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24.07.2013

Rettung von Höft & Wessel: Droege übernimmt, Anwälte agieren in Doppelrollen

Der angeschlagene Automatenhersteller Höft & Wessel hat eine Insolvenz abgewendet. Das Beratungs- und Investmenthaus Droege wird sich über eine Kapitalerhöhung mit mehr als 75 Prozent beteiligen. Dem börsennotierten Unternehmen Höft & Wessel fließt damit frisches Kapital in Höhe von 8,5 Millionen Euro zu.

Peter Versteegen

Peter Versteegen

Die ‚Hannoversche Allgemeine Zeitung‘ (HAZ) berichtete, dass Höft & Wessel sein Eigenkapital aufgebraucht hatte und die Verschuldung vor einem Jahr bei 25 Millionen Euro lag. Nach JUVE-Informationen war bereits ein Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung in Planung. Die Aktionäre und Banken machten nun den Weg für die Sanierung im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung frei. Ein Beteiligter rechnet allerdings mit Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung.

Laut HAZ verzichten die sechs finanzierenden Institute, darunter die Nord/LB und die Sparkasse Hannover, jetzt auf Forderungen in Höhe von rund zwölf Millionen Euro. Die Gründer Michael Höft und Rolf Wessel übertragen ihre Aktienpakete an Droege. Sie hielten über die Höft & Wessel Holding 40,6 Prozent. Höft & Wessel beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter.

Ein Anteil von 24,9 Prozent befindet sich in einer doppelnützigen Treuhand. Die Gründer von Höft & Wessel hatten parallel die Rechtswirksamkeit der Treuhand angegriffen. Eingerichtet wurde die Treuhand im Auftrag der Banken von dem Hamburger Görg-Partner Dr. Thorsten Bieg. Der Rechtsstreit wurde aber mittlerweile beigelegt.

Berater Droege
Inhouse (Düsseldorf): Nicht bekannt

Berater Höft & Wessel AG
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Dr. Peter Versteegen; Associates: Dr. Hildrun Siepmann, Dr. Christopher Luhn (Litigation), Kirsten Seeger

Berater Michael Höft/Rolf Wessel
L2C Luecke & Partner (Hamburg): Carsten Grau (Federführung; Corporate Litigation), Adrian Sirghita (Corporate), Dr. Walter Höft (Steuern)
Strate & Venzke (Hamburg): Dr. Gerhard Strate (Compliance) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Frage nach der Schuld für die Misere brachte zwischenzeitlich auch den Hamburger Freshfields-Partner Versteegen in die Schusslinie. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender musste er auf der Hauptversammlung offen legen, dass seine Kanzlei knapp eine halbe Million Euro für die Beratung zur finanziellen Sanierung abgerechnet hat. Aus Sicht von Freshfields lief die Mandatierung aber korrekt ab: Die AG habe bei Freshfields angefragt, der Aufsichtsrat habe die Mandatierung genehmigt.

Aufsichtsratsposten gelten mittlerweile in vielen Großkanzleien als unattraktiv, da sie die Kanzleien bei der Wahl von Mandaten einschränken. Zudem führten sie in der Vergangenheit schon wiederholt zu Streitigkeiten. Schlagzeilen machte etwa der Prozess um die Mandatierung von Noerr-Partner Dr. Dieter Schenk, zugleich jahrelang stellvertretender Fresenius-Aufsichtsratsvorsitzender (mehr…).

L2C-Partner Walter Höft ist der Cousin von Höft & Wessel-Gründer Michael Höft. Die Federführung für das Mandat übernahm nun der L2C-Anwalt Carsten Grau, der auch den Rechtsstreit mit der Treuhand führte. Grau war bis Ende vergangenen Jahres Partner bei DLA Piper in Hamburg. L2C brachte zudem Strafverteidiger Strate für Compliance-Fragen in das Mandat. Auch er hatte eine Doppelrolle: Strate war auf der Hauptversammlung zugleich als Kleinaktionär von Höft & Wessel aufgetreten. (Parissa Kerkhoff)

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