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10.05.2010

Zünglein an der Waage: Linklaters begleitet Cerberus bei Woolworth-Verkauf

Die insolvente Warenhauskette Woolworth hat einen neuen Eigentümer. In einem von der Investmentbank Rothschild strukturierten Verkaufsprozess setzte sich der strategische Investor HH Holding aus Bönen bei Dortmund durch. Hinter der Holding stehen die Tengelmann-Eigentümerfamilie Haub sowie der Kik-Gründer und Geschäftsführer Stefan Heinig.

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Dirk Lange

Durch den Verkauf soll nach Medienberichten ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag in die Insolvenzmasse von Woolworth Deutschland fließen.

Die beiden als Billigtextilhändler positionierten Kik und Woolworth werden damit unter dem Dach der HH Holding zusammengeführt. Kik will die verbliebenen 162 Woolworth-Filialen ab Juli in einem neuen Konzept weiterführen und bietet allen ehemaligen 4.300 Woolworth-Mitarbeitern befristete Arbeitsverträge von einem Jahr an. Die Zentrale in Frankfurt-Niederrad mit fast 200 Beschäftigten wird allerdings geschlossen. Eine Zustimmung des Gläubigerausschusses ist erfolgt, die Prüfung durch das Bundeskartellamt steht dagegen noch aus.

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Wolfram Krüger

Mit dem Neueigentümer hat sich der Favorit des Vermieters der Woolworth-Immobilien, der US-Finanzinvestor Cerberus Capital Partners, in dem Bieterverfahren durchgesetzt. Bis zuletzt galt der auf den Einzelhandel spezialisierte US-Investor Gordon Brothers als weiterer aussichtsreicher Kandidat. Das Unternehmen hatte dem Insolvenzverwalter und Ceberus bereits ein ausführliches Sanierungskonzept für die insolvente Kaufhauskette vorgelegt. Der Plan scheiterte jedoch daran, dass sich Cerberus nicht von 82 Filialen trennen und auf Gordon Brothers übertragen wollte.

Neben Gordon Brothers sollen noch zwei weitere Bieter am Verfahren beteiligt gewesen sein, darunter der Münchner Turnaround Spezialist Dubag – Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG.

Die DWW Deutsche Woolworth hatte im April 2009 durch ihren Verfahrensbevollmächtigten, Alfred Hagebusch, Partner der Kanzlei Wellensiek, einen Insolvenzantrag gestellt (mehr…). Als Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Frankfurt Ottmar Herrmann. Während der Sanierung konnten 150 kleinere Filialen der usprünglich 310 Standorten geschlossen oder an Handelsketten wie NKD, Rewe und Edeka verkauft werden. Woolworth soll 2010 einen Umsatz von 500 Millionen Euro und einen zweistelligen Millionen-Gewinn erwirtschaften. Im Jahr vor Anmeldung der Insolvenz soll ein Verlust von 27 Millionen Euro zu Buche gestanden haben. (Marcus Jung)

Berater HH Holding
Aderhold (Dortmund): Prof. Dr. Lutz Aderhold, Dirk Lange (beide Federführung), Jan Hartmann (alle Gesellschaftsrecht/M&A), Lars Thiesen (Arbeitsrecht; alle Düsseldorf), Dr. Wolfgang Nockelmann (IP), Hubertus von Erffa, Till Vosberg (beide Insolvenzrecht; Leipzig); Associates: Timo Pohle (Düsseldorf), Christian Teuber (beide Corporate/M&A)
Hermanns Wagner Brück (Meerbusch): Johann Brück, Corinna Neunzig (beide Kartellrecht)

Berater Insolvenzverwalter Ottmar Hermann
Hermann (Frankfurt): Daniel Fritz (Federführung), Julia Kappel-Knirs (Insolvenzrecht/Mietrecht), Frank Bassermann; Associate: Dr. Michael Ott (Federführung; beide M&A/Insolvenzrecht)
Norton Rose (Frankfurt): Lars Jessen (Restrukturierung/M&A), Thomas Hopf (Immobilienrecht), Dr. Uwe Hartmann (Steuerrecht), Dr. Andrej Latinovic (Immobilienrecht); Associates: Marlene Martin (Restrukturierung/M&A), Marc Oehler (Immobilienrecht; München)
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Thorsten Mäger (Kartellrecht; Düsseldorf), Dr. Daniel Weiß (Corporate), Dr. Karsten Schmidt-Hern (Finanzrecht)
Schott Löscher Willke (Frankfurt): Markus Willke, Marc-Thilo Schott (beide Corporate); Associate: Golnaz Frud – Koordination Datenraum, Due Diligence

Berater Cerberus Capital Partners
Linklaters (Frankfurt): Wolfram Krüger (Immobilenrecht), Dr. Sven Schelo (beide Federführung; Restrukturierung/Insolvenzrecht), Dr. Jochen Laufersweiler (Gesellschaftsrecht/Restrukturierung), Dr. Carsten Grave (Kartellrecht; Düsseldorf), Michael Tepass (Arbeitsrecht), Michael Steinbrecher (Immobilienrecht); Associates: Dr. Sabine Vorwerk (Restrukturierung/Insolvenzrecht), Daniel Buchinger, Dr. Fabian Hartwich, Dr. Marc Banzhaf (alle Immobilienrecht), Stefan Einhaus (Kartellrecht; Düsseldorf), Dorit Beeken (Arbeitsrecht)

Berater Gordon Brothers
Salans
(Frankfurt): Andreas Ziegenhagen (Federführung; Berlin), Dietmar Schulz (beide Restrukturierung), Marcus Longino (Arbeitsrecht; Berlin), Daniel Marschollek (IP), Sebastian Schmid (Immobilienrecht), Dr. Jörg Karenfort (Kartellrecht; Berlin); Associates: Dirk Schoene (Berlin), Anna Schewtchenko (beide Restrukturierung), Josef Hainz (Kartellrecht), Dr. Veit Voßberg (Arbeitsrecht; beide Berlin)

Berater Dubag
Corso: Dr. Andreas Lenz (Federführung; Gesellschaftsrecht/M&A; Köln ), Dr. Karin Heilmann (Arbeitsrecht, Berlin); Associates: Julia Sprenger (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Ralf Lotze (Kartellrecht; beide Köln), Bastian Rieck (Gesellschaftsrecht; Berlin)

Hintergrund: Die Transaktion basiert auf einer ungewöhnlichen Situation: Zahlreichen Beteiligten zufolge kam dem Immobilieninhaber Cerberus eine entscheidende Rolle in dem Bieterverfahren zu. So soll der Finanzinvestor stark auf einen Zuschlag für den strategischen Investor HH Holding hingewirkt haben, der sich in den vergangenen Jahren mit seinen Tochtergesellschaften Kik und Tedi sehr expansiv gezeigt hatte. Zumindest Bieter Gordon Brothers, der sich bereits mit dem Gläubigeraussschuss und der Kartellbehörde abgestimmt hatte, geriet so allem Anschein nach ins Nachtreffen.

Überraschungen gab es zudem bei den beratenden Kanzleien. So zeigte sich Linklaters zum ersten Mal prominent an der Seite von Cerberus. Das Mandatsverhältnis geht auf Herbst 2007 zurück, als sich die Beteiligungsgesellschaft mit der Akquisition des Woolworth-Immobilienportfolios von der früheren Eigentümerin Argyll Partners beschäftigte. Schon damals steuerte ein Team aus Gesellschafts- und Immobilienrechtlern von Linklaters die Sale-and-lease-back-Transaktion für Cerberus. Seitdem betreuen Immobilien-Partner Krüger und Restrukturierungsspezialist Schelo vor allem bei Abverkäufen und Restrukturierungen.

Ansonsten gilt Freshfields Bruckhaus Deringer als treue Begleiterin von Cerberus. Der Kölner Partner Ludwig Leyendecker hat eine langjährige Beziehung aufgebaut und beriet die Beteiligungsgesellschaft beim Chrysler-Einstieg 2007 (mehr…).

Ein stabiles Mandatsverhältnis sagt man auch der US-Sozietät Shearman & Sterling zur Tengelmann-Gruppe nach. Der Düsseldorfer Gesellschaftsrechtler Wilke beriet den Einzelhandelskonzern bei dem Verkaufsprozess der Plus-Märkte in Deutschland und im europäischen Ausland. Dem Vernehmen nach soll hier die Beziehung von Stefan Heinig, der mit über 15 Prozent an der HH Holding beteiligt ist, zu Aderhold den Ausschlag für die Mandatierung gegeben haben. Dem Kik-Geschäftsführer werden insbesondere enge Beziehungen zum Dortmunder Stammsitz und Namenspartner Aderhold nachgesagt.

Dagegen zählt die angesehene Kartellrechtskanzlei Hermann Wagner Brück zu den Hauskanzleien der Tengelmann-Gruppe.

Der Kontakt der deutschen Salans-Anwälte zu Gordon kam über das Londoner Büro der Kanzlei zustande. Seitdem der Investor im vergangenem Jahr eine Niederlassung in Frankfurt eröffnet hat, intensivierte sich die Verbindung auch in Deutschland. Derzeit betreut die Sozietät Gordon bei diversen Projekten wie Unternehmensbeteiligungen.

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