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17.10.2013

Gegen den Trend: Trumpf schlägt mit Inhouse-Hilfe und CMS in China zu

Nach längerer Zeit engagiert sich wieder ein deutscher Mittelständler in Fernost. Der Maschinenbauer Trumpf aus Baden-Württemberg hat die Mehrheit an dem chinesischen Wettbewerber Jiangsu Jinfangyuan (JFY) übernommen. Das Familienunternehmen stemmt die größte Akquisition seiner Geschichte und stellt sich damit gegen den Trend chinesischer Investitionen in Europa.

Ulrike Glück

Trumpf übernahm ohne Fremdfinanzierung rund 70 Prozent der JFY-Anteile. Trumpf beschäftigt 10.000 Mitarbeiter und ist in China bereits zuvor präsent gewesen. Zuletzt vermeldete das Ditzinger Familienunternehmen einen Rekordumsatz von rund 2,3 Milliarden Euro. JYF ist deutlich kleiner als Trumpf, gilt allerdings in China als Marktführer bei der Herstellung von Stanz- und Biegemaschinen. Mit 680 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2012 einen Umsatz von 67 Millionen Euro. 

Es ist bislang noch offen, wer genau hinter JFY steht. Allerdings dauerte es fast drei Jahre, bis alle erforderlichen Genehmigungen für den Deal vorlagen. Der lange Kaufprozess ist durchaus üblich, wenn ausländische Investoren bei staatseigenen oder staatsnahen Unternehmen einsteigen. Chinesische Behörden überprüfen solche Transaktionen sehr genau.

Berater Trumpf Werkzeugmaschinen
Inhouse (Ditzingen): Peter Bokelmann (Leiter Recht)
CMS Hasche Sigle (Schanghai): Dr. Ulrike Glück (Federführung; Gesellschaftsrecht/M&A), Colin Liu (Kartellrecht/IP); Associates: Ada Tong, Gloria Yu (beide Gesellschaftsrecht/M&A), Jeanette Yu (Arbeitsrecht), Chesy Chen (IP), Jie Lin (Kartellrecht), Charlie Sun (Steuern)

Berater Verkäufer
Jiangsu Lihua Law Firm (Yangzhou): Jiankui Qian – aus dem Markt bekannt

Hintergrund:  Die deutsche Gesellschaftsrechtlerin Glück ist Managing-Partnerin von CMS in China. Sie leitete das Team aus Corporate- und Kartellrechts-Anwälten, das den Trumpf-Chefjuristen Bokelmann bei den Verhandlungen vor Ort unterstützte. Dass Trumpf gerade CMS die größte Übernahme der Firmenhistorie anvertraute, macht aus verschiedenen Gesichtspunkten Sinn.

So ist die Kanzlei seit Jahren mit deutschen Anwälten im asiatischen Wirtschaftsmarkt präsent. Daneben berät CMS das Familienunternehmen und einige seiner Produktsparten im Gewerblichen Rechtsschutz. Die IP-Praxis ist bereits mehrfach für Trumpf Medizin System in Fällen der Produktpiraterie gegen chinesische Wettbewerber vorgegangen.

Gerade in Stuttgart bestehen auch historische Beziehungen im Gesellschaftsrecht: Namenspartner Walter Sigle, der 2005 altersbedingt bei CMS ausschied, beriet die Unternehmerfamilie jahrzehntelang und war über 20 Jahr lang Mitglied im Verwaltungsrat der Trumpf-Gruppe. Sigle gründete eine eigene Kanzlei. Laut Marktinformationen setzen die Trumpf-Gesellschafter nunmehr verstärkt auf den jüngeren Sigle-Anwalt Dr. Georg Zinger. (Marcus Jung)

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