capital beteiligten sich ebenfalls.

Peter Möllmann

Peter Möllmann

GetYourGuide, 2009 in Zürich gegründet, verkauft über eine Buchungsplattform Tickets und Eintrittskarten für Sehenswürdigkeiten weltweit, wie den Eiffelturm, die Ruinenstadt Machu Pichu in Peru oder den schiefen Turm von Pisa. Vor einigen Jahren verlagerte das Start-up seinen Hauptsitz nach Berlin, die Holding ist jedoch weiterhin in der Schweiz beheimatet. GetYourGuide beschäftigt nach eigenen Angaben 389 Mitarbeiter in Büros in Europa und Nordamerika. Das Unternehmen will mithilfe des frischen Kapitals expandieren und seine Angebote technologisch weiterentwickeln. Insgesamt hat das Tourismus-Start-up bislang rund 170 Millionen Dollar an Fremdkapital aufgenommen. In der C-Finanzierungsrunde 2016 waren es 50 Millionen Dollar.

Battery Ventures stieg als Geldgeber neu ein, der globale Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds wurde 1983 gegründet und hat einen Technologie-Fokus. Der Investor agiert aus Büros in den USA, Tel Aviv und London.

Berater Battery Ventures
Schnittker Möllmann Partners (Berlin): Dr. Peter Möllmann (Federführung), Dr. Benjamin Ullrich (beide M&A/VC), Dr. Timo Dreher (Steuerrecht); Associate: Dr. Adrian Haase (M&A/VC)
Wenger & Vieli (Zug): Dr. Beat Speck, Dr. Christian Wenger (Zürich), Daniel Oehri (alle Gesellschaftsrecht)

Berater GetYourGuide
GLNS (München): Dr. Daniel Gubitz; Associate: Maximilian Schott (M&A/VC)
Walder Wyss (Zürich): Florian Gunz Niedermann (Corporate/M&A); Associates: Fabienne Anner, Michael Kündig (beide Corporate/M&A)

Berater Spark Capital und Highland Capital Partners
Osborne Clarke (Köln): Nicolas Gabrysch (VC)

Hintergrund: Battery Ventures hat Schnittker Möllmann erst kürzlich auf der Gegenseite kennengelernt – als Beraterin des Berliner Start-ups Zeitgold, wo der Fonds im September einstieg. Nun mandatierte der VC-Investor die Kanzlei erstmals selbst. Schnittker Möllmann ist im Sommer als Spin-off von Flick Gocke Schaumburg entstanden und fokussiert sich auf die Transaktions- und steuerliche Beratung am großvolumigen Ende des VC-Geschäfts. In den vergangenen Jahren stand White & Case-Partner Dr. Stefan Koch Battery Ventures bei diversen Transaktionen zur Seite, etwa bei einer Finanzierungsrunde für das FinTech-Unternehmen Number26.

Seitdem GetYourGuide seinen Sitz in Berlin hat, berät GLNS das Start-up, auch in der C-Finanzierung waren die Münchner schon an der Seite des Unternehmens zu sehen. In früheren Finanzierungsrunden lag die Federführung noch bei Schweizer Kanzleien, weil das Unternehmen damals in Zürich saß. Sitz der Holding ist weiterhin die Schweiz, weshalb auch in dieser Finanzierungsrunde zum Schweizer Recht beraten wurde – aufseiten von GetYourGuide wie in den Vorrunden von Walder Wyss.

KKR – Lead Investor in der C-Finanzierungsrunde – Sunstone Capital und Nokia Growth Partners hatten, wie oft bei Anschluss-Finanzierungsrunden üblich, keine externen Berater mehr mandatiert, sondern steuerten die Finanzierungsrunde über die Gesellschaft. 2015 waren Hengler (KKR) und Lacore (Nokia Growth Partners) als externe Berater dabei, Sunstone steuerte das Investment Inhouse. (Eva Lienemann)

Bei Spielern ist es seit langem üblich, bei Trainern kommt es in Mode: Dass Fußballvereine aber auch für Talentscouts hohe Ablösesummen zahlen, ist eine neue Entwicklung im Profigeschäft. Jüngstes Beispiel: Sven Mislintat, Fußball-Direktor beim Bundesligisten Borussia Dortmund (BVB), wechselt zu Arsenal London. Dort erwartet ihn Medienberichten zufolge ein Jahresgehalt von rund 1,8 Millionen Euro.

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Markus Bohnau

Mislintat war seit rund zehn Jahren beim BVB, unter anderem als Chefscout unter dem ehemaligen Trainer Thomas Tuchel. Nach der Trennung von Tuchel wurde Mislintat zum Direktor Fußball befördert. Unter seine Ägide fällt beispielsweise die Verpflichtung des Franzosen Ousmane Dembélé, der 2016 für etwa 15 Millionen Euro Ablösesumme zum BVB kam und zu Saisonbeginn 2017/2018 für insgesamt etwa 150 Millionen Euro zum FC Barcelona wechselte. Mislintat hatte eigentlich noch einen Vertrag beim BVB bis 2021. Nachfolger Mislintats bei Borussia Dortmund wird Markus Pilawa.

Der Wechsel zeigt einen möglichen neuen Trend im Profifußball auf: Nachdem es zuletzt bereits in Mode kam, für Trainer hohe Ablösesummen zu zahlen, interessiert sich der Markt nun auch zunehmend für die Experten hinter den Trainerteams. So wechselte beispielsweise im Sommer der Kaderplaner des FC Bayern München, Michael Reschke, zum VfB Stuttgart; auch Fitnesstrainer oder Ernährungsberater stehen zunehmend auf der Liste der großen Proficlubs.

Berater Arsenal London
Inhouse (London): Svenja Geissmar (General Counsel) – aus dem Markt bekannt
Kliemt & Vollstädt
(Düsseldorf): Dr. Markus Bohnau, Jan Ricken
Lewis Silkin (London): Michael Burd – aus dem Markt bekannt

Berater Borussia Dortmund
Inhouse
(Dortmund): Dr. Robin Steden (Leiter Recht)

Hintergrund: Kliemt kam über das arbeitsrechtliche Netzwerk Ius Laboris ins Mandat. Die britische Kanzlei Lewis Silkin ist dort wie Kliemt Mitglied und holte Bohnau und Ricken ins Boot, weil der Vertrag nach deutschem Recht geschlossen werden sollte. Die Arsenal-Inhouse-Counsel Geissmar ist gebürtige Deutsche, wurde aber in England zur Juristin ausgebildet. Seit rund acht Jahren ist sie bei dem englischen Erstligisten. Zuvor war sie unter anderem bei dem Fernsehsender MTV tätig. Lewis Silkin-Partner Burd ist soweit bekannt regelmäßig für Arsenal London tätig.

Borussia Dortmund ist bekannt dafür, Vertragsangelegenheiten ohne externe Hilfe zu verhandeln. So brachte Chefjurist Steden beispielsweise auch die Vertragsverlängerung von Marco Reuss in trockene Tücher.

Ob Sven Mislintat sich anwaltlich beraten ließ, ist nicht bekannt. (Catrin Behlau)