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22.10.2010

Mit deutsch-japanischer Weisheit zum Ziel

Über die Achse Tokio-Frankfurt unterstützt KPMG Law NPC beim Erwerb von Meier Solar aus der Insolvenz

Hast du es eilig, so mache einen Umweg. Dass dieses alte japanische Sprichwort das Verhalten von Geschäftspartnern aus Fernost heute noch treffend charakterisiert, bestätigt ein Anwalt, der regelmäßig Mandanten aus Japan betreut: „Die einzelnen Entscheidungen werden immer genau durchdacht.“ Im Gegenzug seien die Unternehmer aus Fernost zuverlässige Geschäftspartner, die – einmal entschieden – ihr Wort halten. „Doch allein, dass bei einer Auktion der Verkäufer eine Deadline für das Angebot und damit auch das Tempo vorgibt, ist für japanische Interessenten eine schwierige Situation“ erklärt der Anwalt weiter. 

So ist es umso erstaunlicher, dass es ausgerechnet der Maschinenbauer NPC aus Tokio ist, der Meier Solar Solutions aus der Insolvenz erworben hat. Denn der Anfang Juli zum vorläufigen Insolvenzverwalter des angeschlagenen Solarunternehmens bestellte Dr. Sebastian Henneke aus Duisburg hatte einen extrem straffen Zeitplan vorgesehen: Innerhalb von zwei Monaten wollte Henneke die Übertragung der Assets an einen neuen Investor abschließen. Die gute Auftragslage des Herstellers von Laminatoren zur Verkapselung von Solarmodulen sollte dadurch gesichert werden.

Großes Interesse. Rund 40 an der an sich gesunden Firma interessierte Bieter meldeten sich, darunter der Maschinenbauer NPC aus Tokio. An seiner Seite war ein Team von KPMG Law um den Frankfurter Corporate-Partner Dr. Volker Balda. Dass NPC auf KPMG Law zurückgriff, ist durchaus nachvollziehbar. Vor rund zwei Jahren hatte die KPMG AG den Hamburger Finanzinvestor Granville Baird als Unternehmensberatung begleitet, als er die Mehrheit an dem Unternehmen erwarb, das damals unter Meier Vakuumtechnik firmierte und im Besitz des Gründers war. Daher kannte KPMG das Marktumfeld des in der Solarbranche tätigen Unternehmens, zu dem auch NPC als Solarmaschinenbauer gehört. Als nun Meier Solar in Schwierigkeiten geraten war, reagierte KPMG umgehend und sprach NPC als potenzielle Investorin für das Bocholter Unternehmen an. Dank der Präsenz des KPMG-Verbunds in 146 Ländern, darunter auch Japan, war der Kontakt zu NPC über die Corporate-Finance-Kollegen in Tokio schnell hergestellt.

Das KPMG-Angebot umfasste ein integriertes, deutsch-japanisches Team aus M&A-Beratern, Due-Diligence-Experten und Juristen, das auch Know-how bei Transaktionen unter Beteiligung von Unternehmen aus der Insolvenz vorweisen konnte: hatte Balda doch erst Ende 2009 das insolvente Luxusmodehaus Escada bei ihrer viel beachteten Rettung durch die indische Industriellenfamilie Mittal federführend mitbegleitet. Hinzu kam der Wissensvorsprung aus der Übernahme von Meier Solar 2008, die KPMG NPC gegenüber vorweisen konnten.
Allerdings erfolgte erst Anfang August die erste Kontaktaufnahme des Investors mit Henneke. Nur noch gut drei Wochen blieben. Kenner von Deals mit japanischer Beteiligung berichten von mindestens acht Wochen, die man für eine Transaktion veranschlagen müsse. Es eilte. Der dem japanischen Sprichwort zufolge in dieser Situation erforderliche Umweg hieß nun Balda. Aus hiesiger Sicht würde man vielleicht eher sagen, er war die Abkürzung. Der KPMG Law-Partner gehörte zu den ersten Anwälten, die 2007 in den kurz zuvor neu gegründeten Rechtsberatungsarm des WP-Giganten gewechselt waren.

Kulturelles Abenteuer. Von Frankfurt aus fungierte er fortan als eine Art interkulturelle Schnittstelle zu Japan und koordinierte auch den sprachlichen Spagat zwischen Japanisch, Englisch und Deutsch. Die Zeitverschiebung von sieben Stunden sah man sportlich. Die Standorte in Deutschland und Japan konnten im fliegenden Wechsel durcharbeiten und die Zeit optimal ausnutzen. Dass KPMG in kürzester Zeit mit einem integrierten Team in Japan und Deutschland vor Ort war, half vor allem dabei, kulturelle Unterschiede zu überbrücken. Denn dass das Kaufpreisangebot von NPC zum Beispiel mit 8,8 Millionen Euro gleich zwei Mal die japanische Glückszahl Acht enthält, wird wohl kein Zufall gewesen sein.

Neben der Zahl, die sich als Höchstangebot herausstellte, und der Einhaltung des Zeitrahmens war das Profil des japanischen Unternehmens entscheidend für den Zuschlag von Henneke und den Hauptgläubigern: Henneke hatte nach einem strategischen Investor gesucht, der bereits im Markt etabliert ist, ohne zu den unmittelbaren Wettbewerbern von Meier Solar zu gehören. Bei aller Eile und allen „Umwegen“ wurde es doch noch knapp: Bis um ein Uhr in der Nacht zum Insolvenzeröffnungstag verhandelte Baldas Team die Endfassung des Vertrags, am nächsten Morgen im Sheraton-Hotel am Frankfurter Flughafen wurde der Kauf dann perfekt gemacht: Pünktlich zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens konnte Henneke den neuen Investor aus Japan präsentieren, der die beiden Produktionsstandorte Bocholt und Roßla sowie die rund 110 Arbeitnehmer übernimmt.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist und Meier Solar Insolvenz anmelden musste, ist Unternehmensangaben zufolge einem Rechtsstreit geschuldet. Das Verfahren ist noch anhängig und spielt sich laut Marktinformationen zwischen der Insolvenzschuldnerin und dem Gründer Aloys Meier ab. Es soll um den damaligen Verkaufspreis von rund 50 Millionen Euro gehen, die 2008 für die Mehrheit an Meier Solar Solutions gezahlt wurden. Und wie lautet ein altes, deutsches Sprichwort? Wenn zwei sich streiten… (pke)

Berater NPC
KPMG Law
(Frankfurt): Dr. Volker Balda (Federführung; M&A/Corporate,), Jan Kehbel (Insolvenzrecht; Köln), Dr. Martin Trayer (Arbeitsrecht); Associates: Nicole Baumeister, Max Kleissler, Christoph Breithaupt (alle M&A/Corporate), Dr. Johannes Dittrich (IP; München), Gunars Urdze (Insolvenzrecht; Köln), Jutta Kurth (Kartellrecht), Martin Hörtz (Arbeitsrecht)

Berater Insolvenzverwalter
HRM Henneke Röpke Messerschmidt
(Duisburg): Dr. Sebastian Henneke (Insolvenzverwalter); Associate: Kai-Ulrich Hasskerl Heublein (Berlin): Dr. Gerrit Heublein; Associates: Dr. Urs Per Behrendt (beide Gesellschafts-/ Insolvenzrecht), Johannes Graner (Arbeitsrecht)

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