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30.07.2009

Innovativ: CMS begleitet ersten deutschen SPAC bei AEG Power-Kauf

Germany 1 Acquisition, das erste leere Übernahmevehikel mit Fokus auf Unternehmen im deutschsprachigen Raum, übernimmt den nordrhein-westfälischen Solarzulieferer AEG Power Solutions für 532 Millionen Euro vom US-Finanzinvestor Ripplewood. Damit hat Germany 1, ein so genannter SPAC (Special Purpose Acquisition Company), nach rund einem Jahr ein Kaufziel gefunden, das im nächsten Schritt an die Börse gebracht werden soll. Ein SPAC ist eine leere Börsenhülle ohne operatives Geschäft. Sein einziger Zweck ist es, dass innerhalb von zwei Jahren ein bis dahin nicht an der Börse gelistetes Unternehmen in die leere Hülle schlüpft und so den Weg an den Kapitalmarkt findet.

AEG Power Solutions, ein Lieferant von Stromversorgungen, erzielte 2008 mit weltweit 1.600 Mitarbeitern einen Umsatz von 343 Millionen Euro. Der Kaufpreis von 532 Millionen Euro wird zu 200 Millionen Euro in bar sowie in 19,2 Millionen neuen Germany 1- Aktien bezahlt. Die Hauptversammlung von Germany 1 muss den Plänen im August noch zustimmen, danach soll AEG Power Solutions an der Frankfurter Börse gelistet werden.

Mit AEG Power Solutions kehrt ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte an die Börse zurück. Das Unternehmen ist aus der 1887 gegründeten Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft hervorgegangen. 1996 wurde der traditionsreiche Elektrokonzern aufgelöst. In den USA sind IPOs leerer Unternehmenshüllen verbreitet, in Europa dagegen Neuland. Die Deutsche Bank hatte Germany 1 im vergangenen Jahr an die Amsterdamer Börse gebracht und dafür 250 Millionen Euro eingesammelt.

Dem Anleger wird eine Absicherung geboten, schlimmstenfalls bekommt er nach dieser Zeit sein Geld mit einer geringen Verzinsung zurück. Gelingt ein Kauf innerhalb von 24 Monaten nicht, wird das SPAC aufgelöst. Hinter Germany 1, mit Sitz auf der Insel Guernsey, stehen vor allem der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, der Unternehmensberater Roland Berger sowie der Investmentbanker Florian Lahnstein. (René Bender)

Berater Germany 1
INHOUSE (Berger Lahnstein Middelhoff & Partners; London): Ian Noetzel (General Counsel)
@CMS HASCHE SIGLE: Dr. Udo Simmat (Federführung; Stuttgart), Ralf Kurney (Berlin; beide Corporate/M&A), Dr. Andreas Zanner, Philipp Melzer, Volker Potthoff (alle Kapitalmarktrecht; alle Frankfurt), Dr. Matthias Eck (IP; Due Diligence), Dr. Oliver Simon (Arbeitsrecht; Due Diligence), Dr. Harald Kahlenberg (Kartellrecht; alle Stuttgart); Associates: Till Benjamin Liebau (Corporate; Koordination Due Diligence), Dr. Jacob Siebert (M&A/Corporate; Stuttgart), Laurence Schultz (München), Holger Hirschberg, Peter Holst (beide Frankfurt; alle Kapitalmarktrecht), Helen Braun (Commercial; Due Diligence; Düsseldorf)
CMS BUREAU FRANCIS LEFEBVRE (Paris): Jacques Isnard, Alexandra Rohmert
CMS DERKS STAR BUSMANN (Amsterdam): Reinout Slot, Clair Wermers, Laurens Dalmijn
CMS CAMERON MCKENNA (London): Michael Jones (Capital Markets)
PORZIO BROMBERG & NEWMAN (New York): Christopher Schultz, Christopher van Elk
CAREY OLSEN (Guernsey): David Crosland, Tom Carey

Berater Ripplewood
DEBEVOISE & PLIMPTON (New York): Jeffrey Rosen (Federführung; New York), David Schnabel (Steuern; New York), James Scoville, Guy Lewin-Smith (beide Corporate; beide London), Dr. Friedrich Hey (Steuern; Frankfurt), Philipp von Holst (Kapitalmarktrecht/Corporate; Frankfurt); Associates: Meir Katz (Corporate; New York), Todd Carpunky, Hannah Greig (beide Kapitalmarktrecht; beide London), Andreas Striegel (Steuern), Daniel Wiedmann (Kartellrecht; beide Frankfurt)

Beim IPO des SPAC an der Amsterdamer Börse vor einem Jahr mandatierte Germany 1 noch Weil Gotshal & Manges, die hierzulande bislang für IPO-Beratung wenig bekannt ist. Nach Einschätzung verschiedener Marktbeobachter waren die rechtlichen Verhandlungen seinerzeit recht zäh verlaufen.

Für den Fortlauf der Transaktion suchte sich das Übernahmevehikel nun mit CMS eine neue Beraterin, die über Kontakte zum Investor Lahnstein und einen anschließenden Pitch in das Mandat kam. Für die Kanzlei ist die Akquisition des Mandats bei dieser innovativen Finanzierungsstruktur auch perpektivisch ein Erfolg, denn SPAC-Transaktionen könnten künftig auch hierzulande häufiger stattfinden.

Debevoise begleitet Ripplewood vor allem in den USA häufig.

Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 27. Juli 2009

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