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15.12.2005

Bieterverfahren um AHBR: Weil Gotshal mit Lone Star erfolgreich

Lone Star übernimmt die Mehrheit an der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR). 88 Prozent der Anteile gehen an den Finanzinvestor, die restlichen 12 Prozent bleiben zunächst in der Hand der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften (BGAG). Lone Star verfügt jedoch über eine Call-Option. Einen Verkaufspreis gaben die Beteiligten nicht bekannt. Laut eines Berichts im ‚Handelsblatt‘ erhält Lone Star für die Übernahme rund 400 Millionen Euro.

Der Investor setzte sich damit in dem seit Jahresbeginn andauernden Bieterverfahren durch. Lone Star galt stets als aussichtsreichster Bieter um die gewerkschaftseigene AHBR. Lange Zeit befanden sich Medienberichten zu Folge auch die US-Finanzinvestoren Christopher Flowers und Goerge Soros sowie Merrill Lynch aussichtsreich im Rennen. Frühzeitig hatten sich hingegen Cerberus, das Private-Equity-Haus Texas Pacific Group, die zur BGAG gehörende Hypothekenbank sowie Eurohypo aus dem Bieterkreis verabschiedet.

Mit dem Verkauf der AHBR schließt die BGAG ihre 1990 begonnen Veräußerungen von Beteiligungen weitestgehend ab. Außerdem ist nun auch der Weg frei für den im Oktober beschlossenen Verkauf der BHW an die Postbank.

Wegen der im Herbst bekannt gewordenen finanziellen Schieflage bei AHBR stand der Vollzug der Transaktion noch unter dem Vorbehalt, dass die Postbank keinerlei Risiko an der Hypothekenbank tragen muss. Die BHW war damals noch zu 49,9 Prozent an ihr beteiligt. In Folge hatte man die AHBR in eine Zweckgesellschaft ausgegliedert und von dem BHW-Verkaufsprozess abgespalten.

Lone Star gilt als spezialisiert auf Not leidende Kredite. 2004 übernahm der Investor ein Kreditpaket von 3,6 Milliarden Euro von der Hypo Real Estate. Dresdener Bank und Aareal Bank veräußerten weitere Pakete an Lone Star. Durch die Übernahme der Mitteleuropäischen Handelsbank von der NordLB sicherte sich der Fond jüngst eine Banklizenz in Deutschland. (Mathieu Klos)

Berater Lone Star
WEIL GOTSHAL & MANGES (Frankfurt): Dr. Uwe Hartmann, Jürgen Börst (beide Federführung), Stephan Grauke; Associates: Dr. Christian Tappeiner, Konrad von Buchwaldt, Denis Bacina, Dr. Michael Bokelmann, Judith Garritzmann, Björn Krausgrill, Corinna Magnusen, Daniel Panajotow, Dennis Oswell, Dr. Christiane Pöppelmann, Bernhard Rehbein, Dr. Annette Ruth, Michaela Schmitt, André Suttorp, Dr. Rastko Vrbaski, Torsten Wehrhahn

Berater BGAG
GÖRG (Köln/Frankfurt): Dr. Wolfgang König (M&A), Dr. Mark Oliver Kersting (Bankrecht), Dr. Volker Schacht (Steuerrecht); Associate: Dr. Julian Fischer – Begleitung des Verkaufs
FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER (Frankfurt): Dr. Ernst Thomas Emde (Bank- und Unternehmensrecht), Dr. Thomas Schmuck (Unternehmensrecht), Dr. Thomas Lübbig (Kartellrecht, Berlin); Associates: Bernhard Maluch, Dr. Stephan Reemts (beide Unternehmensrecht), Christine Feuerhake (Kartellrecht, Berlin) – Begleitung des Verkaufsprozesses
@SHEARMAN & STERLING (Frankfurt): Dr. Roger Kiem (aus dem Markt bekannt) – Beratung zum Bankaufsichtsrecht
INHOUSE (Berlin): Nicht bekannt

Berater BdB
LATHAM & WATKINS (Frankfurt): Dr. Uwe Eyles (Bankaufsichts- und Gesellschaftsrecht), Dr. Marcus Herrmann (beide Federführung, M&A/Gesellschaftsrecht), Volker Schäfer (Bankaufsichts- und Gesellschaftsrecht); Associates: Dr. Roland Maaß (M&A/Gesellschaftsrecht), Kai Schaffelhuber (Bankaufsichts- und Gesellschaftsrecht), Frederik J. Johannesdotter (Gesellschaftsrecht)

Berater Merrill Lynch
LINKLATERS OPPENHOFF & RÄDLER (Frankfurt): Christoph Vaupel (Federführung), Dr. Kurt Dittrich (Kapitalmarktrecht), Andreas Steck (Aufsichtsrecht), Dr. Michael Tepass (Arbeitsrecht), Dr. Martin Krause (Steuerrecht); Associates: Isabell Ries, Dr. Franz Schmitz, Frederik Winter, Dr. Daniela Cohn-Heeren, Dr. Daniela Maas, Volker Gattringer, Dr. Sven Schelo, Thomas Faas, Dr. Sven Piegsa
ASHURST (Frankfurt): Reinhard Eyring, Dr. Nikolaus von Jacobs (beide Federführung/Corporate), Dr. Andreas Zahn (Finanz- und Bankaufsichtsrecht), Dr. Karl Wach (Litigation, München), Andreas Vogel (Arbeitsrecht); Associates: Dr. Oliver Hein, Dr. Eva Buchmann, Daniel Schmachtenberg, Gerrit Clasen (alle Corporate), Clemens Kaune (Finanz- und Bankaufsichtsrecht), Gaby Eickstädt (Kartellrecht), Tobias Neufeld, Juditha Kross (alle Arbeitsrecht), Dr. Jutta Geiger (Öffentliches Recht), Philipp Beckers, Eva Bonacker, Konrad Kern, Frank Meckes (alle Litigation, München)
INHOUSE (Frankfurt/London): Henning von Sachsen-Altenburg

Berater Eurohypo/Flowers und Soros
HENGELER MUELLER (Berlin): John Flüh – aus dem Markt bekannt

Im Wesentlichen gab es im AHBR-Bieterverfahren altbekannte Gesichter auf der Beraterseite:

Beim Eigentümer BGAG ist der Essener Görg-Partner und Sanierungsexperte Dr. Helmut Balthasar bereits seit Ende des vergangenen Jahres aktiv. Balthasar wurde seinerzeit in den Vorstand geholt, um die Restrukturierung der Gesellschaft zu unterstützen. Nach Darstellung der BGAG ist er für die Fokussierung der Holding auf die Kernaufgaben gewerkschaftlichen Engagements verantwortlich. Sein Partner Wolfgang König kam erst Anfang 2005 aus dem geschlossenen Berliner Büro von Clifford Chance und wurde bereits im BHW-Postbankdeal für die BGAG eingebunden.

Auch Freshfields-Partner Schmuck war damals schon für die Gewerkschaftseigene Holding tätig, ebenso wie Sherman-Partner Kiem.

Latham-Partner Eyles beriet bereits im Oktober den BdB bei der BHW-Veräußerung. Er ist regelmäßiger Berater des Bundesverbandes. Unter anderem war er auch im Zusammenhang mit der Krise und dem Verkauf der Hofer SchmidtBank zugegen.

Alt bekannte Berater auch auf Seiten der Käuferin: Weil Gotshal gehört in Deutschland – zusammen mit Freshfields – zu den Hauptberatern von Lone Star. Die Kanzlei hatte die Investmentgesellschaft bereits beim Erwerb notleidender Kredite im Wert von 490 Millionen Euro von der Hypo Real Estate Bank AG im Dezember 2003 beraten und beim Kauf von Forderungen in Höhe von 200 Millionen Euro von der insolventen Gontard & Metallbank im Sommer vergangenen Jahres.

Hengeler unterhält ebenfalls langjährige Kontakte zu JC Flowers: Der Berliner Partner Flüh beriet den Investor vor drei Jahren bei der geplanten Übernahme der Berliner Bankgesellschaft.
Ashurst dagegen dürfte mit der Mandatierung durch Merrill Lynch ein Erfolg gelungen sein. Marktbeobachtern war die Kanzlei in Deutschland bislang nicht an der Seite der Investmentbank aufgefallen.

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