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03.07.2013

Rückzieher: Sullivan-Mandantin Deutsche Annington sagt IPO vorerst ab

Die Deutsche Annington hat ihren für heute geplanten Börsengang verschoben. Die Nachfrage nach den Aktien des größten deutschen Immobilienkonzerns blieb klar unter den Erwartungen. JUVE-Recherchen zufolge könnte es bis Mitte Juli einen zweiten Versuch geben.

Das Immobilienunternehmen hatte bereits statt einer Milliarde Euro nur noch 650 Millionen Euro als Emissionsvolumen vorgesehen. Wenige Stunden vor dem Ende der Zeichnungsfrist gestern Nachmittag lagen laut Presseberichten dennoch erst für rund 80 Prozent der Aktien Kaufaufträge innerhalb der vorgegebenen Preisspanne vor. Als Emissionsbanken waren JPMorgan und Morgan Stanley tätig.

Eine leicht gesenkte Preisspanne könnte aber die Erfolgsaussichten für einen möglichen zweiten Versuch erhöhen, ebenso wie eine niedrigere Anzahl an zu platzierenden Aktien. Von einem erfolgreichen Börsengang hängt für die Deutsche Annington viel ab. Er wäre für das mit über fünf Milliarden Euro verschuldete Unternehmen ein Befreiungsschlag. An den Börsenstart sind schließlich zwei weitere milliardenschwere Transaktionen gekoppelt. Sie sollen dafür sorgen, dass das Unternehmen nur noch zu rund der Hälfte mit Schulden belastet ist.

Michael Bütter

Michael Bütter

Der Konzern nutzt dabei eine ungewöhnliche Struktur. Mit dem Börsendebüt verbunden wäre ein neues Darlehen über 2,5 Milliarden Euro. Dies soll Verpflichtungen aus verbrieften gewerblichen Immobilienkrediten, Commercial Mortgage-Backed Securities (CMBS) ablösen, die der Konzern nach zähen Verhandlungen erst Ende 2012 refinanziert hatte. Die 5,6 Milliarden Euro schweren sogenannten Grand-Darlehen hatten die Bochumer ursprünglich 2006 aufgenommen (mehr…).

Carsten Berrar

Bei dem neuen und deutlich günstigeren Kredit bliebe es aber nicht. Er würde ebenfalls abgelöst, in Form einer Anleihe. Die Anleihe soll unbesichert sein, wodurch die Annington keine weiteren Sicherheiten für Fremdkapital mehr vorbringen muss. Dies wäre ein Novum in der Finanzierung deutscher Immobilienunternehmen. Ein solches Vertrauen wird meist nur Unternehmen mit außergewöhnlich gutem finanziellen Ansehen entgegengebracht.

Berater Annington
Inhouse (Bochum): Dr. Michael Bütter (Federführung), Bernd Gremm (Corporate), Daniela Renner (Due Diligence/Verträge), Dr. Armin Hutner (Kreditfazilität), Dr. Torsten Wehrhahn (Anleihe)
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar (Federführung IPO), Dr. Wolfgang Feuring (Federführung Anleihe); Associate: Dr. Volker Wiegel – aus dem Markt bekannt
Allen & Overy: (Frankfurt): Dr. Olaf Meisen, Mark Manson-Bahr
Watson Farley & Williams (Hamburg): Dr. Nikolaus Krienke (Federführung; Arbeitsrecht), Dr. Christian Wolf (Gesellschaftsrecht), Gerrit Bartsch (Steuern; alle zu Vergütungsmodellen für Führungskräfte/Mitarbeiter bei IPO); Associates: Dr. Andreas Wiegreffe, Philip Groth (München; beide Arbeitsrecht), Joachim Heinemann (Gesellschaftsrecht)

Berater Banken
Freshfields Bruckhaus Deringer: Mark Strauch, Dr. Cristoph Gleske, Dr. Andreas König – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Morgan Stanley; Frankfurt): Johannes Borsche

Berater Vorstand Deutsche Annington
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Reinhold Ernst, Dr. Dirk Busch – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: 

Üblicherweise setzt der Annington-Rechtschef Bütter auf die eigenen Kompetenzen. Bei dem Großprojekt brauchte es nun aber darüber hinaus weitreichende externe Hilfe. In Sachen IPO vertraute die Annington dem Kapitalmarktteam von Sullivan. In das Mandat brachte die Praxis neben ihrer beeindruckenden Bilanz bei Börsengängen insbesondere ihre Erfahrung in der Immobilienbranche. So begleitete sie in den vergangenen Jahren mehrfach Kapitalmarktdeals der Deutschen Wohnen (mehr…) und betreute auch vor wenigen Monaten die nordrhein-westfälische LEG bei deren milliardenschwerem IPO (mehr…).

Neben der IPO-Beratung vertraute die Annington Fragen zur Anleihe ebenfalls Sullivan an, zuständig ist Partner Feuring. Für die Ablösung der alten, bereits restrukturierten Grand-CMBS-Finanzierung fiel die Wahl auf Allen & Overy. Sie hatte unter anderem die vorherige Refinanzierung betreut (mehr…).

Watson Farley hatte die Deutsche Annington schon in der Vergangenheit bei Führungskräfte¬themen beraten. Das Mandat ist ein schöner Erfolg für die noch junge Arbeitsrechtspraxis. Partner Krienke kam erst vor rund zwei Jahren zu Watson Farley und übernahm den Aufbau der Praxis (mehr…). Ansonsten ist die Ruhrgebietsgröße Kümmerlein seit vielen Jahren die arbeitsrechtliche Beraterin der Annington.

Bei dem aktuellen IPO-Versuch wählten die Banken Freshfields, die mit Sullivan und Hengeler die Beratung bei Börsengängen derzeit dominieren. Mit im Rennen um das Mandat war ursprünglich auch Skadden Arps Slate Meagher & Flom. (René Bender)

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