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30.10.2012

Random House fusioniert: Bertelsmann schmiedet unter Inhouse-Führung weltgrößten Buchverlag

Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann und der britische Konkurrent Pearson schließen ihre beiden Töchter Random House und Penguin zum weltgrößten Buchverlag zusammen. Dadurch entsteht ein Unternehmen mit rund drei Milliarden US-Dollar Umsatz.

Bettina Wulf

Bettina Wulf

Bertelsmann wird an der Gesellschaft 53 Prozent halten, Pearson 47 Prozent. An der Spitze des Unternehmens mit Sitz in New York soll Markus Dohle stehen, der derzeitige Chef von Random House. Die Transaktion soll in der zweiten Hälfte 2013 über die Bühne gehen, vorher müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

Penguin und Random House gehören zu den sogenannten Big Six, den sechs Verlagen, die das weltweite Buchgeschäft dominieren. Der neue Verlag Penguin Random House soll vor allem noch stärker in Konkurrenz zum Onlinehändler Amazon treten.

In dem Unternehmen bündeln Random House und Penguin ihre Aktivitäten aus den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Indien und Südafrika. Ebenfalls Teil der Gesellschaft werden die Penguin-Ableger in China und die Random House-Verlage in Spanien und Lateinamerika. Der deutsche Random House-Verlag bleibt außen vor, da der neue Buchkonzern einen großen Teil seiner Geschäfte mit englischen und spanischen Publikationen machen wird.

Zudem ist der deutsche Buchmarkt mit seinem Umsatz zehn Milliarden Euro im Vergleich zu anderen Ländern wirtschaftlich derzeit noch stabil, nicht zuletzt aufgrund fester Buchpreise. ln Großbritannien und den USA werben Online-Anbieter wie Amazon den Buchhändlern dagegen seit Jahren immer mehr Kunden ab.

Für Bertelsmann ist die Übereinkunft mit Pearson das zweite Großprojekt binnen weniger Wochen. Im Gegensatz dazu war allerdings der Versuch, den Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr (G+J) komplett zu übernehmen, kürzlich gescheitert. Bertelsmann und die Familie Jahr konnten sich in Unternehmens-Bewertungsfragen nicht einigen. So hält Bertelsmann weiterhin 74,9 Prozent an Gruner +Jahr, die Holding der Jahrs hat eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.

Berater Bertelsmann
Inhouse (Gütersloh): Bettina Wulf, Denise Abel (beide Corporate), Penny Newman (Wettbewerbsrecht; Brüssel)
Slaughter & May (London): Charles Randell, Craig Cleaver (beide Corporate), Philippe Chappatte, John Boyce (beide Wettbewerbsrecht), David Ives (IP), Sandeep Maudgil (Arbeitsrecht), Tony Beare (Steuern); Associates: Chris Neubauer, Daniel Okusaga, Carsten Wettich (alle Corporate), Natalie Yeung, Mariko Tavernier, Murray Reeve (alle Wettbewerbsrecht), Brett Sherrard (IP), Ed Smith, Sarah Ferguson (beide Arbeitsrecht), James Olsen (Steuern)
Davis Polk & Wardwell (New York): Christopher Mayer, Michael Davis, Ajay Lele (alle Corporate), Harry Ballan (Steuern), Kyoko Lin (Arbeitsrecht), Frank Azzopardi (IP); Associates: Leo Borchardt, Nina Assouline, Zithe Oberholzer (alle Corporate), Arie Rubenstein (Steuern)
Cooley (Washington D.C.): Jacqueline Grise (Kartellrecht)
Uría Menéndez – aus dem Markt bekannt

Berater Pearson
Freshfields Bruckhaus Deringer (London): Simon Marchant, Oliver Lazenby (beide Corporate), Chris Forsyth, Jill Delaney (beide IP) – aus dem Markt bekannt
Morgan Lewis: Benjamin Wills (Philadelphia), Charles Engros (New York; beide US-Recht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Bei der jetzigen Transaktion verzichtete Bertelsmann hierzulande auf externe Anwälte, vor allem weil der deutsche Teil von Random House nicht vom Deals betroffen war. Die Federführung für das Projekt lag gleichwohl bei deutschen Juristen und zwar beim Inhouse-Team am Firmensitz in Gütersloh.

Ansonsten ist Hengeler seit Langem die engste Beraterin, wenn es bei Bertelsmann um wegweisende Corporate/M&A-Themen geht. So begleitete die Kanzlei beispielsweise schon vor zehn Jahren den Einstieg in die RTL-Gruppe und stand den Güterslohern danach auch zur Seite, als sie für 4,5 Milliarden Euro eine Beteiligung des Brüsseler Finanzinvestors Groupe Bruxelles Lambert zurückkauften (mehr…).

Bei der vor wenigen Monaten vorgenommenen Umwandlung der Rechtsform in eine SE setzte der Konzern gesellschaftsrechtlich allerdings auf ein Linklaters-Team um die Düsseldorfer Partner Dr. Ralph Wollburg und Dr. Tim Johannsen-Roth. In kapitalmarktrechtlichen Fragen beriet zudem ein Team von Allen & Overy um Dr. Neil Weiand. (René Bender)

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