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30.10.2012

Telefónica can do: CMS verhilft O2-Mutter an die Börse

Der hoch verschuldete spanische Telekommunikationskonzern Telefónica hat seine profitable deutsche Tochter an die Frankfurter Börse gebracht. Mit einem Emissionsvolumen von 1,45 Milliarden Euro ist es der erste milliardenschwere Börsenstart seit fünfeinhalb Jahren. Telefónica Deutschland ist hierzulande bekannt unter der Marke O2.

Andreas Zanner

Größer war zuletzt die Premiere des Motorenherstellers Tognum im Sommer 2007 (mehr…). In diesem Jahr ist es nach dem Versicherer Talanx (mehr…) erst das zweite große IPO. Als Emissionsbanken begleiteten die UBS und JPMorgan die Transaktion.

Telefónica Deutschland ist der kleinste der vier großen deutschen Mobilfunkanbieter. Seine Kundenzahlen konnte O2 jedoch zuletzt deutlich steigern. Im vergangenen Jahr gewann das Unternehmen rund 1,3 Millionen Mobilfunkkunden dazu, der Umsatz lag bei fünf Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wuchs der operative Gewinn auf 333 Millionen Euro.

Weltweit erwirtschaftete Telefónica zuletzt mehr als 60 Milliarden Euro. Allerdings hat der Konzern mit rund 58 Milliarden Euro fast ebenso hohe Schulden. Deswegen versilbert er derzeit seine Vermögenswerte und trennte sich auch schon vom Callcenter-Betreiber Atento.

Telefónica musste beim Ausgabepreis Abstriche machen, trotz der guten Geschäfte ihrer deutschen Tochter und einer üppigen Dividende, die in Aussicht steht. Noch immer greifen Investoren nur vorsichtig bei Neuemissionen zu. Auch der Versicherer Talanx musste seine Emissionsspanne im volatilen Börsenumfeld kürzlich senken. Telefónica gab seine Papiere nun für 5,60 Euro je Anteil aus. Die Preisspanne lag ursprünglich zwischen 5,25 und 6,50 Euro.

Der Erlös fließt komplett an die spanische Muttergesellschaft, die insgesamt nur rund 23 Prozent an Telefónica Deutschland an die Börse brachte und damit weiterhin noch gut Dreiviertel der Anteile hält.

Neben dem Börsengang der deutschen Tochter prüften die Spanier auch eine Fusion von O2 mit E-Plus. Telefónica verhandelte bereits mit der niederländischen E-Plus-Mutter KPN, die Pläne wurden aber wieder aufgegeben.

Berater Telefónica
Inhouse (München): Marcel Ritter (Leiter Recht) – aus dem Markt bekannt
CMS Hasche Sigle: Dr. Oliver Thurn (Corporate; München), Dr. Andreas Zanner (Kapitalmarktrecht; beide Federführung), Philipp Melzer (Kapitalmarktrecht; beide Frankfurt), Dr. Jochen Schlotter (Frankfurt), Dr. Martin Kuhn (beide Aktienrecht), Dr. Martin Kolbinger (Gesellschaftsrecht/Pre IPO Strukturierung), Dr. Eckhard Schmid (Arbeitsrecht/ESOPs), Dr. Daniel Hofmann (Technologie/Medien; alle München); Associates: Stephan Parrandier, Vanessa Harms (beide Frankfurt), Laurence Schultz (München; alle Kapitalmarktrecht), Alexander Frauer (Aktienrecht), Dr. Simon Sabel, Dr. Anne Meckbach (beide Gesellschaftsrecht/Pre IPO-Strukturierung; alle München)
CMS Cameron McKenna (London): Daniel Winterfeldt, Ahmad Khokher (beide Kapitalmarktrecht/US-Recht), Gary Green (Gesellschaftsrecht/UK-Recht)

Berater Banken
Latham & Watkins: Olof Clausson, Markus Bauman (beide Federführung; beide London), Dr. Roland Maass (Federführung Deutschland); Associates: Gregory Walker, Thomas Poss, Fabian Brocke, Lisa Soennichsen (alle Kapitalmarkrrecht; alle Frankfurt)
Inhouse (UBS; Frankfurt): Holger Hirschberg – aus dem Markt bekannt
Inhouse (JPMorgan; London): Baljit Dosanjh – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: CMS Hasche Sigle berät den spanischen Telefónica-Konzern schon länger bei Engagements hierzulande. So begleitete sie ihn vor drei Jahren beim Erwerb des Hamburger Breitbandanbieters Hansenet (mehr…). Vor zwei Jahren stand sie dem Unternehmen zur Seite, als es neue Mobilfunkfrequenzen ersteigerte (mehr…).

Auch zuletzt war CMS Marktinformationen zufolge dabei, als Telefónica über einen möglichen Zusammenschluss von 02 mit E-Plus verhandelte. Dem Vernehmen nach betreute Allen & Overy die niederländische E-Plus-Mutter KPN.

Für die CMS-Eigenkapitalmarktpraxis ist das jetzige Mandat ein großer Erfolg. Die sonst üblicherweise vor allem bei mittelgroßen Deals aktive Kanzlei dringt damit in ein Segment vor, in dem zuletzt nur wenige Kanzleien große Marktanteile auf sich vereinigten – allen voran Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und Sullivan & Cromwell.

Auch für die Bankenberaterin Latham ist die Arbeit an dem O2-IPO ein bedeutendes Prestigemandat. Wie CMS verfügt die Kanzlei über gute Beziehungen zu Telefónica. Diese guten Kontakte spielten dem Vernehmen nach nun auch eine wichtige Rolle für die Mandatierung durch die Banken. (René Bender)

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