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10.06.2013

Privatisierung: Sana übernimmt Klinikum Offenbach mit Bergemann Schönherr

Die Sana Kliniken AG übernimmt voraussichtlich zum Juli das Städtische Klinikum Offenbach. Für einen symbolischen Kaufpreis von einem Euro erhält der private Klinikbetreiber 90 Prozent der Anteile. Vorausgegangen war ein EU-weites Vergabeverfahren, über das die Stadt Offenbach nach einem neuen Investor suchte. Die Stadt hat dem Vernehmen nach Ende Mai das Angebot der Sana förmlich angenommen.

Knuth Blumenstiel

Knuth Blumenstiel

Die jetzt abgeschlossene Transaktion gilt als eine der größten Klinikprivatisierungen der vergangenen Jahren und wegen der schwierigen Rahmenbedingungen auch als eine der anspruchsvollsten Transaktionen im Krankenhausmarkt. Das Klinikum Offenbach war im November 2012 nur knapp einer Insolvenz entgangen. Der neue Mehrheitsgesellschafter kündigte nun hohe Investitionen in die Stabilisierung und Sanierung des angeschlagenen Klinikums an.

Laut der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ wird Sana kurzfristig mit 25 Millionen Euro die Liquidität sicherstellen und für die Dauer von zehn Jahren die Abwendung einer Insolvenz garantieren. In den nächsten Jahren will Sana außerdem mindestens 110 Millionen Euro investieren, zunächst insbesondere in die Fertigstellung des Gesundheitscampus. Für die 2.200 Klinikbeschäftigten wird der neue Eigentümer einen Mitarbeiterfonds in Höhe von 20 Millionen Euro einrichten. Er dient nicht nur zur Aus- und Weiterbildung, sondern auch für Abfindungen.

Für die Altschulden in dreistelliger Millionenhöhe kommt die Stadt Offenbach auf, Sana indes trägt künftig das Defizit der Klinik. Die Stadt wird die restlichen zehn Prozent der Anteile an dem Klinikum als Sperrminorität halten. Dies garantiert ihr das Mitspracherecht in wichtigen strategischen Fragen.

Das Klinikum Offenbach ist als sogenannter Maximalversorger ein Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe. Es umfasst 18 Fachkliniken sowie 3 Institute und bietet rund 900 Betten. Sana ist Deutschlands viertgrößter privater Klinikbetreiber, Anteilseigner sind private Krankenkassen wie DKV und Signal-Iduna. Sana betreibt derzeit 48 Krankenhäuser sowie 12 Senioren- und Pflegeheime. 2012 setzte das Unternehmen mit 26.100 Mitarbeitern rund 1,8 Milliarden Euro um.

Thomas Köhler

Thomas Köhler

Berater Sana Kliniken
Bergemann Schönherr & Partner (München): Knuth Blumenstiel (Gesellschaftsrecht/M&A/Medizinrecht), Ronny Walter (Gesellschaftsrecht/M&A/Kartellrecht), Achim Bergemann (Steuern)

Berater Stadt Offenbach
Luther (Frankfurt): Thomas Köhler (Federführung), Claudia Strohe (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Thomas Thees (Arbeitsrecht), Karsten Köhler (Vergaberecht), Dr. Thomas Gohrke (Öffentliches Recht), Jens Röhrbein (Steuern); Associates: Nadine Sterley (Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Markus Nagel (Öffentliches Recht)

Hintergrund: Der Frankfurter Luther-Partner Thomas Köhler gilt als einer der erfahrensten Berater im Krankenhaussektor. Bei zahlreichen Privatisierungen stand er aufseiten der Verkäufer, etwa bei der Veräußerung der Wiesbadener HSK an Rhön (mehr…). Als wirtschaftlicher Berater trat für die Stadt Offenbach SynCap Management auf, Verfahrensbevollmächtigter der Stadt war der Mediziner Prof. Dr. Dr. Friedrich Grimminger.

Sana ließ sich bei Transaktionen zuletzt oft von RBS RöverBrönnerSusat beraten, etwa im März bei einem Zukauf im Landkreis Biberach (mehr…). Insofern überrascht die Wahl von Bergemann Schönherr auf den ersten Blick. Doch die Münchner MDP-Kanzlei hat einen Schwerpunkt im Gesundheitssektor und unterhält seit Jahren auch gute Kontakte zu Sana. Sie berät den Gesundheitskonzern im Steuer-, aber auch Handels- und Gesellschaftsrecht. Nun wurde sie erstmals federführend mit der steuerlichen und rechtlichen Beratung einer Kliniktransaktion in dieser Größenordnung mandatiert.

Im Gesellschaftsrecht hatte sich die ansonsten stark auf Steuerrecht spezialisierten Kanzlei erst kürzlich verstärkt. Walter ist seit Anfang dieses Jahres Partner bei Bergemann Schönherr, er kam von Rölfs RP (mehr…). Bergemann Schönherr war Anfang 2011 als Spin-off von RP Richter & Partner entstanden, die enge Beziehungen zu Sana unterhält. So begleitete die Kanzlei den Gesundheitskonzern 2008 bei einer Kapitalerhöhung und der Umwandlung in eine AG (mehr…). (Anja Hall)

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