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13.09.2013

Ausgekontert: Fresenius und Rhön landen mit Hengeler und Latham Übernahmecoup

Durch einen überraschenden Vorstoß wird Fresenius zum größten Klinikbetreiber Europas. Der Dax-30-Konzern übernimmt für drei Milliarden Euro 43 Krankenhäuser und 15 medizinische Versorgungszentren des fränkischen Klinikbetreibers Rhön. Es ist die unerwartete Wende im Kampf um die Herrschaft bei Rhön. 

Rainer Krause

Rainer Krause

Mit dem Deal durch die Hintertür lassen Fresenius und Rhön die Widerstände gegen ihren ursprünglichen Übernahmeplan ins Leere laufen. Denn Fresenius übernimmt nicht Rhön selbst, sondern einen bedeutenden Teil der Kliniken und Versorgungszentren.

Diese sollen im laufenden Jahr einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielen, was zwei Drittel der Gesamterlöse von Rhön entspricht. Die Fresenius-Tochter Helios, die die Rhön-Kliniken betreiben soll, steigt durch den Deal zum größten privaten Klinikbetreiber Europas, wenn nicht sogar weltweit auf. 117 Kliniken mit einem Umsatz von 5,5 Milliarden Euro laufen dann unter dem Namen von Helios.

Die Aufsichtsräte und Vorstände beider Unternehmen haben das Geschäft bereits abgesegnet. Die Rhön-Aktionäre sollen durch eine Sonderdividende von der Transaktion profitieren, ihre Zustimmung ist aber nicht erforderlich. Allerdings steht die Freigabe durch das Bundeskartellamt noch aus. Fresenius will die Transaktion über Fremdkapital finanzieren, Schulden von Rhön übernimmt der hessische Konzern nicht.

Fresenius hatte im Frühjahr 2012 ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Rhön abgegeben (mehr…), der Deal scheiterte jedoch. Die Wettbewerber Asklepios und B. Braun hatten sich seinerzeit mit rund zehn Prozent bei der Konkurrentin Rhön beteiligt. Da es eine Hürde von 90 Prozent für wichtige Beschlüsse gegeben hat, konnten sie die Transaktion blockieren. Sie wollten verhindern, dass ein übermächtiger Anbieter entsteht.

Nach dem gescheiterten Übernahmeplan begann ein Machtkampf bei Rhön. Im Juni hatten die Rhön-Aktionäre die 90-Prozent-Hürde gekippt (mehr…). Möglich wurde die Satzungsänderung aber nur, weil auf der Hauptversammlung die Stimmen von B. Braun nicht berücksichtigt worden waren. Der Anwalt und Vertreter von B. Braun, Markus Linnerz von Flick Gocke Schaumburg, sei nicht ordnungsgemäß legitimiert gewesen, erklärte damals Rhön-Gründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch. Sowohl B. Braun als auch Asklepios reichten Klage gegen den Hauptversammlungsbeschluss ein (mehr…).

Henning Schneider

Berater Fresenius
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Rainer Krause (Federführung), Dr. Carsten Schapmann (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Dr. Ernst-Thomas Kraft, Dr. Mathias Link (beide Steuern; beide Frankfurt); Associate Dr. Carsten Wettich
Noerr (Berlin): Prof. Dr. Karsten Metzlaff, Dr. Fabian Badtke; Associates: Hanno Schaper (alle Kartellrecht)
Freshfields Bruckhaus Deringer: Yorck Jetter (München), Mark Strauch (Frankfurt; beide Finanzierung) – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Helios; Berlin): Caroline Tetzel (Leiterin Recht), Francesco de Meo (CEO), Dirk Schneider
Inhouse
(Fresenius; Bad Homburg): Dr. Uta Klawitter (Leiterin Recht) – aus dem Markt bekannt

Berater Fresenius-Vorstand
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg (Vorstandsberatung)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Dr.Thomas Bücker (Vorstandsberatung)

Berater Rhön
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Henning Schneider (Federführung; M&A/Healthcare), Dr. Dirk Kocher, Dr. Wilhelm Reinhardt (Frankfurt; beide M&A/Aktien-/Gesellschaftsrecht), Dr. Christoph Baus (Verfahren), Christoph Engeler (M&A/Healthcare), Dr. Marco Núñez Müller (Kartellrecht), Dr. Götz Wiese (Steuerrecht); Associates: Dr. Jan Philipp Feigen, Julia Heydel, Otto von Gruben, Dr. Andreas Lönner, Dr. Sebastian Schneider, Dr. Carsten Witzke (alle Corporate), Dr. Philipp Lukas (Steuerrecht), Dr. Torsten Volkholz (Finance), Dr. Jana Dammann (Kartellrecht)
Seufert (München): Dr. Bernhard Lambrecht, Dr. Reinhard Wagner, Dr. Johannes Gruber (alle Aufsichtsratsberatung), Dr. Norbert Dasch (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Banken: Nicht bekannt

Hintergrund: Auf Beraterseite gab es im Vergleich zu der ursprünglichen Übernahmeofferte für Rhön einen wesentlichen Unterschied. Damals standen Taylor Wessing und Latham gemeinsam an der Seite von Rhön. Nun war Taylor Wessing nicht mehr mit dabei. Die Kanzlei und insbesondere ihr Frankfurter Partner Christoph Vaupel waren seinerzeit vom Vorstand mandatiert worden. Seither schieden allerdings zwei Vorstände aus.

Nun übernahm die entscheidende Beraterrolle das Latham-Team um den Hamburger Partner Schneider, der bei Transaktionen im Gesundheitswesen sehr erfahren ist. Latham hatte beim ersten Kaufversuch vor allem den Aufsichtsrat beraten. Diese Aufgabe übernahm nun die Münchner Kanzlei Seufert. Sie kennt das Unternehmen sehr gut und stand ihm gemeinsam mit Latham auch im Streit um die Satzungsänderung zur Seite.

Aufseiten des Käufers blieb alles beim Alten. Hengeler steuerte den Deal unter Federführung ihres Düsseldorfer Partners Krause, der für Fresenius etwa auch den Rechtsformwechsel in eine SE betreut hatte (mehr…). Anders als bei der geplanten öffentlichen Übernahme vor gut einem Jahr hatte er ein zum Teil verändertes Team um sich, da sich die Transaktionsstruktur verändert hat. Auch Noerr und Freshfields waren vor gut einem Jahr bereits in Fragen des Kartellrechts bzw. der Finanzierung mit dabei.

Asklepios setzte bei der Klage gegen die Hauptversammlungsbeschlüsse auf Clifford Chance, B. Braun vertraute Flick Gocke Schaumburg und Gleiss Lutz. (René Bender)

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