White & Case-Energieteam zerbricht

Peter Rosin gründet eigene Kanzlei

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  • JUVE

Peter Rosin, einer der bekanntesten Energierechtler in Deutschland, verlässt seine bisherige Kanzlei White & Case. Gemeinsam mit of Counsel Prof. Dr. Ulrich Büdenbender (71) und weiteren White & Case-Anwälten wird der 57-Jährige zum Jahreswechsel in Essen die Beratungsboutique Rosin & Büdenbender gründen, der alle ehemaligen White & Case-Anwälte als Partner beitreten.

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Peter Rosin
Peter Rosin

Beide Berater haben über 20 Jahre Erfahrung in der Energiebranche. Mit ihnen wechseln auch die bisherigen of Counsel Prof. Dr. Michael Bartsch und Dr. Ralf Schäfer sowie die bisherigen Local-Partnerinnen Jana Michaelis, Dr. Kristin Spiekermann und Christina Will.

Rosin war lange bei RWE tätig, bevor er 2001 zu Clifford Chance ging. Dort baute er eines der größten Energierechtsteams auf, mit dem er den Markt bis zuletzt prägte. Rosin war immer wieder an wegweisenden Gerichtsverfahren und Beratungsprojekten in der deutschen Energiebranche beteiligt. Er ist zudem als Schiedsrichter tätig und verantwortete von der regulatorischen Seite her maßgebliche Deals wie etwa den Amprion-Kauf durch die Commerz Real und zuletzt den Verkauf der Steag Fernwärme.

Auch Büdenbender war lange bei RWE tätig – zunächst als Justiziar in der Rechtsabteilung, später als Personaldirektor und von 1991 bis 1998 als Mitglied des Vorstands der RWE AG. Dann holte ihn Rosin 2002 als of Counsel in das Clifford-Team. Zunächst nur als fachlicher Berater gekommen, wuchs er zusehends auch in die beratende Tätigkeit der Kanzlei hinein.

Schwierige Rahmenbedingungen

Ulrich Büdenbender
Ulrich Büdenbender

Hintergrund der Entscheidung für die Gründung einer eigenen Boutique dürfte unter anderem die Schwierigkeit sein, Regulierungsberatung in der Großkanzleistruktur anzubieten. Dass die in internationalen Großkanzleien immer mehr auf hohe Margen getrimmten Strukturen zu einem Problem für die Regulierungsrechtler geworden war, zeigte sich schon im Jahr 2015, als das Team den Entschluss fasste, fast komplett zu White & Case zu wechseln.

Clifford war in dieser Zeit geprägt von einem Umstrukturierungskurs, wie ihn in den vergangenen Jahren viele internationale Kanzleien durchliefen: Weg von einem breiten Beratungsansatz, hin zu einem auf hohe Margen angelegten Beratungsgeschäft, das vor allem internationale Transaktionen im Auge hat. Diese Entwicklung ließ sich im vergangenen Jahr auch bei Freshfields Bruckhaus Deringer beobachten, wo sich einige prominente Öffentlichrechtler – genau wie nun Rosin und Büdenbender – in einer Boutique selbstständig machten.

Bereits den Wechsel des Rosin-Teams zu White & Case beurteilten viele Wettbewerber kritisch. Denn auch White & Case strebte schon nach margenträchtigem Geschäft – die großen Regulierungsverfahren, die das Rosin-Team zum Teil führte, passten weniger in diese Ausrichtung. Daher hatte sich die Einheit in den vergangenen Jahren bereits verschlankt und den Beratungsschwerpunkt stärker in Richtung M&A und Finanzierung verschoben.

Generationswechsel auch im M&A

Thomas Burmeister
Thomas Burmeister

Bei White & Case verbleiben aus dem inneren Kreis des Rosin-Teams Partner Thomas Burmeister (47) sowie sechs Associates, die im Energierecht besonders spezialisiert sind. Burmeister wird das Düsseldorfer Energierechtsteam in Zukunft alleine leiten und weiterhin auf der Regulierungsseite Sparringspartner des Finanzierungsexperten Florian Degenhardt und des Corporate-Partners Dr. Jörg Kraffel sein. Letzterer arbeitet nicht nur sehr eng mit dem Team zusammen, sondern war auch derjenige, der Rosin seinerzeit zu White & Case lotste. Die beiden arbeiteten schon bei Clifford eng zusammen, bevor Kraffel zu White & Case wechselte. Auch künftig will man eng zusammenarbeiten. Unter anderem auch, um den in der Szene sehr bekannten Düsseldorfer Energierechtstag weiter gemeinsam mit der Universität Düsseldorf auszurichten.

Unabhängig von diesen Entwicklungen werden in Frankfurt die beiden langjährigen M&A-Partner Andreas Stilcken (59) und Markus Hauptmann (60) zum Jahresende aus der Partnerschaft austreten. Beide betonen, wie auch die Kanzlei, dass ihr Retirement ein normaler biographieadäquater und einvernehmlicher Schritt sei. Einen Wechsel in eine andere Großkanzlei oder eine Neugründung planen sie nach JUVE-Informationen nicht.

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