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02.03.2011

Williams Grand Prix: Mit angezogener Bremse und GSK aufs Börsenparkett

Als erster Formel-1-Rennstall ist das britische Williams-Team heute an die Börse gegangen. Unter dem Namen Williams Grand Prix Holding startete das Unternehmen im schwach regulierten Entry Standard der Frankfurter Börse.

Hendrik Riedel

Mit einem Emissionsvolumen von rund 60 Millionen Euro erlöste Williams aber deutlich weniger als die im Vorfeld erhofften bis zu 80 Millionen Euro. 24 Prozent des Unternehmens werden an der Börse gehandelt. Insgesamt kommt Williams damit auf eine Marktkapitalisierung von 250 Millionen Euro. Die Schweizer Bank Am Bellevue begleitete den IPO als Konsortialführer, daneben stand auch die Münchner Baader dem Emittenten zur Seite. Der IPO-Erlös fließt direkt in die Taschen der Eigentümer.

Der größte Teil der Aktien stammt vom Williams-Mitgründer Patrick Head, der am Ende der kommenden Renn-Saison in Ruhestand gehen will. Weitere Anteile gab Gründer und Namensgeber Frank Williams ab, der Mehrheitsaktionär bleibt. Bislang drittgrößter und künftig zweitgrößter Aktionär ist mit mehr als 15 Prozent der österreichische Investor und Ex-Rennfahrer Christian Wolff. Er stellte die Anteile für die letztlich nicht genutzte Mehrzuteilungsoption zur Verfügung.

Der Williams-Rennstall fährt seit den 1970er-Jahren in der Formel 1 mit und zählt zu den erfolgreichsten Teams in der Geschichte der Königsklasse des Automobil-Rennsports. Allerdings sind die großen Zeiten schon länger vorbei, der letzte Sieg in einem Rennen gelang 2004. Dennoch war Williams in den vergangenen drei Jahren profitabel und hatte zuletzt knapp 30 Millionen Euro auf der hohen Kante.

Neben dem Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund ist Williams erst das zweite Sportteam, das in Deutschland an die Börse geht. Im von Williams gewählten Entry Standard sind die Berichtspflichten dabei weit geringer als im Premium-Segment Prime Standard. So kann Williams nach britischem Recht (UK-GAAP) bilanzieren, anstelle nach IFRS-Regeln, wonach die Gesellschaft etwa Konditionen von großen Sponsorenverträgen offenlegen müsste. (René Bender)

Berater Williams
GSK Stockmann + Kollegen
: Hendrik Riedel (Federführung; Kapitalmarktrecht; München), Dr. Dirk Koch (Steuerrecht; Stuttgart); Associate: Dr. Tilman Durchlaub (Corporate; München)
Manches
(Oxford): David Tighe; Associate: Richard Stevens – britisches Recht
Inhouse (Oxford): Mark Biddle

Berater Banken
Nabarro: (London): Iain Newman; Associate: Jack Shepherd

Hintergrund: Wer unter den deutschen IPO-Spezialisten hierzulande auf diese Beraterriege getippt und gewettet hätte, der wäre ungläubig angeschaut worden. Denn niemand unter den Marktteilnehmern und Beobachtern hatte GSK als Emittentenbegleiterin auf dem Schirm, obwohl die Sozietät durchaus über einen Trackrecord im Eigenkapitalmarktrecht verfügt, vorwiegend im Entry Standard und angesichts starker mittelständischer Mandantenbasis vor allem auf Emittentenseite. Partner Riedel kam nun über Kontakte zu Christian ‚Toto‘ Wolff ins Mandat. Den österreichischen Investor kennt er schon länger und begleitete ihn etwa schon 2007 beim IPO der HWA AG im Entry Standard. Auch bei HWA, die die Rennsportaktivitäten von Daimler betreibt, ist Wolff als Großaktionär investiert.

Die an der Seite der Banken stehende Sozietät Nabarro ist die britische Kooperationskanzlei von GSK.